Der von US-Präsident Donald Trump unterstützte Rechtspolitiker Abelardo de la Espriella steht bei der Präsidentschaftswahl in Kolumbien vor einem knappen Sieg. Nach Auszählung von 99,9 Prozent der Stimmen kam der Anwalt in der Stichwahl laut vorläufigen Angaben der Wahlbehörde auf rund 49,6 Prozent der Stimmen, sein linker Rivale Iván Cepeda auf 48,7 Prozent. Damit könnten rund 250.000 Stimmen über das künftige Staatsoberhaupt des mit 53 Millionen Einwohnern zweitgrößten Landes in Südamerika entscheiden.
De la Espriella sieht sich bereits als Sieger
Während de la Espriella schon von seiner „großen Verantwortung“ in der kommenden Amtszeit sprach, verwies Cepeda wegen des engen Rennens auf die noch ausstehende amtliche Überprüfung aller Wahlprotokolle und erklärte, das endgültige Ergebnis erst nach Abschluss dieses Verfahrens anzuerkennen. Nach Angaben seines Wahlkampfteams werden Ergebnisse aus rund 33.000 Wahlurnen angefochten.
Auch der scheidende Präsident Gustavo Petro, der demselben Linksbündnis wie Cepeda angehört und wegen der gesetzlichen Begrenzung der Amtszeiten nicht noch einmal antreten durfte, warnte angesichts des knappen Ergebnisses davor, bereits einen Sieger auszurufen. Die vorläufigen Ergebnisse gelten in Kolumbien allerdings als sehr verlässlich und weichen meist nur geringfügig vom amtlichen Endergebnis ab. De la Espriella dürfte Petro damit wohl am 7. August ablösen.
Erste Wahlrunde ohne absolute Mehrheit
In der ersten Wahlrunde Anfang Juni hatte keiner der beiden Kandidaten die absolute Mehrheit erreicht. Rund 400.000 Wähler gaben bei der darauffolgenden Stichwahl am Sonntag leere Stimmzettel ab, was in der Regel als Protestwahl gewertet wird.
Im Wahlkampf erhielt „El Tigre“ (Der Tiger) – wie de la Espriella sich öffentlichkeitswirksam nennt – Unterstützung von US-Präsident Trump. Dieser bezeichnete seinen Wunschkandidaten nach Veröffentlichung der vorläufigen Ergebnisse auf seiner Plattform Truth Social schon als großen Gewinner der Wahl. Auch US-Außenminister Marco Rubio gratulierte de la Espriella.
Annäherung an Washington angekündigt
Der rechte Politiker hatte angekündigt, die zuletzt abgekühlten Beziehungen zu Washington auszubauen und im Kampf gegen den Drogenhandel enger zusammenzuarbeiten. Kolumbien war lange Zeit der wichtigste Partner der USA in Südamerika gewesen, wurde im vergangenen Jahr aber von der Trump-Regierung als Land eingestuft, das seine internationalen Verpflichtungen im Kampf gegen illegale Drogen nicht erfülle. Gegen Petro verhängten die USA Sanktionen – mit der Begründung, dass er nicht entschlossen genug gegen den Drogenhandel vorgehe. Kolumbien gilt als weltweit größter Produzent von Kokain.
De la Espriella verspricht Steuersenkungen und Großgefängnisse
Der 47-jährige Anwalt und Geschäftsmann De La Espriella präsentiert sich als politischer Außenseiter, der noch nie ein politisches Amt bekleidete. Er hat im Wahlkampf ein hartes Vorgehen gegen die Kriminalität, den Bau von zehn Großgefängnissen sowie ein Ende der Friedensgespräche mit bewaffneten Gruppen angekündigt. Sein Stil wird oft mit dem des Präsidenten von El Salvador, Nayib Bukele, verglichen. Wirtschaftspolitisch will er den kolumbianischen Öl- und Gassektor fördern, Steuern senken und den Staatsapparat um bis zu 40 Prozent verkleinern. Er kündigte jedoch an, die vom amtierenden linken Präsidenten Gustavo Petro eingeführte Erhöhung des Mindestlohns um 23 Prozent sowie andere beliebte Sozialmaßnahmen beizubehalten.
Der 63-jährige Senator Cepeda hatte dagegen versprochen, die Politik Petros fortzusetzen und weitreichende Sozialreformen umzusetzen. Dazu gehörten staatliche Rentenzahlungen für Arme, höhere Steuern für Besserverdienende, Landzuweisungen an Konfliktopfer sowie ein Stopp neuer Ölprojekte. Auf den künftigen Präsidenten warten nun große Herausforderungen: Er muss eine hohe Staatsverschuldung bewältigen und trifft auf einen gespaltenen Kongress, der Reformvorhaben blockieren könnte. (dpa, Reuters)



