Nach dem blamablen Vorrundenaus der deutschen Nationalmannschaft bei der Weltmeisterschaft 2022 in Katar hat Sportdirektor Rudi Völler einen klaren Appell an die Weltmeister von 2014 gerichtet. „Die Generation ist auch ein bisschen in der Pflicht, vielleicht mal Verantwortung zu übernehmen“, sagte der 66-Jährige in einer Medienrunde mit „Bild“, „Frankfurter Rundschau“, der „Funke Mediengruppe“, „Kicker“ und „Süddeutscher Zeitung“. Er ergänzte: „Da gibt es welche, die nach mir oder auch mit mir, Thema werden können.“ Völler wünscht sich mehrere der damaligen Titelträger in entscheidenden Rollen beim Deutschen Fußball-Bund. Doch wie stehen die prominenten Spieler von damals heute zu einer möglichen Funktionärstätigkeit?
Mats Hummels: Keine Qualifikation und kein Interesse
Der frühere Abwehrspieler Mats Hummels, der während der WM als Experte für MagentaTV arbeitete, lehnt eine Rolle beim DFB derzeit klar ab. „Ich habe auch gar nicht die Qualitäten dafür, ehrlich gesagt. Ich habe nicht die Ausbildung“, sagte der 37-Jährige. Er könne sich einen Posten nur dann vorstellen, wenn er sich dafür vorbereitet sieht. „Vielleicht, wenn wir noch ein Jahrzehnt verstreichen lassen“, so Hummels: „Aktuell wäre das auf jeden Fall nichts für mich.“
Per Mertesacker: Bereit für die Rückkehr
Anders sieht es bei Per Mertesacker aus. Der 41-jährige frühere Innenverteidiger leitete bis zu diesem Sommer die Nachwuchsakademie seines letzten Vereins FC Arsenal und verfügt daher über umfangreiche Erfahrung in der Talentausbildung und -förderung. Er zeigte sich offen für eine Mitarbeit beim DFB. „Irgendwie mal beim DFB zu arbeiten, dem deutschen Fußball, dem ich auch so viel zu verdanken habe, mal was zurückzugeben, wenn das gewünscht ist“, sagte Mertesacker, der als WM-Experte für das ZDF im Einsatz ist, „dafür stehe ich natürlich zur Verfügung“. Auch Bayern Münchens Ehrenpräsident Uli Hoeneß hatte Mertesacker dem DFB bereits empfohlen.
Sami Khedira: Zwischen DFB und Mourinho
Sami Khedira hat ebenfalls Erfahrung als TV-Experte gesammelt und war als sportlicher Berater bei seinem Ex-Verein VfB Stuttgart tätig. Der 39-Jährige stand dem Vernehmen nach in der jüngeren Vergangenheit bereits in Gesprächen mit DFB-Verantwortlichen über ein Engagement auf Direktorenebene, doch zu einem Abschluss kam es nie. Nun könnte ein europäisches Schwergewicht dazwischenfunken: Es gibt Spekulationen, wonach José Mourinho als neuer Coach von Real Madrid Khedira als Co-Trainer holen will. Sollte das stimmen, wäre es für den Ex-Madrilenen sicher reizvoll – er kam 2010 gemeinsam mit Mourinho zu Real und war unter dem Portugiesen in der Startelf gesetzt.
Thomas Müller: Noch aktiver Spieler in der MLS
Der charismatische Stürmer Thomas Müller steht noch in der Major League Soccer bei den Vancouver Whitecaps als Spieler unter Vertrag. Eine Rolle beim DFB kommt für den 36-Jährigen daher aktuell nicht in Frage. Zudem gäbe es nach seinem Karriereende einen großen Konkurrenten: Der FC Bayern würde seinen langjährigen Profi gerne in die Clubarbeit einbinden. „Ich wünsche mir Thomas Müller, er hätte alle Voraussetzungen“, hatte Bayerns Ehrenpräsident Uli Hoeneß vor etwa einem halben Jahr gesagt.
Bastian Schweinsteiger: Zufrieden als TV-Experte
Bastian Schweinsteiger zeigte sich zurückhaltend auf die Frage, ob er sich eine Rolle beim DFB vorstellen könne. „Ich? Ich habe doch hier mit dir bei der ARD den schönsten Job der Welt“, antwortete der 41-Jährige. Dann ergänzte er: „Natürlich würde ich mich nie drücken vor der Verantwortung.“ Beobachter gewinnen jedoch den Eindruck, dass er mit seinem Teilzeit-Job als ARD-Experte zufrieden ist und es ihn nicht wirklich in die Funktionärsarbeit drängt. Über seine berufliche Zukunft sagte Schweinsteiger wenig konkret: „Wir spielen ja in zehn Jahren auch noch Fußball, ich bin ja noch jung und knackig.“
Philipp Lahm: Sorge um deutschen Fußball, aber keine aktive Suche
Der Weltmeister-Kapitän Philipp Lahm trug bereits Verantwortung im Verband: Bis 2024 saß er im DFB-Präsidium und war als Geschäftsführer der DFB Euro GmbH mitverantwortlich für den Erfolg der Heim-EM 2024. Er blickt mit Sorge auf die Entwicklung des deutschen Fußballs, aktiv anpacken wird er aber vorerst wohl nicht. „Aktuell bin ich nicht auf der Suche nach irgendeiner Aufgabe. Man sollte nie was ausschließen, ist ja außer Frage, aber aktuell passt mein Leben so, wie es ist“, sagte der 42-Jährige.



