Update Sachsen-Anhalt: Lokaljournalismus und Bohai-Proteste im Fokus
Lokaljournalismus und Bohai-Proteste in Sachsen-Anhalt

Guten Morgen zum „Update Sachsen-Anhalt“! Heute blicken wir auf den Tag des Lokaljournalismus, einen Hilferuf aus dem Harz und die sexuelle Aufklärung von Jugendlichen. Lesen Sie die wichtigsten Themen.

Lokaljournalismus: Ein Austausch mit den Lesern

Das Geschacher um gut bezahlte Chefposten in Behörden, der Streit um Geldverteilung im Rathaus, das Ringen um Kitas oder der Bau von Radwegen – all das sind klassische Themen des Lokaljournalismus und wichtig für die Menschen vor Ort. Die demokratische Gesellschaft und die Zivilgesellschaft leiden unter dem Wegfall des Lokaljournalismus. Studien zeigen: Wo es keine unabhängige Lokalzeitung mehr gibt, sinkt die Wahlbeteiligung und die politische Polarisierung steigt. Ohne Lokalzeitung ist das demokratische Miteinander in Gefahr.

Doch Lokaljournalismus ist keine Einbahnstraße. Zum „Tag des Lokaljournalismus“ waren gestern Kolleginnen und Kollegen von Mitteldeutscher Zeitung und Volksstimme unterwegs, um auf die Bedeutung ihres Handwerks aufmerksam zu machen – und vor allem, um mit den Leserinnen und Lesern ins Gespräch zu kommen. Viele Menschen haben dieses Angebot genutzt – dafür ein herzlicher Dank! Nur im Austausch mit unseren Leserinnen und Lesern können wir unsere Arbeit gut machen.

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Eine von ihnen war Ellen Bittkau aus Felgeleben. Sie sprach mit den Redakteurinnen und Redakteuren der Schönebecker Volksstimme auf dem Bad Salzelmener Marktplatz. Frau Bittkau ist ihrer Lokalzeitung treu, denn sie möchte wissen, was vor ihrer Haustür passiert. Genau das ist es, was nur Lokaljournalismus leisten kann.

Auch Janette Ebert aus Halle hat sich auf dem halleschen Marktplatz mit den Journalistinnen und Journalisten ausgetauscht – und dabei einen Wunsch geäußert: Aufgrund ihrer Lese-Rechtschreib-Schwäche ist die Zeitung nicht das richtige Medium für sie. Sie wünscht sich einen Podcast, der sie über die wichtigsten Themen in Sachsen-Anhalt auf dem Laufenden hält. Die Kolleginnen aus Halle hatten gleich einen Tipp: den Politikpodcast für Sachsen-Anhalt „2,1 Millionen“, der wöchentlich neu überall dort zu hören ist, wo es Podcasts gibt.

Bohai-Mitarbeiter demonstrieren für ihre Jobs

In Harzgerode haben rund 500 Menschen gegen die drohende Schließung des Bohai-Werks demonstriert. Hintergrund ist der Rückzug von Volkswagen als Hauptkunde ab 2026, wodurch bis zu drei Viertel der Aufträge wegfallen könnten. Insgesamt stehen in der Region rund 1.300 Arbeitsplätze auf dem Spiel. Das Werk ist ein zentraler Arbeitgeber und sichert Einkommen für viele Familien im Harz. Mit ihm hängen auch Jobs bei Zulieferern, im Handwerk und im Handel zusammen. Ein Wegfall könnte die Region wirtschaftlich stark schwächen und Abwanderung verstärken. Gewerkschaften und Beschäftigte fordern den Erhalt der Standorte und suchen weiter nach Lösungen. Nach der Insolvenz gab es zwar Investoren, doch der Rückzug von Volkswagen erschwert die Rettung erheblich. Ein Schichtleiter des Werkes hat einen Brief an Bundeskanzler Merz geschrieben und ihn gebeten, dem Werk zu helfen.

Verkehrstote auf historischem Tiefstwert

In Sachsen-Anhalt gab es 2025 rund 70.700 Verkehrsunfälle, rechnerisch alle sieben Minuten einen. Die Zahl der Verkehrstoten sank auf 101 und erreichte erneut ein historisches Tief. Gleichzeitig stieg die Zahl der Verletzten auf über 10.000, so viele wie seit Jahren nicht. Weniger Tote, aber mehr Verletzte zeigen: Der Straßenverkehr bleibt gefährlich. Häufigste Ursache waren erneut Wildunfälle, jeder fünfte Unfall ging darauf zurück. Deutlich zugelegt haben zudem Zusammenstöße mit Pedelecs, E‑Scootern und Lastwagen. Das Innenministerium kündigt mehr gezielte Kontrollen an, vor allem bei E‑Scootern, Geschwindigkeitslimits und schweren Fahrzeugen. Außerdem setzen die Behörden weiter auf Prävention und Verkehrssicherheit.

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Jugendliche haben später Sex – Bedeutung von Aufklärung wächst

Jugendliche in Deutschland werden später sexuell aktiv als früher. Laut der Studie „Jugendsexualität“ hatten 2024 nur noch 40 Prozent der 17‑Jährigen sexuelle Erfahrungen, 2019 waren es 61 Prozent. Schule und Eltern gewinnen dabei als wichtigste Quellen für sexuelle Bildung deutlich an Bedeutung. Fachleute führen die Entwicklung auf bessere Aufklärung, mehr Sensibilität für Risiken und veränderte Jugendphasen zurück. Jugendliche erleben mehr Leistungsdruck, verbringen mehr Zeit online und treffen bewusster Entscheidungen. Zudem folgen aus der früh angebotenen sexuellen Bildung mehr Wissen, Selbstbestimmung und Schutz vor Krankheiten und sexualisierter Gewalt. Sexualerziehung bleibt verpflichtender Teil des Schulunterrichts und beginnt bereits im Kindergarten. Ein genereller Verzicht durch Eltern ist rechtlich nicht möglich, wohl aber der Dialog über Inhalte. Experten fordern, sachlich über Aufklärung zu sprechen, statt sie mit dem Mythos der Frühsexualisierung zu bekämpfen.

Weitere Themen: Wiedereinführung der Arbeitspflicht, Hettstedt setzt auf erneuerbare Wärme, Bürokratie blockiert Fachkraft im Harz, Streit um Windrad-Gelder in Dessau, Bohai-Mitarbeiter schreibt Kanzler.

Umfrage: Braucht es niedrigere Tempolimits? 96 Prozent der Leser halten Lokaljournalismus für sehr wichtig.