Putin feiert Eroberung von Kostjantyniwka – Experten zweifeln an Darstellung
Putin feiert Eroberung von Kostjantyniwka – Experten zweifeln

Kremlchef Wladimir Putin hat nach offizieller Darstellung die Eroberung der ostukrainischen Stadt Kostjantyniwka im Gebiet Donezk durch seine Truppen gefeiert. Die Industriestadt sei unter hohen Verlusten für die ukrainischen Verteidiger erobert worden, wurde Putin von seinem Sprecher Dmitri Peskow zitiert. Putin habe noch am Abend die sofortige Evakuierung aller in Kostjantyniwka verbliebenen Zivilisten angeordnet.

Zweifel an russischer Erfolgsmeldung

Von ukrainischer Seite gab es zu den Siegesmeldungen aus Moskau keinen Kommentar. Zuletzt hatten ukrainische Militärs eine schwierige Lage in der bereits schwer zerstörten Stadt eingeräumt. Der ukrainische Generalstab in Kyjiw sprach am Abend in seinem Lagebericht lediglich von schweren Kämpfen rund um Kostjantyniwka. Putin käme nun seinem Ziel näher, den Donbass komplett unter russische Verwaltung zu bringen. Von den größeren, gut befestigten Städten im Gebiet Donezk blieben dann nur noch Slowjansk, Kramatorsk und Druschkiwka im „Festungsgürtel“ unter ukrainischer Kontrolle. Sie gelten als letzte Verteidigungslinie im Donbass.

Das US-Institut für Kriegsstudien (ISW) schreibt jedoch, dass Putin die Einnahme entgegen allen verfügbaren Belegen über das tatsächliche Ausmaß der Vorstöße verkündet habe. Im Bericht heißt es: „Russische Streitkräfte haben in den vergangenen Wochen innerhalb von Kostjantyniwka taktische Erfolge erzielt, doch der Großteil der russischen Präsenz in der Stadt besteht aus kleinen Gruppen von Eindringlingen, die sich zwischen ukrainischen Stellungen verstreut befinden.“ Die Experten berichten schon lange von übertriebenen russischen Darstellungen angeblicher Landgewinne und vermuten eine gezielte Beeinflussung der westlichen Medienberichterstattung. Putins militärische Bilanz sieht derzeit schlecht aus.

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Selenskyj gibt Vorgaben für Rüstungsindustrie

Bei einer Sitzung mit Vertretern von Militär, Regierung und Rüstungsindustrie hat der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj die Marschrichtung für die nächsten Kriegsmonate festgelegt. Dabei ging es vor allem um Vorgaben für die Rüstungsindustrie. „Die Ukraine ist nun in der Lage, solche Mengen an hochtechnologischen Waffen zu produzieren, die die russischen Kapazitäten langfristig übertreffen können“, kommentierte Selenskyj anschließend auf Telegram. Bei der Sitzung sei vor allem über Wege zur Steigerung der Produktionskapazitäten des ukrainischen Drohnen- und Raketenprogramms gesprochen worden. Kiew hat zuletzt mit neuen Waffen vor allem die Erdölindustrie und Rüstungsunternehmen in Russland empfindlich getroffen.

Er habe das Außen- und Verteidigungsministerium beauftragt, sich auf die Zusammenarbeit mit Partnern zu konzentrieren, die zusätzliche Finanzmittel für die Produktion einbringen könnten, sagte Selenskyj. „Investitionen in die ukrainische Produktion sind Investitionen, um Russland zum Frieden zu zwingen.“ Die Ukraine werde ihre Angriffe auf Ziele in Russland fortsetzen. Die bisherigen Attacken hätten gezeigt, „dass die Einschränkung der russischen Kriegsführungsfähigkeit direkt davon abhängt, dass sich in russischen Gesellschaftsgruppen das Gefühl verbreitet, dass der Krieg unmittelbare Auswirkungen auf den Alltag hat“. Kiew werde seine Politik fortsetzen, die Kosten der Okkupation für den Besatzer zu erhöhen und Russlands Möglichkeiten zur Finanzierung des Krieges einzuschränken.

