Trump als Jesus-Post löst Debatte über mentalen Zustand aus
Die zunehmend bizarren öffentlichen Auftritte des US-Präsidenten Donald Trump werfen in den Vereinigten Staaten besorgte Fragen über seinen mentalen Zustand auf. Seitdem ihn eine Kugel während des Wahlkampfs am Ohrläppchen streifte, hält sich Trump für von Gott auserwählt, Amerika zu retten. Seine Beraterin für Religionsfragen, Paula White, verglich seine politische Wiederauferstehung sogar mit der Passionsgeschichte Jesu Christi.
KI-generiertes Jesus-Bild geht selbst Unterstützern zu weit
Jetzt hat der Präsident der Supermacht USA persönlich ein KI-generiertes Bild auf seiner Plattform Truth Social gepostet, das ihn als Heiland darstellt. Die Montage zeigt Trump in einem weiß-roten Gewand, wie es in traditionellen Jesus-Darstellungen üblich ist, mit göttlichem Licht, das aus seiner Hand strahlt, während er die Stirn eines kranken Mannes berührt. Im Hintergrund sind Soldaten, Dämonen, ein Sternenbanner, Adler und die Freiheitsstatue zu sehen.
Dieser "Jesus Trump"-Post ging selbst einigen seiner Unterstützer auf der christlichen Rechten zu weit. Die Kritik reichte von der evangelikalen TV-Größe David Brody bis hin zum Sprachrohr der katholischen Traditionalisten George Weigel. Nach heftiger Kritik ließ Trump den Post wieder löschen und lieferte später eine bizarre Erklärung: Es sei keine Darstellung von Jesus gewesen, sondern von ihm selbst als Arzt. "Ich mache Menschen gesund", behauptete er.
Politiker fordern Untersuchung des mentalen Zustands
Für den Führer der Demokraten im Senat, Chuck Schumer, steht die Antwort über Trumps Zustand bereits fest: Er nannte den 79-jährigen Präsidenten nach dessen Drohung, im Iran "eine ganze Zivilisation zu zerstören", eine "extrem kranke Person". Sein Kollege im Repräsentantenhaus Hakeem Jeffries gebrauchte die Worte "verwirrt" und "außer Kontrolle".
Der Abgeordnete Jamie Raskin aus Maryland ging noch weiter: Er schrieb an den Arzt des Weißen Hauses und forderte eine offizielle Untersuchung von Trumps mentalem Zustand. Diese Forderungen gewinnen an Gewicht, da es sich nicht um die ersten derartigen Vorfälle handelt. Bereits im Februar löschte Trump einen offen rassistischen Post, der den früheren Präsidenten Barack Obama und First Lady Michelle als Affen darstellte.
Ehemalige Mitarbeiter äußern vernichtende Urteile
Im Kontext der immer häufigeren Entgrenzungen reichen Trumps Erklärungen selbst ehemaligen Wegbegleitern nicht mehr aus. Ty Cobb, der als Rechtsbeistand im Weißen Haus tätig war, ist überzeugt, dass Trump "eindeutig verrückt ist". Die frühere Sprecherin im Weißen Haus, Stephanie Grisham, meint über ihren früheren Chef, "ihm geht es offensichtlich nicht gut".
Vernichtend ist auch das Urteil des ehemaligen Stabschefs im Weißen Haus, John Kelly. Nach der Lektüre eines Buches von 27 Psychiatern mit dem Titel "The Dangerous Case of Donald Trump" kam er laut New York Times zu dem Schluss, dass der mächtigste Mann der Welt mental krank ist. Trump selbst behauptet dagegen, einen hohen IQ zu haben, alle medizinischen Tests mit Bravour zu bestehen und ein "sehr stabiles Genie" zu sein.
Debatte über den 25. Verfassungszusatz
Spätestens seit der Genozid-Drohung gegen Iran und dem Jesus-Post bestehen ernsthafte Zweifel, ob Trumps Verhalten bloß eine bewusste "Madman"-Taktik ist. Diese Entwicklung ließ Rufe nach Anwendung des 25. Verfassungszusatzes laut werden, der die Absetzung des Präsidenten wegen Amtsuntüchtigkeit durch sein Kabinett erlaubt.
Die Sorge um den Geisteszustand Trumps beschränkt sich nicht mehr auf Parteigänger der Demokraten oder politische Kommentatoren. Sie ist auch unter pensionierten Generälen, Diplomaten und ausländischen Amtsträgern zu hören. Sogar auf der politischen Rechten werden Forderungen nach Anwendung des 25. Verfassungszusatzes laut. Die frühere Abgeordnete Marjorie Taylor Greene, die kürzlich mit Trump brach, fordert seine Absetzung mit der Begründung, der Mann sei "wahnsinnig".
Öffentliche Meinung und politische Realität
Auch in der Bevölkerung wächst der Zweifel an Trumps mentaler Fitness. Eine Umfrage von Reuters/Ipsos im Februar ergab, dass 61 Prozent der Amerikaner glauben, Trump sei unberechenbarer geworden. Nur noch 45 Prozent sagen, er sei "geistig scharf und in der Lage, Herausforderungen zu meistern".
Für eine Amtsenthebung nach dem 25. Verfassungszusatz müssten jedoch das Kabinett und allen voran Vizepräsident JD Vance mitspielen. Doch dieser schaut genauso weg wie der andere mögliche Kronprinz Marco Rubio. Beide Politiker, die ihren Katholizismus betonen, schwiegen, als Trump den Papst attackierte, und das Jesus-Bild tut Vance als "Witz" ab.
Das größere Problem: Trumps Umfeld
Nach Ansicht des Princeton-Historikers Julian Zelizer ist das größere Problem allerdings Trumps Umfeld. "Wenn er tut, was er tut, halten alle um ihn herum die Augen auf den Boden gerichtet und sagen nichts", beklagt Zelizer in der New York Times das Versagen der Mitläufer und Helfer. "Anders als in der ersten Amtszeit scheinen sie nicht einmal mehr hinter den Kulissen zu versuchen, ihn aufzuhalten."
Diese Entwicklung wirft grundlegende Fragen über die Stabilität der amerikanischen Demokratie auf, während die Welt auf die weitere Entwicklung dieser beispiellosen politischen Krise blickt.



