Kiew – Ein kalkulierter Schachzug des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj (48) hat die wahren Absichten des Kremls offengelegt. Nachdem Wladimir Putin (73) einseitig eine Waffenruhe für den 8. und 9. Mai rund um den „Tag des Sieges“ ausgerufen hatte, setzte Selenskyj eine eigene Feuerpause fest – auf unbestimmte Zeit ab dem 6. Mai. Die Botschaft war klar: Sollte Moskau sich nicht an Kiews Waffenruhe halten, fühlt sich die Ukraine auch nicht an die russische gebunden. Und Putin würde beweisen, dass es ihm nur um seine Parade geht, nicht um Menschenleben.
Massive Verstöße innerhalb der ersten Stunden
Genau das geschah. Kaum war Kiews Waffenruhe in Kraft, krachte es an der Front. Laut Selenskyj gab es innerhalb der ersten zehn Stunden mehr als 1800 Verstöße von russischer Seite – mit Shahed-Drohnen auf Charkiw, Gleitbomben auf Saporischschja und Drohnenschwärmen über Odessa. Der Präsident kündigte an, am Abend über eine Reaktion auf Grundlage von Berichten der Armee und des Militärgeheimdienstes zu entscheiden.
Kiews Kalkül: Putin in die Zange genommen
Kiew hatte die Waffenruhe auf 0 Uhr Ortszeit am Mittwoch (23 Uhr MESZ) festgesetzt und angekündigt, „spiegelbildlich“ zu reagieren, falls Moskau sich nicht daran halte. Angesichts der zahlreichen Verstöße sind beide Feuerpausen nun hinfällig. Die Ukraine fühlt sich bestätigt: Mit seinem Vorgehen zwang Selenskyj den Kreml in eine Lage mit zwei schlechten Optionen – entweder vor dem „Tag des Sieges“ tatsächlich die Waffen schweigen lassen oder durch neue Angriffe jede Glaubwürdigkeit verlieren. Moskau entschied sich für Letzteres.
Außenminister wirft Kreml Ignoranz vor
Der ukrainische Außenminister Andrij Sybiha (51) warf dem Kreml vor, einen fairen Aufruf zur Beendigung der Feindseligkeiten ignoriert zu haben. Die Feuerpause am 9. Mai habe nichts mit Diplomatie zu tun. Tatsächlich hat Putin aus Sorge um die Sicherheit für die alljährliche Militärparade umfangreiche Sicherheitsmaßnahmen in Moskau veranlasst. Der Ring aus Flugabwehrgeschützen rund um die Hauptstadt wurde noch dichter. Der Abzug dieser Systeme an anderer Stelle eröffne der Ukraine mehr Möglichkeiten für Angriffe mit großer Reichweite, erklärte Selenskyj. Man werde nun die entsprechenden Prioritäten setzen.
Zivilisten sterben bei Angriffen
Parallel griff Russlands Armee ukrainische Städte mit Drohnen und ballistischen Raketen an. Im Gebiet Sumy kamen nach Behördenangaben zwei Menschen ums Leben. Eine Frau sei bei einem Drohnenangriff auf ein ziviles Auto getötet worden, schrieb Militärgouverneur Oleh Hryhorow bei Telegram. Eine weitere Frau starb beim Einschlag einer Drohne in einen Kindergarten – Kinder waren zum Zeitpunkt des Angriffs nicht in dem Gebäude.
Mobilfunknetz in Moskau abgeschaltet
Zudem wurde das mobile Internet in Moskau laut Oppositionsmedien bis zum 9. Mai abgeschaltet – aus Sorge, dass ukrainische Drohnen über das Mobilfunknetz navigieren könnten. Die Folge waren gestörte Verbindungen, verzögerte SMS, Probleme für Taxis und bei Banking-Apps. Der Kreml zeigt damit, dass ihm die eigene Sicherheit wichtiger ist als das Wohl der Bevölkerung.



