BND-Legende packt aus: Geheimnisse aus dem Nahen Osten
BND-Legende packt aus: Geheimnisse aus Nahost

Gerhard Conrad (72) ist eine Legende des Bundesnachrichtendienstes (BND) und gilt als bester Nahost-Experte Deutschlands. Der langjährige Spion war in Damaskus, Beirut und Jerusalem im Einsatz, vermittelte zwischen Israelis und islamistischen Terroristen der Hamas und Hisbollah. Jetzt spricht er im Podcast von BILD-Vize Paul Ronzheimer über sein Leben als Geheimagent.

Wie alles begann: Von Karl May zum BND

Conrads Faszination für Geheimdienste begann in der Kindheit. „Meine Faszination kam durch Karl May“, erzählt er. Die Romanfigur Kara Ben Nemsi reiste von Marokko bis zum Balkan und beeindruckte ihn durch Sprachkenntnisse und Menschenkenntnis. Zum BND kam er nicht durch eine Bewerbung, sondern wurde „getippt“ – also empfohlen. Ausschlaggebend waren seine Sprach- und Regionalkenntnisse, sein sicherheitspolitisches Interesse und die Tatsache, dass er bereits von der Bundeswehr sicherheitsüberprüft worden war.

Begegnungen mit Diktatoren und Terroristen

Baschar al-Assad: Ein schüchterner junger Mann

1998 traf Conrad den späteren syrischen Diktator Baschar al-Assad. „Er hielt eine grauenhafte Rede, er ist ein schüchterner Mensch gewesen“, erinnert sich Conrad. „Ein langer, eher ungelenker junger Mann, der stotterte und einen schweren Dialekt sprach.“ Conrad übermittelte ihm Grüße der deutschen Botschaft und sprach über den Einsatz deutscher Technologie in Syrien.

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Mohammed al-Scharaa: Pragmatiker mit Risiko

Über den neuen syrischen Machthaber Mohammed al-Scharaa, einen ehemaligen Terroristen, sagt Conrad: „Er wirkt auf mich sehr pragmatisch.“ Sein Motto: Keine Konflikte, Wiederaufbau Syriens mit externer Hilfe. Die Gefahr: Seine Unterstützer könnten ihn eines Tages fallen lassen.

Der 11. September 2001 und seine Folgen

Conrad erlebte die Anschläge in Damaskus. „Wir wussten, dass die Zeit danach eine andere werden würde“, sagt er. Syrien stand bereits als Teil der „Achse des Bösen“ unter Druck. Man musste vermeiden, mit den Attentätern in einen Topf geworfen zu werden.

Warum Menschen ihr Land verraten

Viele Spione handeln aus finanziellen Gründen oder für eine bessere Zukunft. „In diesen Systemen zu leben ist nicht lustig“, erklärt Conrad. Angehörige arabischer Diktaturen hoffen auf einen deutschen Pass und Geld im Ausland.

Israels Fehleinschätzung der Hamas

Zum Hamas-Angriff am 7. Oktober 2023 sagt Conrad: Der Inlandsgeheimdienst Schin Bet hatte den Angriffsplan bereits ein Jahr zuvor. Doch die israelische Führung hielt ihn für zu ambitioniert und glaubte, die Hamas mit Geld aus Katar beruhigt zu haben. „Man lebte da gar nicht so schlecht, wenn man die richtigen Freunde hatte in Gaza“, so Conrad. Doch die Hamas ließ sich nicht kaufen.

Genozidvorwürfe gegen Israel

Conrad weist die Vorwürfe zurück: „Der Genozidvorwurf ist begrifflich idiotisch.“ Israel habe kein Flächenbombardement durchgeführt, sondern gezielt Hamas-Terroristen bekämpft, wobei zivile Opfer als Schutzschilde missbraucht wurden. Wer echte Zerstörung sehen wolle, solle nach Syrien schauen.

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