Zehn Tage Waffenruhe zwischen Israel und Hisbollah: Jubel in Beirut, aber Zweifel an Nachhaltigkeit
Waffenruhe Israel-Hisbollah: Jubel in Beirut, Zweifel bleiben

Zehn Tage Waffenruhe zwischen Israel und Hisbollah: Jubel in Beirut, aber Zweifel an Nachhaltigkeit

Nach wochenlangen intensiven Kämpfen ist zwischen Israel und der libanesischen Hisbollah-Miliz eine zehntägige Waffenruhe in Kraft getreten. Die von US-Präsident Donald Trump vermittelte Feuerpause begann um Mitternacht Ortszeit und wurde in der libanesischen Hauptstadt Beirut mit Freudenschüssen in die Luft gefeiert. Die Vereinbarung folgt auf direkte Gespräche in Washington, bei denen sich die Botschafter beider verfeindeter Länder erstmals seit Jahrzehnten zu politischen Verhandlungen trafen.

Feiern in Beirut bei gleichzeitiger Skepsis

In den schwer vom Krieg betroffenen südlichen Vororten Beiruts strömten Menschen auf die Straßen, um den Beginn der Waffenruhe zu feiern. Lokale Medien berichteten, dass sich bereits zahlreiche Vertriebene auf den Weg in den Süden des Landes machten – mehr als eine Million Menschen waren durch die Kämpfe aus ihrer Heimat vertrieben worden. Die Freude war jedoch von Skepsis überschattet, da unklar blieb, inwieweit beide Konfliktparteien die Vereinbarung tatsächlich einhalten werden.

Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu bestätigte die Waffenruhe in einer Videobotschaft, betonte jedoch, dass israelische Bodentruppen auch während des zehntägigen Zeitraums in einer Pufferzone im Südlibanon bleiben würden. Die Hisbollah ließ zunächst offen, ob sie sich an die Feuerpause halten wird, und forderte, dass jede Waffenruhe „umfassend für das gesamte libanesische Gebiet“ gelten und keinerlei Truppenbewegungen Israels zulassen dürfe.

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Letzte Angriffe kurz vor Inkrafttreten

Bis unmittelbar vor Beginn der Waffenruhe gingen die Kampfhandlungen weiter. Die Hisbollah feuerte kurz vor Mitternacht zahlreiche Raketen auf Ortschaften im Norden Israels, wobei drei Menschen durch Raketensplitter verletzt wurden, zwei davon schwer. Die israelische Armee reagierte mit Angriffen auf Raketenabschussrampen der Miliz im Libanon.

Auch aus dem Libanon wurden bis kurz vor Inkrafttreten der Feuerpause weitere israelische Angriffe gemeldet. Die staatliche Nachrichtenagentur NNA berichtete von mehreren Attacken im Süden des Landes, bei denen nach Angaben des Gesundheitsministeriums drei Menschen getötet und 21 weitere verletzt wurden. Die israelische Armee gab an, binnen 24 Stunden mehr als 380 Ziele der Hisbollah angegriffen zu haben.

Vereinbarte Punkte und historischer Kontext

Laut US-Außenministerium wurden zwischen Israel und dem Libanon sechs Punkte vereinbart. Dazu gehört, dass die libanesische Regierung mit internationaler Hilfe die Hisbollah daran hindern soll, vom Libanon aus Angriffe gegen israelische Ziele durchzuführen. Israel verzichtet währenddessen auf „offensive Militäroperationen“ gegen libanesische Ziele, behält sich jedoch das Recht vor, jederzeit Maßnahmen zur Selbstverteidigung zu ergreifen.

Die Kämpfe hatten sich nach dem Iran-Krieg Ende Februar erneut verschärft, als die Hisbollah als Reaktion auf die Tötung des iranischen Führers Ajatollah Ali Chamenei Raketen auf Israel abfeuerte. Seit Anfang März lieferten sich beide Seiten schwere Gefechte, bei denen nach libanesischen Angaben knapp 2.200 Menschen getötet wurden, darunter zahlreiche Frauen und Kinder. Die israelische Armee sprach von mehr als 1.700 getöteten Hisbollah-Mitgliedern.

Zerstörung und internationale Reaktionen

In den betroffenen Gebieten herrscht großflächige Zerstörung. Im Libanon warten Hunderttausende auf die Rückkehr in ihre zerstörten Häuser, während auch in israelischen Städten im Norden zahlreiche Gebäude beschädigt oder zerstört wurden. Die Hisbollah hatte binnen gut sechs Wochen mehr als 6.500 Raketen, Mörsergranaten und Drohnen auf Israel abgefeuert.

Der Iran begrüßte die Waffenruhe als wichtigen Schritt für den regionalen Frieden. Teheran habe in Gesprächen mit den USA auf eine umfassende Feuerpause gedrängt, erklärte der Sprecher des iranischen Außenministeriums. Die libanesische Regierung, die selbst keine aktive Konfliktpartei ist, bemüht sich unter Führung von Präsident Joseph Aoun um Deeskalation, hatte jedoch bisher wenig Einfluss auf die Hisbollah-Aktivitäten.

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Die Vereinbarung sieht vor, dass die USA weitere direkte Verhandlungen zwischen Israel und dem Libanon erleichtern sollen, mit dem Ziel eines umfassenden Sicherheits- und Friedensabkommens zwischen den offiziell im Kriegszustand befindlichen Nachbarstaaten. Ob die zehntägige Waffenruhe jedoch zu nachhaltigem Frieden führen kann, bleibt angesichts der tiefen Gräben und der komplexen regionalen Dynamik fraglich.