Thüringer Elternvertreter schlagen Alarm: Eine mögliche Einführung eines datengestützten Bildungssystems nach kanadischem Vorbild könnte Schülerinnen und Schüler unter enormen Leistungsdruck setzen. Die Landeselternvertretung in Erfurt warnte eindringlich vor den Risiken einer dauerhaften Erfassung von Leistungsdaten. „Was als Instrument zur Verbesserung von Bildung dargestellt wird, birgt erhebliche Risiken für Kinder und Jugendliche“, erklärte die Vertretung. Eine systematische Erfassung über die gesamte Schullaufbahn hinweg führe in der Konsequenz zum „gläsernen Schüler“ und verstärke den Druck im Schulalltag.
Bildungserfolg von Herkunft entkoppeln
Hintergrund der Debatte ist eine Reise von Thüringens Bildungsminister Christian Tischner (CDU) nach Kanada. Dort informierte er sich über datengestützte Schulentwicklung. Bereits vor seiner Abreise hatte Tischner signalisiert, dass er sich vorstellen könne, mit Hilfe von Daten – vom Kindergarten bis zum Schulabschluss – individuelle Lernangebote zu entwickeln. Ziel sei es, die Bildungsqualität zu verbessern und den Bildungserfolg stärker von der sozialen Herkunft zu entkoppeln. In Deutschland sei der Bildungserfolg noch stark davon abhängig, ob ein Kind aus einem Akademikerhaushalt oder einem bildungsfernen Umfeld komme. Das kanadische Modell könne hier Abhilfe schaffen.
Eltern fordern Verzicht auf flächendeckende Speicherung
Die Landeselternvertretung sieht dies jedoch kritisch. Sie forderte die Landesregierung auf, „auf eine flächendeckende Datenspeicherung zu verzichten“. Die dauerhafte Bewertung und der Vergleich von Kindern führe zu Stress und belaste die Schülerinnen und Schüler. Stattdessen sollten andere Wege gefunden werden, um die Bildungsqualität zu steigern, ohne die Privatsphäre der Kinder zu gefährden. Die Debatte um den „gläsernen Schüler“ zeigt einmal mehr die Spannung zwischen datengestützter Optimierung und dem Schutz der Persönlichkeitsrechte von Kindern und Jugendlichen.



