Schulbücher gelten als verlässliche Wissensquelle für Schüler. Doch nun erschüttert ein Skandal den Bildungssektor: Der Kohl-Verlag aus Kerpen in Nordrhein-Westfalen soll Lehrmaterial mithilfe künstlicher Intelligenz produziert haben. Betroffen sind Arbeitshefte für Kinder mit besonderem Förderbedarf, wie der „Spiegel“ berichtet.
Groteske Fehler in Mathematik und Geschichte
Ermittlungen förderten massive Mängel zutage. In einem Mathematikbuch waren Rechenaufgaben derart falsch bebildert, dass Schüler sie nicht lösen konnten. Die Illustrationen stammen laut Verlag von einem Zeichner, weisen jedoch typische Fehler früher KI-Bildgeneratoren auf: Menschen mit sechs Fingern, verzerrte Gesichter oder Elefanten ohne Rüssel.
Besonders schwer wiegen die Patzer in einem Geschichtsbuch für die Klassen 8 bis 11. Dort wird Frankreich fälschlich als Sowjetunion bezeichnet, Russland an der französischen Atlantikküste verortet und ein Bild von Adolf Hitler mit einem auf dem Kopf stehenden Buch „Mein Kampf“ gezeigt. Die angebliche Autorin Anni Kolvenbach existiert nicht; ihr Foto entpuppte sich als Stockbild.
Verlag reagiert und zieht Konsequenzen
Ein Mann meldete sich beim „Spiegel“ und gab an, das Geschichtsbuch unter dem Pseudonym verfasst zu haben. Die anderen Hefte stammten nicht von ihm. Der Kohl-Verlag bestätigte, dass unter dem Namen mehrere freie Autoren schrieben. Gegenüber heise.de erklärte der Verlag, alle beanstandeten Bücher aus dem Programm genommen zu haben. Die internen Qualitätssicherungsprozesse sollen verbessert und das gesamte Angebot überprüft werden. Ob tatsächlich KI zum Einsatz kam, bleibt ungeklärt.
Hintergrund: Schnelle Produktion unter Verdacht
Auffällig war, dass eine Autorin in nur fünf Jahren 34 Arbeitshefte aus verschiedenen Fächern verfasst haben soll. Dies weckte den Verdacht auf den Einsatz von KI. Der Fall zeigt, wie wichtig sorgfältige Prüfungen bei Lehrmaterialien sind, um Fehler zu vermeiden, die den Lernerfolg von Kindern gefährden.



