Internationale Ermittler spüren entführte ukrainische Kinder auf
Bei einem von Europol organisierten digitalen Hackathon in Den Haag sind 45 mutmaßlich entführte ukrainische Kinder aufgespürt worden. Die zweitägige Suchaktion unter Beteiligung von Sonderermittlern aus 18 Ländern sowie dem Internationalen Strafgerichtshof konzentrierte sich auf die Lokalisierung von Kindern, die während des Ukrainekriegs gewaltsam verschleppt wurden.
Open-Source-Intelligenz als Schlüssel zum Erfolg
Die Experten nutzten sogenannte Open-Source-Intelligenz (OSINT), um die Kinder zu finden. Diese Methode umfasst das systematische Sammeln, Analysieren und Auswerten von öffentlich zugänglichen Informationen im Internet. Als Grundlage dienten unter anderem von Eltern bereitgestellte Kinderfotos, die mit anderen verfügbaren Daten abgeglichen wurden.
Neben den konkreten Aufenthaltsorten konnten die Ermittler auch Transportrouten identifizieren sowie Militäreinheiten, die an den Deportationen beteiligt waren. Die gewonnenen Informationen wurden umgehend an die ukrainischen Behörden übergeben und könnten entscheidende Hinweise für die weitere Suche liefern.
Massive Dimension der Kinderentführungen
Seit Beginn des Krieges im Februar 2022 wurden schätzungsweise mehr als 19.500 Kinder aus besetzten ukrainischen Gebieten in andere besetzte Regionen, nach Russland oder Belarus verschleppt. Einige dieser Kinder wurden laut Europol-Berichten adoptiert, andere werden in Umerziehungslagern oder psychiatrischen Kliniken festgehalten.
Die russische Regierung beharrt dagegen auf der Darstellung, die Kinder seien zu ihrem eigenen Schutz aus den Kampfgebieten evakuiert worden. Diese Position wird von internationalen Organisationen und Gerichten jedoch massiv in Frage gestellt.
Internationale rechtliche Konsequenzen
Der Internationale Strafgerichtshof hat aufgrund der systematischen Kinderentführungen Ermittlungen eingeleitet und internationale Haftbefehle gegen den russischen Präsidenten Wladimir Putin sowie die russische Beauftragte für Kinderrechte, Maria Lwowa-Belowa, erlassen. Die Vereinten Nationen werfen Russland vor, mit diesen Handlungen Verbrechen gegen die Menschlichkeit begangen zu haben.
Dieser Europol-Hackathon markiert bereits die dritte internationale digitale Suchaktion, die sich speziell mit den verschleppten ukrainischen Kindern befasst. Die erfolgreiche Lokalisierung von 45 Kindern zeigt, dass auch unter schwierigsten Bedingungen Fortschritte bei der Aufklärung dieser humanitären Tragödie möglich sind.



