Die Bundesregierung hat klargestellt, dass sie ihre Beteiligung von zwölf Prozent an der Commerzbank nicht verkaufen wird. Damit stellt sich der Bund gegen die Übernahmepläne der italienischen Großbank Unicredit unter Chef Andrea Orcel. In Regierungskreisen hieß es am Montag, der Bund werde seinen Anteil an dem Frankfurter Geldhaus behalten. Der Bund ist dort der zweitgrößte Anteilseigner.
Unicredit-Pläne werden erschwert
Durch die Haltung des Bundes werden mögliche Pläne der Unicredit, die Commerzbank von der Börse zu nehmen, in der heutigen Struktur praktisch nur sehr schwer realisierbar. Ein De-Listing oder ein Squeeze-out sind kaum möglich, solange der Bund seine Anteile hält. Bei einem Squeeze-out werden die restlichen Aktionäre gegen eine Zwangsabfindung aus dem Unternehmen gedrängt. In Deutschland ist das nach einer Übernahme möglich, wenn man mindestens 90 Prozent der Anteile kontrolliert.
Nach einem Squeeze-out kann der Alleineigentümer leichter durchregieren. Allerdings kann ein Unternehmen jederzeit auch per Vorstandsbeschluss von der Börse genommen werden. Dann können die Minderheitsaktionäre im Unternehmen bleiben, aber ihre Aktien nicht mehr über die Börse handeln.
Unicredit hat bereits 39 Prozent sicher
Orcel ist mit seinem Übernahmeplan zuletzt schneller vorangekommen als gedacht. Die italienische Großbank hat nach Ablauf der Annahmefrist für ihr Tauschangebot an die Commerzbank-Aktionäre bereits mehr als 39 Prozent der Anteile sicher und kann leicht auf 42,5 Prozent aufstocken, wie sie am vergangenen Freitag mitteilte.
Eigentlich hatte Orcel mit dem Angebot nur die Schwelle von 30 Prozent überspringen wollen, um danach freie Hand für weitere Aktienkäufe zu haben. Er hatte aber schnell klargemacht, dass es ihm um mehr geht: eine Übernahme der vor allem für den deutschen Mittelstand wichtigen Frankfurter Bank, die er mit einem Stellenabbau und drastischen Kürzungen im Auslandsgeschäft auf mehr Effizienz trimmen will.
Commerzbank pocht auf Eigenständigkeit
Die Commerzbank pocht auf ihre Eigenständigkeit und wehrt sich gegen die Übernahme. In Regierungskreisen hieß es weiter, es bleibe die Aufgabe der unabhängigen Aufsichtsbehörden Bafin und der Europäischen Zentralbank (EZB), weitere Schritte jeweils zu prüfen. „Die Bundesregierung wird weiter im Sinne der Beschäftigten der Commerzbank, des deutschen Mittelstands und des Finanzstandorts Frankfurt handeln.“
In Deutschland seien zahlreiche ausländische und europäische Banken aktiv. „Das heißt allerdings nicht, dass jede Art von Übernahme ohne Einschränkung willkommen ist, aggressives Vorgehen lehnen wir entschieden ab.“ Der Bund halte die Unicredit-Pläne insbesondere mit Blick auf das deutsche Mittelstandsgeschäft nicht für tragfähig. „Solche Pläne können deshalb auch kaum im Interesse der Stakeholder der Unicredit liegen.“



