Der russische Journalist und Putin-Kritiker Grigory Nekhoroshev ist tot. Er starb am vergangenen Freitag in seinem Haus in Riga, Lettland. Nach Angaben des Newsportals „Delfi“ soll sich Nekhoroshev beim Sammeln von Pilzen in seinem eigenen Garten versehentlich giftige Exemplare eingepackt und anschließend gegessen haben. Sein persönliches Umfeld berichtet, dass der 69-Jährige zuletzt „sehr nervös“ gewesen sei und Angst vor einem möglichen Anschlag auf sein Leben gehabt habe.
Autopsie soll Todesursache klären
Die lettischen Behörden haben sich bislang nicht offiziell zu dem Vorfall geäußert. Allerdings wurde eine Autopsie angeordnet, um zu klären, ob tatsächlich eine Pilzvergiftung die Todesursache war oder ob ein Verbrechen vorliegt. Nekhoroshev hatte vor seinem Umzug nach Riga als Chefredakteur des „Moskovsky Korrespondent“ gearbeitet. Die Zeitung hatte im Jahr 2008 die mutmaßliche Affäre von Wladimir Putin mit der ehemaligen rhythmischen Sportgymnastin Alina Kabajewa aufgedeckt.
Putins angebliche Affäre mit Alina Kabajewa
Obwohl weder Putin noch Kabajewa jemals öffentlich über die Beziehung gesprochen haben, halten sich die Gerüchte hartnäckig. Kabajewa soll sogar zwei Kinder von dem russischen Staatschef haben. Nach der Veröffentlichung der Titelgeschichte wurde der „Moskovsky Korrespondent“ eingestellt. Nekhoroshev verließ Russland und bezeichnete sich selbst als „persönlichen Feind“ Putins.
Der Journalist Igors Vatoļins, der Nekhoroshev kürzlich im Exil besucht hatte, zeigte sich schockiert über den Tod seines Freundes. „Er war ein gesunder Mann, voller Ideen und Pläne“, sagte Vatoļins. Er sei überzeugt, dass die Veröffentlichung des Artikels über Putins Affäre Nekhoroshews Schicksal besiegelt habe. „Nekhoroshev war der Erste, der den Namen von Putins Lebensgefährtin preisgab. Putin hat ihm das ganz offensichtlich nicht verziehen“, so Vatoļins.
Nekhoroshev lebte in ständiger Angst
Bereits vor seinem Tod hatte Nekhoroshev gegenüber Freunden geäußert, dass er sich vor einem Anschlag fürchte. Die Umstände seines Todes erinnern an andere Fälle von Putin-Kritikern, die unter ungeklärten Umständen starben. Der bekannteste Fall ist der von Alexej Nawalny, der nach mehrjähriger Haft an einem Nervengift starb. Auch andere Oppositionelle wurden in den letzten Jahren Ziel von Anschlägen.
Die lettischen Behörden stehen nun unter Druck, die genauen Umstände von Nekhoroshews Tod aufzuklären. Eine offizielle Stellungnahme wird in den nächsten Tagen erwartet. Der Tod des Journalisten wirft erneut ein Schlaglicht auf die Gefahren, denen Kritiker des Kremls selbst im Exil ausgesetzt sind.



