Rechtsextreme „Patriot Front“ marschiert am Unabhängigkeitstag in Washington
„Patriot Front“ marschiert am Unabhängigkeitstag in Washington

Rund 100 vermummte Männer in uniformartigen Blauhemden marschierten am Samstag während der 250-Jahr-Feierlichkeiten zum US-Unabhängigkeitstag in Washington nahe dem Kapitol. Sie schwenkten Flaggen und riefen „Reclaim America!“. Die Gruppe „Patriot Front“ wird von Wissenschaftlern als rechtsextrem mit faschistischen Zielen eingestuft. Die Polizei von Washington erklärte, die Aktivitäten seien vom Recht auf freie Meinungsäußerung gedeckt; es gab keine Festnahmen oder Beschwerden.

Gründung und Ideologie der „Patriot Front“

Die Gruppe wurde 2017 von dem texanischen Rechtsextremisten Thomas Rousseau gegründet, der zuvor der Neonazi-Gruppe „Vanguard America“ angehörte. Laut der Anti-Defamation League (ADL) veröffentlichte die Gruppe kurz nach ihrer Gründung ein Manifest, das einen Aufruf für einen „amerikanischen Faschismus“ enthielt. Auf ihrer Webseite bekennen sich die Mitglieder dazu, das „amerikanische Heimatland gegen das Eindringen fremder Staaten und Interessen abzusichern“. Dort heißt es weiter: „Der korrupte und ineffektive Staat, der das nationale Interesse zugunsten einer globalen Plutokratie unterwandert, ist nicht länger legitimiert zu regieren, und muss verändert oder abgeschafft werden.“

Ermutigung durch Trump-Politik

Obwohl die „Patriot Front“ offiziell keine Beziehungen zur Regierung von Präsident Donald Trump unterhält, fühlt sie sich durch seine „America First“-Politik ermutigt. Sie unterstützt die von ihm angeordneten Massenabschiebungen sowie den Kampf gegen die angebliche Diskriminierung Weißer, etwa durch die Abschaffung von Gleichstellungsprogrammen in der Armee und im öffentlichen Dienst. Bei Wahlkampfveranstaltungen Trumps im Jahr 2024 wurden ebenfalls Mitglieder der Gruppe gesichtet.

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„Dass sie es wagen, ausgerechnet am Unabhängigkeitstag öffentlich zu demonstrieren, zeigt, welche Probleme dieses Land mit dem weißen Nationalismus hat“, sagte John Cohen, ein früherer Experte für Terrorismusbekämpfung im US-Heimatschutzministerium.

Extremismusforschung: Überlegenheit Weißer und „Großer Austausch“

Einer Analyse von Extremismusforschern der George-Washington-Universität zufolge ist die „Patriot Front“ von der Überlegenheit Weißer überzeugt. Sie betrachtet „Multikulturalismus, Einwanderung und Vielfalt als existenzielle Bedrohungen für ihre Vision von Amerika“. Die Gruppe vertritt zudem die Verschwörungstheorie des „Großen Austauschs“, wonach angeblich „einheimische“ weiße US-Bürger organisiert durch nicht-weiße Einwanderer ersetzt werden sollen. Diese Theorie hat auch in Europa Anhänger im rechten Spektrum.

Der Extremismusforscher Luke Baumgartner von der George-Washington-Universität wies darauf hin, dass das Logo der Gruppe Ähnlichkeiten mit dem „Fascio“-Symbol der faschistischen Partei Benito Mussolinis in Italien aufweise. Im Kern sei „Patriot Front“ eine Organisation, die die Botschaft verbreiten wolle, dass Amerika ein Land nur von und für weiße Menschen sei.

Bewaffnete Gruppen und wachsender weißer Nationalismus

Die „Patriot Front“ ist Teil einer wachsenden Bewegung bewaffneter rechtsextremer Gruppen in den USA, die für einen Bürgerkrieg trainieren. Experten warnen vor der zunehmenden Radikalisierung und der Normalisierung weißer nationalistischer Ideen. Der Aufmarsch am Unabhängigkeitstag unterstreicht die Spannungen in der amerikanischen Gesellschaft und die Herausforderungen für die Demokratie.

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