Haftstrafen für Attentatsversuch auf RT-Chefin

In Russland sind am Freitag zwölf Menschen zu langjährigen Haftstrafen verurteilt worden, die unter anderem einen Anschlag auf die Chefredakteurin des russischen Staatssenders RT, Margarita Simonjan, geplant haben sollen. Wie das russische Ermittlungskomitee bekanntgab, wurde der 21-jährige Michail Balaschow als Organisator einer Neonazi-Zelle zu 20 Jahren Haft verurteilt. Laut Anklage gründete er 2022 die Organisation „Reines Blut“ in Moskau. Er soll gemeinsam mit einem weiteren Mitglied seiner Gruppe, das zu 18 Jahren Gefängnis verurteilt wurde, die Ermordung Simonjans geplant haben. Dieses Vorhaben sei von „nicht identifizierten Personen“ gegen ein Honorar von 50.000 Dollar in Auftrag gegeben worden.

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Den Anschlag auf Simonjan hatte der russische Geheimdienst FSB nach eigenen Angaben im Juli 2023 vereitelt. Der FSB hatte damals erklärt, das Attentat sei von ukrainischen Diensten in Auftrag gegeben worden. Die zehn weiteren Angeklagten wurden am Freitag wegen „Gründung und Teilnahme an den Aktivitäten einer terroristischen Organisation“, „Beihilfe zu terroristischen Aktivitäten“, „Raub mit Gewalt und Rowdytum“ sowie „Anstiftung zu Hass“ schuldig gesprochen, wie das Ermittlungskomitee erklärte. Die staatliche Nachrichtenagentur Tass berichtete, dass unter den zwölf Angeklagten einige zum Zeitpunkt der Taten minderjährig waren.

Kiew meldet Zerstörung einer Brücke auf der Krim

Die ukrainischen Streitkräfte haben auf der von Russland besetzten Halbinsel Krim eine Reihe von Zielen angegriffen und nach eigenen Angaben schwer getroffen. Wichtigstes Ziel sei eine Brücke im Gebiet Krasnogwardejsk im Zentrum der Krim gewesen, die nach Angaben des Generalstabs in Kiew vollständig zerstört worden ist. Damit sei die Versorgung der Fronten im Osten der Ukraine mit Nachschub deutlich erschwert worden. Daneben seien Radaranlagen sowie eine Anlage zur elektronischen Aufklärung bei Sewastopol von Drohnen angegriffen worden. Eine Bestätigung von unabhängiger Seite war nicht möglich.

Ukrainischer Drohnenangriff legt russische Ölraffinerie lahm

Nach einem ukrainischen Drohnenangriff stoppt die viertgrößte russische Ölraffinerie Norsi Insidern zufolge die Rohölverarbeitung. Bei der Attacke in der Region Nischni Nowgorod wird nach Angaben des örtlichen Gouverneurs Gleb Nikitin ein Mensch getötet und eine Industrieanlage beschädigt. Wie zwei mit dem Vorgang vertraute Personen sagen, trifft die Drohne die Hauptraffinerieanlage, die 53 Prozent der Gesamtkapazität von Norsi ausmacht. Der Eigentümer Lukoil nimmt zunächst nicht Stellung. Norsi ist der zweitgrößte Benzinproduzent Russlands.

Gleitbombe in Saporischschja: Ein Toter

Bei einem russischen Gleitbombenangriff ist in der frontnahen südostukrainischen Großstadt Saporischschja mindestens ein Zivilist getötet worden. Weitere fünf seien verletzt worden, teilte der Militärgouverneur des gleichnamigen Gebiets, Iwan Fedorow, bei Telegram mit. Durch die Bombe sei das Gebäude eines Industrieunternehmens beschädigt worden. Die Frontlinie zwischen russischen und ukrainischen Truppen verläuft etwa 20 Kilometer südlich der Industriestadt.

