Die Unionsfraktion im Bundestag plant die Einführung variabler Altersgrenzen für verschiedene Social-Media-Plattformen. Dies gab die stellvertretende Fraktionsvorsitzende Anja Weisgerber (CSU) in einem Interview mit der „Augsburger Allgemeinen“ bekannt. „Wir wollen das im Herbst auf den Weg bringen. Kinder und Jugendliche müssen in der digitalen Welt geschützt werden“, betonte Weisgerber. Man dürfe in Deutschland nicht auf eine EU-Regelung warten.
Kein pauschales Mindestalter, sondern plattformspezifische Grenzen
Das Konzept der Union sieht kein allgemeines Mindestalter für die Nutzung von Plattformen wie Instagram, TikTok oder YouTube vor. Stattdessen soll für jedes Angebot eine eigene Altersgrenze gelten. Diese Grenzen soll die Bundeszentrale für Kinder- und Jugendmedienschutz (BzKJ) festlegen. Schätzt die Behörde das von den Plattformen selbst angegebene Mindestalter als zu niedrig ein, kann sie anhand von Risikofaktoren ein höheres Alter bestimmen. Die Jugendlichen sollen ihr Alter über den elektronischen Ausweis nachweisen, der bis zum nächsten Jahr verfügbar sein soll.
Studienlage als Grundlage für den Schutz von Kindern und Jugendlichen
„Die Studienlage ist eindeutig. Soziale Medien sind eine ernsthafte Herausforderung für Bildung, Gesundheit und Jugendschutz“, erklärte Weisgerber. Man müsse Kinder schützen und ihnen dennoch Zugang zu den sozialen Medien ermöglichen, aber eben altersgerecht. Ob die SPD den Vorschlag der Unionsfraktion mitträgt, blieb zunächst unklar. Zuvor hatten sich in der schwarz-roten Koalition CDU und SPD für ein Social-Media-Verbot für Unter-14-Jährige und bestimmte Schutzregeln bis zum Alter von 16 Jahren ausgesprochen. Die mitregierende CSU zeigte sich damals zurückhaltend.
Internationale Diskussionen und wissenschaftliche Kritik
In mehreren europäischen Ländern wird über ähnliche Vorhaben diskutiert. So planen Griechenland und Zypern eine Altersgrenze von 15 Jahren – allerdings für alle Plattformen einheitlich. Vorreiter ist Australien: Dort dürfen Kinder und Jugendliche unter 16 Jahren seit Mitte Dezember 2025 auf vielen großen Plattformen keine eigenen Konten mehr haben.
Bei Wissenschaftlern stößt der Vorschlag eines pauschalen Social-Media-Verbots auf Kritik. Forschende des Bayerischen Forschungsinstituts für Digitale Transformation (bidt), des Center for Advanced Internet Studies (CAIS) und des Weizenbaum-Instituts hatten im Mai darauf verwiesen, dass die Perspektiven Jugendlicher vor der Einführung des Verbots in Australien kaum berücksichtigt worden seien. Soziale Medien seien für Jugendliche nicht nur Risikoräume, sondern auch Orte für Information, Austausch, Selbstorganisation und gesellschaftliche Teilhabe. Statt einem Verbot sei eine konsequente Regulierung der Plattformen nötig.



