Elyas M'Barek ist aus New York nach München zurückgekehrt und zeigt nun erstmals internationale Ambitionen im englischsprachigen Kino. In der britisch-deutschen Koproduktion „Virginia Woolfs Night and Day“ spielt er den romantischen Liebhaber Ralph Denham, einen Autor und Redakteur aus der Arbeiterklasse. Der Film basiert auf einer weniger bekannten Gesellschaftssatire der feministischen Ikone Virginia Woolf aus dem Jahr 1919 und wird von Tina Gharavi inszeniert.
Handlung und Hauptfiguren
Die Hauptfigur Katharine Hilbery, gespielt von Haley Bennett, ist eine junge Londonerin aus besseren Kreisen, die lieber Astronomin als Ehefrau werden will. Im London des Jahres 1910 begegnet sie Ralph Denham auf einer nächtlichen Dachterrasse und erkennt an seinem roten Halstuch, dass er ein Aufsteiger ist. Die Romanze zwischen den beiden entwickelt sich subtil, während Katharine gegen die patriarchalen Strukturen ihrer Familie kämpft.
Ihr Vater, dargestellt von Timothy Spall, lehnt ihre astronomischen Ambitionen ab und befiehlt ihr: „Du wirst Ehefrau, kein Mann will eine Frau heiraten, die arbeitet.“ Katharines Mutter hingegen verfolgt eigene schriftstellerische Ambitionen und arbeitet an einer Biografie des Dichter-Großvaters der Familie.
Emanzipationsappeal und Frauenpower
Katharine lernt die Frauenrechtlerin Mary Datchet kennen, gespielt von Popstar Lily Allen, die ihr in ihrem Suffragetten-Hauptquartier Asyl für ihre mathematischen Forschungen gewährt. Der Film zeigt Katharine als Himmelsbeobachterin, die genialische Zahlenkolonnen auf Tafeln kritzt, während neben ihr Maschinen stampfen. Regisseurin Tina Gharavi und ihr „weiblich geführtes Team“ verbinden Historienfilmklischees mit Emanzipationsappeal.
Der Film scheut weder vor den Klischees des edwardianischen Englands – raschelnde Kostüme, prächtige Landsitze, dreckige Industrialisierung – noch vor einem überproduzierten, modernen Soundtrack zurück. Im Vergleich zu Emerald Fennells poppiger Neuverfilmung von „Wuthering Heights“ wirkt „Virginia Woolfs Night and Day“ konventioneller, was eine tonale Unwucht erzeugt.
Historische Wahrheit und Romantik
Trotz inszenatorischem Kitschalarm bewegen Katharines feurige Monologe, mit denen sie misogyne Physik-Professoren in Cambridge und ihren bockigen Vater herausfordert. Der Film thematisiert die historische Wahrheit, dass Frauen vor dem Ersten Weltkrieg hart um Anerkennung in den Naturwissenschaften kämpfen mussten – eine Realität, die bis nach dem Zweiten Weltkrieg anhielt.
Die Mechanik der romantischen Komödie, die nach Irrungen und Wirrungen ein Happy End vorsieht, funktioniert auch bei der angehenden Astronomin Katharine. Elyas M'Barek überzeugt mit Charme in seiner Rolle, während Haley Bennett Dringlichkeitsfuror zeigt.