USA warnen vor russischem Angriff auf Polen

Die USA warnen offenbar vor Plänen Russlands, mit einer inszenierten Provokation auf polnischem Boden die Widerstandsfähigkeit der Nato zu testen. Wie der britische „Telegraph“ berichtet, habe Präsident Wladimir Putin ein solches Szenario ausarbeiten lassen. Dem Bericht zufolge habe Washington Warschau mehrfach vor einem solchen Komplott gewarnt, wie Quellen aus dem Umfeld des polnischen Präsidenten Karol Nawrocki gegenüber dem polnischen Nachrichtenportal Onet angegeben haben sollen. Polnische kritische Infrastruktur könnte demnach Ziel von russischen Raketen und Drohnen werden, zudem könnten russische Soldaten den Befehl erhalten, die Grenze ins Nato-Gebiet zu überqueren. Auch polnische Sicherheitskreise sollen einen konventionellen Angriff – etwa einen begrenzten Bodenvorstoß russischer Soldaten auf Nato-Gebiet – für möglich halten. Ein Mitwirken belarussischer Soldaten an einer solchen Aktion wird von Sicherheitskräften in Polen nicht ausgeschlossen.

Ziel der russischen Provokation könne es demnach sein, die Spannungen zwischen dem Westen und Russland so weit zu verschärfen, dass die ukrainische Militärhilfe ausgesetzt wird. Laut Geheimdienstkreisen könnte Russland eine solche Attacke gegen das Nato-Land Polen als Versehen – etwa aufgrund eines GPS-Ausfalls – darstellen. Analysten schätzen laut „Telegraph“, der sich durchgehend auf das polnische Nachrichtenportal beruft, dass Russland darauf setzen könnte, dass Polen in einer solchen Situation, anstatt das Feuer auf russische oder belarussische Soldaten zu eröffnen, von den USA dazu gezwungen würde, mit Russland oder Belarus zu verhandeln, um eine Eskalation zu verhindern. Moskau, heißt es, könne solche Verhandlungen innenpolitisch und gegenüber den eigenen Verbündeten als Erfolg verkaufen.

Litauen will Teil der atomaren Abschreckung der Nato werden

Litauens Präsident Gitanas Nauseda hat bei seinem Besuch in Berlin bekannt gegeben, dass sein Land Teil der atomaren Abschreckung der Nato gegenüber Russland werden möchte. Eine Verfassungsänderung solle die „bestehende Beschränkung über die mögliche Nutzung von Atomwaffen in Litauen“ beseitigen, sagte Nauseda bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU), Estlands Regierungschef Kristen Michal und Lettlands Präsident Edgars Rinkevics am Freitag in Berlin. Seine Regierung habe die Verfassungsänderung „vor wenigen Tagen“ auf den Weg gebracht, sagte Nauseda. „Diese Änderung würde Litauen in die Lage versetzen, Vorkehrungen der Nato für eine kollektive atomare Abschreckung mit zu unterstützen und sich daran zu beteiligen.“ Die Bemühungen Litauens hätten „nichts mit aggressivem Vorgehen oder der Provokation einer Eskalation zu tun“, sagte Nauseda.

Auf eine Journalistenfrage antwortete Merz, er habe die Entscheidung Litauens „nicht nur nicht zu kritisieren, sondern mit Respekt zur Kenntnis zu nehmen, dass Litauen auch in dieser Hinsicht bereit ist, das Land und damit das Nato-Territorium zu verteidigen“. Die Verfassungsänderung zeige außerdem, „wie in diesem Land die Bedrohung aus Russland ernstgenommen wird“.

Nato-Gipfel: Milliardenversprechen für die Ukraine

Die von Russland angegriffene Ukraine soll beim Nato-Gipfel in Ankara ein neues Versprechen für milliardenschwere Militärhilfen bekommen. Darauf verständigten sich Vertreter der 32 Bündnisstaaten wenige Tage vor dem Spitzentreffen in Brüssel in den abschließenden Beratungen über die geplante Gipfelerklärung, wie die Deutsche Presse-Agentur erfuhr. Konkret sieht die geplante Zusage vor, über zwei Jahre hinweg eine Mindestfinanzierung in Höhe von 70 Milliarden Euro pro Jahr für militärische Ausrüstung, Unterstützung und Ausbildung bereitzustellen – also insgesamt 140 Milliarden Euro.

Ein EU-Hilfspaket wird dabei allerdings mitgerechnet. Über dieses soll die Ukraine bis Ende 2027 rund 60 Milliarden Euro für verteidigungsrelevante Ausgaben bekommen. Unter dem Strich blieben damit noch rund 80 Milliarden Euro, die Nato-Staaten aus ihren nationalen Haushalten stemmen müssten. Weil die USA unter US-Präsident Donald Trump die Finanzierung von Ukraine-Hilfen weitestgehend gestoppt haben, wird Deutschland von der Summe aller Voraussicht nach den größten Anteil übernehmen. Für dieses Jahr hat die Bundesregierung bereits jetzt 11,5 Milliarden Euro für Artillerie, Drohnen, gepanzerte Fahrzeuge und andere Ausrüstung eingeplant. Das ist laut Verteidigungsministerium der höchste Betrag seit dem russischen Angriff.

