Landratswahl in der Uckermark: Zwei gegensätzliche Politikstile
Bei der Landratswahl in der Uckermark trafen zwei grundlegend verschiedene Politikstile aufeinander: Konfrontation versus Kooperation. Der AfD-Kandidat Felix Teichner beklagte am Wahlabend "Angriffe unter der Gürtellinie" und sprach von einer "unheiligen Allianz" aus etablierten Parteien, Vereinen, Stiftungen und sogar Teilen der Verwaltung sowie der Kirche, die sich gegen die AfD verschworen hätten. Dabei betonte er, dass seine Partei im Kreistag für "konstruktive Opposition" stehe – jenseits von Brandmauern, Skandalen und Ausgrenzung.
Die Rolle von Campact und der Biber-Kampagne
Besonders ins Visier nahm Teichner den Berliner Verein "Campact", der Anfang April mit einer aufwendigen Kampagne zur Briefwahl aufgerufen hatte. Auf Anzeigen, Flyern und im Internet war ein freundlicher Biber mit Briefumschlag zu sehen. Hintergrund: Briefwähler wählen tendenziell seltener die AfD. Die Kampagne kostete rund 38.000 Euro, finanziert durch Spenden. Eine Campact-Sprecherin erklärte am Montag: "Das Wahlergebnis in der Uckermark zeigt: Wo Demokrat*innen zusammenstehen, verliert die AfD." Die Zahl der Briefwähler stieg von 5.880 (2018) auf 12.236 (2026). Ob der Biber tatsächlich den Ausschlag gab, lässt sich nicht belegen, doch der Verein wertet die Aktion als Erfolg.
Teichners umstrittene Wahlkampfmethoden
Teichner selbst griff zu fragwürdigen Mitteln: Ein Wahlplakat zeigte seine Gegenkandidatin Karina Dörk mit der sogenannten Merkel-Raute in zweideutiger Symbolik. Nach einem Konzert von Heino in Prenzlau behauptete er in sozialen Medien, der Volksmusiker würde ihn wählen. Heino nannte dies eine "Unverschämtheit" und ging juristisch dagegen vor. Teichner reagierte gelassen und sprach von einem "Ritterschlag". Bei seiner Wahlparty setzte er die übergroße Sonnenbrille, die er für den Beitrag getragen hatte, noch einmal auf und erntete Applaus.
Dörks kooperativer Ansatz
Karina Dörk, die die Wahl gewann, verzichtete auf solche Aktionen. Die Campact-Kampagne war laut rbb-Informationen nicht mit ihr abgestimmt. Ihr Erfolg lässt sich als Votum für einen weniger konfrontativen Stil interpretieren. Verschiedene Gruppen konnten sich über Parteigrenzen hinweg auf sie einigen – ein Zeichen für sachbezogene Zusammenarbeit, die viele von der Kommunalpolitik erwarten. Teichner prophezeite: "Es wird nicht ewig so weitergehen, dass sich alle Parteien gegen uns zusammentun." Doch genau diese Kooperation ist es, die die Wähler offenbar schätzen.



