Max Fleischmann: Jurist und NS-Opfer aus Halle
Max Fleischmann: Jurist und NS-Opfer aus Halle

Die Fleischmannstraße im halleschen Paulusviertel ist eine kurze, unscheinbare Straße. Sie ist kaum 200 Meter lang, zweigt von der Reilstraße ab und endet am Unteren Galgenbergweg. In der Nähe liegen der Zoo und die Galgenbergschlucht. Die Wohnhäuser hier sind typisch für das Paulusviertel. Doch der Name der Straße birgt eine bewegte Geschichte: Sie erinnert an den Juristen Max Fleischmann, der in den 1920er Jahren weit über Halle hinaus als renommierter Völkerrechtler bekannt war.

Ein bedeutender Völkerrechtler

Max Fleischmann wurde 1872 in Breslau geboren. Er studierte Rechtswissenschaften und habilitierte sich in Halle, wo er später als Professor für Völkerrecht und Staatsrecht lehrte. Seine Werke galten als wegweisend, und er war international anerkannt. Fleischmann war nicht nur Wissenschaftler, sondern auch politisch engagiert. Er setzte sich für die Weimarer Republik ein und war Mitglied der Deutschen Demokratischen Partei.

Die Verfolgung durch die Nationalsozialisten

Mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten änderte sich Fleischmanns Leben dramatisch. Als Jude wurde er von der Universität vertrieben und verlor alle Ämter. Er wurde gedemütigt und ausgegrenzt. Die Nazis trieben ihn in den Tod: Am 27. Juli 1943 starb er unter ungeklärten Umständen. Offiziell hieß es, er habe Selbstmord begangen, doch viele Historiker gehen von einem Mord durch die Gestapo aus.

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Ein Erklärschild für die Fleischmannstraße

Um an das Schicksal von Max Fleischmann zu erinnern, haben die Bürgerstiftung Halle und das Ehepaar Kerstin und Hans-Dieter Grimm ein Erklärschild am Anfang der Fleischmannstraße angebracht. Antje Löhr-Dittrich von der Bürgerstiftung betonte bei der Enthüllung die Bedeutung, die Geschichte hinter den Straßennamen sichtbar zu machen. „Viele Menschen gehen täglich an diesen Schildern vorbei, ohne zu wissen, wer dahintersteckt. Wir wollen das ändern“, sagte sie. Hans-Dieter Grimm, der zusammen mit seiner Frau das Schild spendete, ergänzte: „Es ist uns eine Herzensangelegenheit, an die Opfer des Nationalsozialismus zu erinnern und ihre Namen lebendig zu halten.“

Ein bleibendes Andenken

Das Schild informiert über die zwei Leben des Max Fleischmann: das erfolgreiche als Wissenschaftler und das tragische als Verfolgter. Es soll dazu beitragen, dass die Erinnerung an ihn und viele andere Opfer nicht verblasst. Die Fleischmannstraße ist damit mehr als nur eine kurze Verkehrsader – sie ist ein Mahnmal gegen das Vergessen.

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