Die in einem schriftlichen Verfahren angenommene Gipfelerklärung soll am kommenden Mittwoch zum Abschluss des zweitägigen Spitzentreffens der Staats- und Regierungschefs in Ankara veröffentlicht werden. Neben der Unterstützungszusage für Ukraine enthält der abgestimmte Entwurf nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur auch Formulierungen, die klar machen sollen, dass die europäischen Alliierten künftig deutlich mehr Verantwortung für die Verteidigung und Abschreckung ihres Kontinents tragen werden. Ein stärkeres Europa in einer stärkeren Nato, lautet dabei das Motto. Zudem soll es um einen Ausbau der Kapazitäten der Rüstungsindustrie gehen. Russland soll wie schon im vergangenen Jahr als dauerhafte Bedrohung für die euroatlantische Sicherheit beschrieben werden.

Humanitäres Lager des Roten Kreuzes in Kyjiw zerstört

Bei dem massiven russischen Luftangriff auf Kyjiw wurde eines der wichtigsten humanitären Lager des Ukrainischen Roten Kreuzes vollständig zerstört. Darüber informierte die Organisation auf ihrer offiziellen Facebook-Seite. Nach Angaben des Roten Kreuzes wurden rund 320.000 Hilfsgüter und Ausrüstungsgegenstände im Gesamtwert von mehr als 1,7 Millionen Euro vernichtet. Zu den zerstörten Beständen gehören Generatoren, Wärmepumpen, Defibrillatoren, Ultraschallgeräte, Krankentragen, Patientenmonitore sowie strategische Notfallreserven wie Decken, Hygienesets, Planen, Schlafausrüstung und weitere Güter des täglichen Bedarfs. Ein erheblicher Teil der Ausrüstung war der Ukraine im Rahmen des EU-Katastrophenschutzverfahrens zur Bewältigung von Notlagen zur Verfügung gestellt worden.

Nach Angaben des Ukrainischen Roten Kreuzes handelte es sich bei dem zerstörten Lager um eines der zentralen Logistikzentren der Organisation, von dem aus Hilfslieferungen in verschiedene Regionen der Ukraine koordiniert wurden. Zudem wurde ein Lastwagen beschädigt, der für den Transport humanitärer Hilfe eingesetzt wurde. Die Organisation bezeichnete den Angriff als schweren Schlag gegen die humanitäre Infrastruktur des Landes, von der die Versorgung Tausender vom Krieg betroffener Menschen abhängt.

Russland setzte bei Angriff auf Kyjiw verstärkt ballistische Raketen ein

Bei dem jüngsten russischen Angriff setzte Russland besonders viele Raketen mit ballistischer Flugbahn ein. Das sagte Jurij Ihnat, Leiter der Kommunikationsabteilung der ukrainischen Luftwaffe, im ukrainischen Fernsehen. Nach seinen Angaben griff die russische Armee die Hauptstadt in mehreren Wellen an und kombinierte dabei Raketen und Drohnen. Marschflugkörper habe die ukrainische Luftabwehr nahezu vollständig abgefangen, auch bei den Drohnen sei die Abfangquote hoch gewesen. Zugleich wies Ihnat darauf hin, dass Russland zunehmend reaktive Drohnen einsetzt. Diese hätten andere Flugeigenschaften als gewöhnliche Shahed-Drohnen und erschwerten damit die Arbeit der Luftverteidigung. Vor diesem Hintergrund bleibe der Ausbau der ukrainischen Raketenabwehr eine Priorität. Besonders wichtig seien zusätzliche Patriot-Systeme und Abfangraketen. Nach Angaben der ukrainischen Luftwaffe setzte Russland bei dem Angriff in der Nacht zum 2. Juli insgesamt 74 Raketen verschiedener Typen und fast 500 Angriffsdrohnen ein. Der Großteil der Ziele flog demnach in Richtung Kyjiw.