Ein Berliner ist am helllichten Tag an einer Eisdiele von einem E-Scooter-Fahrer brutal attackiert worden. Der Täter schlug auf sein Opfer ein, bespuckte es und ließ es verletzt zurück – während zahlreiche Umstehende tatenlos zusahen. Der Vorfall wirft erneut Fragen nach mangelnder Zivilcourage in der Hauptstadt auf.
Attacke ohne Vorwarnung
Wie die Polizei mitteilte, ereignete sich die Tat am späten Nachmittag im belebten Berliner Stadtteil Prenzlauer Berg. Das Opfer, der 34-jährige Stefan Treddel, wartete vor einer Eisdiele, als ein Mann auf einem E-Scooter den Gehweg befuhr. Treddel machte den Fahrer darauf aufmerksam, dass das Fahren auf dem Bürgersteig verboten sei. Daraufhin sei der E-Scooter-Fahrer ausgerastet.
„Er stieg von seinem Roller, lief auf mich zu und schlug mir ohne Vorwarnung ins Gesicht“, berichtete Treddel gegenüber der Polizei. Der Angreifer habe weiter auf ihn eingeschlagen und ihn schließlich angespuckt, bevor er sich wieder auf seinen E-Scooter setzte und davonfuhr. Treddel erlitt Prellungen im Gesicht und eine blutende Lippe.
Umstehende schauen tatenlos zu
Besonders erschreckend: Die Attacke spielte sich vor den Augen zahlreicher Passanten ab, die in der Schlange vor der Eisdiele standen. „Ich habe um Hilfe gerufen, aber niemand hat eingegriffen“, sagte Treddel. „Die Leute haben nur zugeschaut, einige haben sogar ihr Handy gezückt und gefilmt.“ Erst als der Täter bereits geflüchtet war, habe jemand den Notruf gewählt.
Die Polizei sucht nun nach Zeugen des Vorfalls. Eine erste Überprüfung von Überwachungskameras in der Umgebung habe noch keine heiße Spur ergeben, so ein Sprecher. Die Beamten bitten um Hinweise aus der Bevölkerung.
Debatte um Zivilcourage
Der Fall hat in Berlin eine Debatte über mangelnde Zivilcourage ausgelöst. Der Berliner Opferschutzbeauftragte Roland Weber forderte mehr Sensibilisierung in der Bevölkerung. „Es ist beschämend, dass Menschen in einer solchen Situation nicht einschreiten oder zumindest die Polizei alarmieren“, sagte Weber. „Wir müssen als Gesellschaft wieder lernen, hinzusehen und zu helfen.“
Laut Kriminalstatistik der Hauptstadt ist die Zahl der Körperverletzungsdelikte auf öffentlichen Plätzen im vergangenen Jahr um rund fünf Prozent gestiegen. Besonders häufig sind Auseinandersetzungen im Zusammenhang mit E-Scootern, die oft illegal auf Gehwegen gefahren werden.
E-Scooter-Konflikte nehmen zu
Der Konflikt zwischen Fußgängern und E-Scooter-Fahrern ist in Berlin alltäglich. Immer wieder kommt es zu Rangeleien und Handgreiflichkeiten, wenn sich Passanten über rücksichtsloses Fahren auf Gehwegen beschweren. Die Polizei hat in diesem Jahr bereits über 2.000 Verstöße von E-Scooter-Fahrern geahndet, darunter Fahren ohne Versicherung, unter Alkoholeinfluss oder auf Gehwegen.
Stefan Treddel geht es nach eigenen Angaben den Umständen entsprechend. „Ich bin noch geschockt, aber mir geht es körperlich wieder besser“, sagte er. „Ich hoffe, dass der Täter gefasst wird – und dass die Menschen in Zukunft mutiger sind, wenn jemand Hilfe braucht.“



