Zehn Tage Waffenruhe im Libanon-Konflikt: Feuerpause zwischen Israel und Hisbollah tritt in Kraft
Nach wochenlangen intensiven Kämpfen im Nahost-Konflikt ist eine von US-Präsident Donald Trump verkündete Waffenruhe zwischen Israel und der libanesischen Hisbollah-Miliz offiziell in Kraft getreten. Die Feuerpause begann um Mitternacht Ortszeit, was 23.00 Uhr MESZ entspricht, und soll zunächst für mindestens zehn Tage gelten. Trump hatte die Waffenruhe nach Gesprächen mit Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu und dem libanesischen Präsidenten Joseph Aoun angekündigt, wobei die Hisbollah selbst nicht an diesen Verhandlungen beteiligt war.
Unsicherheit über Einhaltung der Feuerpause
Die Einhaltung der Waffenruhe bleibt ungewiss, da beide Seiten bereits vor Beginn Zweifel äußerten. Netanjahu bestätigte die Feuerpause in einer Videobotschaft, betonte jedoch, dass israelische Bodentruppen auch während des zehntägigen Zeitraums in einer Pufferzone im Südlibanon verbleiben sollen. Die Hisbollah ließ zunächst offen, ob sie sich an die Vereinbarung halten wird, und forderte, dass jede Waffenruhe umfassend für das gesamte libanesische Gebiet gelten und keinerlei Truppenbewegungen Israels zulassen dürfe.
Historische Erfahrungen werfen Schatten auf die aktuelle Situation: Während einer 2024 vereinbarten Waffenruhe hatte die israelische Armee weiterhin regelmäßig Ziele im Libanon angegriffen, und die von der libanesischen Regierung zugesagte Entwaffnung der Hisbollah war nicht erfolgreich. Beide Seiten warfen sich damals Verstöße vor, was die Skepsis gegenüber der neuen Feuerpause verstärkt.
Angriffe bis kurz vor Beginn der Waffenruhe
Kurz vor Inkrafttreten der Waffenruhe eskalierte die Gewalt erneut. Die Hisbollah feuerte zahlreiche Raketen auf Ortschaften im Norden Israels, wobei nach Angaben von Sanitätern drei Menschen durch Raketensplitter verletzt wurden, zwei davon schwer. Die israelische Armee reagierte darauf mit Angriffen auf Raketenabschussrampen der Hisbollah im Libanon.
Auch im Libanon wurden bis kurz vor Mitternacht weitere Angriffe Israels gemeldet. Die staatliche Nachrichtenagentur NNA berichtete von mehreren Angriffen im Süden des Landes, und das Gesundheitsministerium meldete, dass bei einem Angriff nahe der Küstenstadt Sidon drei Menschen getötet und 21 weitere verletzt wurden.
Hintergrund des Konflikts
Die jüngste Eskalation begann kurz nach dem Ausbruch des Iran-Kriegs Ende Februar, als sich die vom Iran unterstützte Hisbollah und das israelische Militär erneut in eine schwere Konfrontation verstrickten. Als Reaktion auf die Tötung des iranischen obersten Führers Ajatollah Ali Chamenei feuerte die Hisbollah seit Anfang März erneut Raketen in Richtung Israel. Die israelische Luftwaffe reagierte mit massiven Luftangriffen, und das israelische Militär rückte in einer Bodenoffensive weiter in den Süden des Libanon vor, wo es im Grenzgebiet Bodenkämpfe mit der Hisbollah lieferte.
Die aktuelle Waffenruhe stellt einen Versuch dar, die Gewaltspirale zu unterbrechen, doch die anhaltenden Spannungen und die historischen Präzedenzfälle lassen Zweifel an ihrer Nachhaltigkeit aufkommen. Beobachter betonen, dass eine langfristige Lösung nur durch umfassende diplomatische Anstrengungen erreicht werden kann, die alle beteiligten Parteien einbeziehen.



