Der U-Bahnhof Großhadern im Südwesten Münchens wird täglich von rund 16.000 Fahrgästen genutzt. Morgens strömen Studenten mit Rucksäcken aus der Bahn, um zu ihren Lehrveranstaltungen der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) zu gelangen. Der moderne Uni-Campus erstreckt sich entlang der Würmtalstraße. Später sind ältere Fahrgäste unterwegs: Eine Frau trägt ihren Dackel auf dem Arm, ein Vater schiebt den Kinderwagen, ein grauhaariger Mann mit Jutebeutel sucht in Abfalleimern nach Pfandflaschen. Auch im gutbürgerlichen Stadtviertel gibt es prekäre Lebensverhältnisse.
Neuer Kiosk am U-Bahnhof Großhadern
Ein Lichtblick für Pendler: Der U-Bahn-Kiosk hat seit Ende Januar wieder geöffnet. Signalrote Wände, Kaffee, Butterbrezeln, Snickers und Chupa-Chups-Lollis stehen im Angebot. Seit Ende 2019 war der Kiosk geschlossen, ganze sechs Jahre lang, bestätigt ein MVG-Sprecher. Ali Dosti (27) betreibt den Kiosk mit einem Kumpel. „Die Leute freuen sich, dass wir da sind. Am besten geht Tabak. Die Jungen kaufen Energydrinks und Vape-Zubehör“, sagt er. Ältere Fahrgäste fragen nach Zeitungen – das ist geplant. Andere möchten Fahrkarten kaufen. „Wir machen Montag bis Freitag um halb 7 Uhr auf. Doch Fahrscheinverkauf hat uns die MVG bis jetzt noch nicht erlaubt“, erklärt der Betreiber. Eine Butterbrezel kostet 2,30 Euro. In einem Nebenraum will er eine Küche einrichten, um belegte Semmeln anzubieten. Die ruhige Stimmung und die extreme Sauberkeit der Station gefallen ihm sehr.
Geschichte und Ausstattung der Station
Seit 1993 gibt es den U6-Bahnhof Großhadern. Bekannt ist er für seine Optik: Knallgelbe Säulen sind der Blickfang am Gleis. Die Wandbemalung zeigt geologische Gesteinsschichten in Braun- und Grautönen, realisiert vom Künstler Johannes Klinger. Ein Pluspunkt: Die Toiletten funktionieren. Vor dem Aufgang Würmtalstraße/Heiglhofstraße leuchten die Türen für Damen, Herren und Rollstuhlfahrer. Ein Besuch kostet 60 Cent, der Automat gibt Wechselgeld, Toilettenpapier und Seife sind vorhanden.
Stimmen von Fahrgästen
David Stephenson (76), früher Dozent für Organische Chemie an der Uni, lobt die Barrierefreiheit: „Mit Aufzug und Rolltreppe komme ich überall gut hin. Auch das Deutschlandticket ist praktisch. Früher bin ich Auto gefahren, doch mit den öffentlichen Verkehrsmitteln bin ich jetzt zufrieden.“ Rentnerin Brigitte Seitz nutzt die U-Bahn gern, um in die City zu fahren. Sie erinnert sich an die Zeit vor der U-Bahn, als nur alle 20 Minuten ein Bus fuhr: „Das war damals nicht so gut!“ Ihr gefällt die ruhige Wohngegend direkt an der U-Bahn. Ihr fällt auf: „Immer mehr junge Leute ziehen nach Großhadern.“
Einkaufsmöglichkeiten in der Nähe
Wer den Ausgang Heiglhofstraße nach oben nimmt, erreicht das Zentrum: Friseur, Rewe, Apotheke, mehrere Banken und vor allem Elemu Döner, beliebt bei Studenten, Pflegern und Ärzten des nahen Klinikums Großhadern. Anders als in der Innenstadt gibt es an der U-Bahn keinen Obst- und Gemüsestand.
U6-Verlängerung nach Martinsried ab 2027
Im Münchner Südwesten wird 2027 ein neues Kapitel aufgeschlagen: Die U6-Verlängerung nach Martinsried soll eröffnet werden. Von der heutigen Endstation „Klinikum Großhadern“ werden die Gleise um 950 Meter weitergelegt. 212 Millionen Euro kostet der U-Bahn-Bau. Die Baustelle: Auf einer Breite von 17 bis 19 Metern entsteht der neue Tunnel bis zu 20 Meter unter der Oberfläche. Zu den künftigen Nutzern zählen Studenten und Lehrende der naturwissenschaftlichen Fakultäten der LMU am Campus Großhadern/Martinsried, die Max-Planck-Institute für Biochemie und das Innovations- und Gründerzentrum Biotechnologie Martinsried (IZB) mit seinen Start-ups.



