Der Nato-Gipfel in Ankara beginnt heute mit erheblichem Konfliktpotenzial: US-Präsident Donald Trump hat vor dem Treffen erneut die Verteidigungsausgaben großer europäischer Partner wie Deutschland, Frankreich und Großbritannien kritisiert. Auch der Iran-Krieg und ein persönlicher Zwist mit Italiens Ministerpräsidentin Giorgia Meloni belasten die Stimmung. Dennoch soll die Ukraine neue Milliardenhilfen erhalten.
Lastenverteilung und deutscher Optimismus
Trump nannte Deutschlands Nato-Beitrag „lächerlich“. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) will dies in Ankara nicht auf sich sitzen lassen. Aus seinem Umfeld verlautet, er sei optimistisch für den Gipfelausgang und hoffe auf einen „Geist von Ankara“. Das Signal solle sein: „Wir bauen eine europäischere Nato, damit diese Nato transatlantisch bleiben kann.“ Ein milliardenschweres U-Boot-Geschäft mit Kanada wertete Merz als „starkes Zeichen“ der Zusammenarbeit. Kanada kauft bis zu zwölf U-Boote bei der Kieler Werft TKMS.
Milliardenhilfe für die Ukraine
Im Gegensatz zum Vorjahr soll die Ukraine nun ein neues Versprechen für Militärhilfen erhalten. Geplant ist eine Mindestfinanzierung von 70 Milliarden Euro pro Jahr über zwei Jahre – insgesamt 140 Milliarden Euro. Ein EU-Hilfspaket über 60 Milliarden Euro bis Ende 2027 wird dabei mitgerechnet. Die verbleibenden rund 80 Milliarden Euro müssten die Nato-Staaten aus nationalen Haushalten stemmen. Die grundsätzliche Einigung steht, der Gipfel soll sie abschließend billigen.
Trumps überraschende Friedenssignale
Trump überraschte am Vorabend des Gipfels mit der Einschätzung, Russlands Präsident Wladimir Putin wolle den Ukraine-Krieg beenden. Nach einem Telefonat sei eine Einigung näher, „als die Menschen glauben“. Trump kündigte an: „Wir werden darüber sprechen, und ich glaube, wir werden es schaffen.“ Der Ukraine-Krieg dauert bereits im fünften Jahr an.
Iran-Krieg und Spannungen im Bündnis
Der von den USA und Israel begonnene Iran-Krieg wird in der erwarteten Gipfelerklärung nur knapp thematisiert – vor allem die freie Schifffahrt durch die Straße von Hormus. Trump zeigte Unmut über fehlende Unterstützung. US-Verteidigungsminister Pete Hegseth und Außenminister Marco Rubio bezeichneten den Kurs von Verbündeten als „beschämend“ und kündigten eine Neubewertung der US-Beziehungen zur Nato an.
Fortschritte bei Verteidigungsausgaben
Nato-Generalsekretär Mark Rutte sieht Fortschritte: Die europäischen Alliierten und Kanada investierten bereits etwa vier Prozent ihres BIP in Verteidigung und Sicherheit, darunter 2,5 Prozent für klassische Verteidigungsausgaben und 1,5 Prozent für andere verteidigungsrelevante Ausgaben. Im Vorjahr lag der Wert bei 2,33 Prozent. Die Europäer und Kanadier gaben fast 20 Prozent mehr aus als im Vorjahr. Für 2025 und 2026 summiere sich das auf 258 Milliarden US-Dollar zusätzlich.
Prestige für Gastgeber Erdogan
Für Präsident Recep Tayyip Erdogan ist der Gipfel ein Prestigeerfolg. Trump reist persönlich nach Ankara, und Erdogan kann die Türkei als unverzichtbare Regionalmacht präsentieren. Kritik an seinem Vorgehen gegen Oppositionelle dürfte keine große Rolle spielen.
Zwist zwischen Trump und Meloni
Auslöser des Konflikts war Trumps Behauptung, Meloni habe ihn beim G7-Gipfel in Évian um ein Foto angefleht. Meloni bezeichnete dies als „völlig erfunden“. Kurz vor dem Nato-Gipfel postete Trump ein Foto mit der Aufschrift „Restraining order needed“. Das Aufeinandertreffen in Ankara wird besonders intensiv beäugt.



