Stuckrad-Barre verewigt Udos Spitznamen im Personalausweis
Eine besondere Ehre ist es, von Udo Lindenberg einen Spitznamen zu erhalten. Der bekannte Schriftsteller Benjamin von Stuckrad-Barre hat diese Auszeichnung erfahren und zeigt sich davon derart begeistert, dass er den verliehenen Namen kurzerhand offiziell machen ließ. In seinem neu erschienenen Buch, das im renommierten Verlag Kiepenheuer & Witsch veröffentlicht wurde, widmet sich der 51-Jährige erneut der Ikone der deutschen Musikszene und gewährt intime Einblicke in ihre langjährige Freundschaft.
„Stuckiman“ wird amtlich dokumentiert
Der von Udo Lindenberg vergebene Spitzname lautet „Stuckiman“. Von Stuckrad-Barre so sehr geschätzt, dass er beschloss, ihn als Künstlernamen in seinen Personalausweis eintragen zu lassen. „Einfach, um zu gucken, ob das geht“, erklärt der Autor mit einem Augenzwinkern. Die Motivation hinter diesem ungewöhnlichen Schritt sei die Freude daran, den typischen „Udo-Spirit“ in ein beglaubigtes staatliches Dokument zu bringen – ein bewusster Kontrast zwischen Bürokratie und künstlerischer Freiheit.
Die Beamtin vom Einwohnermeldeamt zeigte sich zunächst wenig begeistert von der unkonventionellen Idee. Mit den Worten „Ja sehr witzig, das kann ja jeder sagen, Udo nennt mich soundso. Das lassen wir mal schön bleiben“ wollte sie den Antrag zunächst ablehnen. Doch Stuckrad-Barre überzeugte sie schließlich, indem er sie bat, den Namen „Stuckiman“ bei Google einzugeben. Die zahlreichen Treffer belegten die Authentizität, und so erfüllte die Dame ihm den Gefallen. Seit dem Jahr 2018 steht der Künstlername nun offiziell in seinem Ausweis dokumentiert.
Die Faszination für Udo Lindenberg
Was fasziniert Benjamin von Stuckrad-Barre am meisten an Udo Lindenberg? „Mich begeistert an ihm ganz viel“, betont der Schriftsteller. Bereits als Kind habe ihn vor allem Lindenbergs spielerischer, fantasievoller und erfinderischer Umgang mit der deutschen Sprache angezogen. „Die deutsche Sprache als Abenteuerspielplatz zu begreifen – das ist für mich das Wichtigste.“
Darüber hinaus hebt Stuckrad-Barre die tiefe Menschenliebe hervor, die von dem Musiker ausgeht. „Ein Interesse am Menschen. Er spricht mit jedem.“ Auch die charakteristische Melancholie, die Lindenberg selbst in ausgelassensten Feierstunden umgibt, findet besondere Erwähnung. Das legendäre „Schubidu“ interpretiert der Autor dabei als eine Taktik zur momentweisen Überwindung dieser tiefsitzenden Grundstimmung.
Überraschende Genauigkeit der Erinnerung
Eine besondere Überraschung erlebte Stuckrad-Barre während der vielen Gespräche mit Udo Lindenberg: die verblüffende Genauigkeit von dessen Erinnerungsvermögen. Angesichts von Lindenbergs nuscheliger Aussprache, seinem extravaganten Kleidungsstil und der ständigen Witzelei könnte man vermuten, dass er sich nicht einmal an Ereignisse von vor zehn Minuten erinnere – doch das Gegenteil ist der Fall.
„Der weiß sehr, sehr genau, was los ist und merkt sich das meiste sehr genau“, so Stuckrad-Barre. Hinter der ikonischen Sonnenbrille verberge sich ein extrem wacher Blick, mit dem Lindenberg alles in seiner Umgebung sofort erfasse. Der Schriftsteller kam zu dem Schluss, dass die Sonnenbrille weniger zum Schutz Lindenbergs selbst dient, sondern vielmehr die Menschen um ihn herum schützt. „Der Udo-Blick ist so wahnsinnig tief, so allsichtig, so anrührend auch, das hält keiner lange aus.“
Die beiden Künstler verbindet eine Freundschaft, die bereits seit mehr als zwei Jahrzehnten besteht. Diese tiefe Verbundenheit und gegenseitige Wertschätzung spiegelt sich nicht nur in Stuckrad-Barres literarischen Werken wider, sondern nun auch ganz offiziell in seinem Personalausweis – als bleibendes Zeugnis des „Udo-Spirit“.



