Mitten im Urlaub melden sich plötzlich rasende Kopfschmerzen, Hautausschlag oder eine fiese Grippe. Wenn dann in der Reiseapotheke das passende Mittel fehlt, muss die nächste Apotheke aufgesucht werden. Innerhalb Europas kein Problem, könnte man denken. Doch ein paar Unterschiede zur Apotheke in Deutschland gibt es je nach Land dann schon.
Deutschland steht im Vergleich sogar nur im Mittelfeld, was die Qualität und Apothekendichte angeht, berichtet Dr. Ina Lucas in ihrer neuen Kolumne „Der gute Rat der Apothekerin“. Die Expertin erklärt, wie Urlauber im EU-Ausland Apotheken finden, welche EU-Reiseländer vorn liegen und was es beim Preis für Medikamente zu beachten gibt.
Apothekendichte in der EU: Deutschland im unteren Drittel
In der Europäischen Union (EU) liegt Deutschland mit 20 Apotheken pro 100.000 Einwohner im unteren Drittel, im EU-Durchschnitt sind es 31 Apotheken. An der Spitze liegt Griechenland, wo 100.000 Einwohner von 101 Apotheken versorgt werden. Am unteren Ende der Statistik steht Dänemark, wo neun Apotheken dieselbe Bevölkerungszahl versorgen. Diese erheblichen Unterschiede haben historische, wirtschaftliche, demografische oder fachliche Gründe.
Beratungsqualität: Deutsche Apotheken punkten
Dr. Ina Lucas: „Vor ein paar Tagen kam eine Kundin in meine Apotheke in Berlin, die immer regelmäßig nach Barcelona reist. Wir begrüßten uns kurz – und dann sagte sie freudestrahlend: ‚Ich liebe es, in deutsche Apotheken zu kommen.‘ Sie erzählte mir, wie anders es sei, in eine spanische Apotheke zu gehen als in eine deutsche. Sie habe das Gefühl, dass sie dort nur bedient, aber hier eben auch immer noch zusätzlich beraten werde. ‚Egal, wo ich hingehe, hier in Deutschland ist die Beratung viel besser‘, war ihr Fazit, das mich natürlich sehr freute.“
Dr. Lucas ist überzeugt, dass es in Spanien genauso viele kompetente und engagierte Apothekerinnen und Apotheker gibt wie in Deutschland. Trotzdem kann es passieren, dass Sprachbarrieren oder kulturelle Unterschiede dazu führen, dass ein vertrauensvolles Gespräch über Gesundheitsthemen im Ausland nicht so leicht zustande kommt wie daheim. Dabei gibt es auch markante Unterschiede zwischen den Apotheken in Europa. Das fängt damit an, dass statt des roten Apotheken-As oft ein grünes Kreuz über dem Eingang hängt.
Zusatzleistungen: Diese EU-Länder sind führend
In vielen Ländern Europas übernehmen Apotheken Dienstleistungen, die über die Abgabe von und Beratung zu Medikamenten hinausgehen. Das Spektrum reicht von Prävention über Medikationsmanagement bis zu digitalen Leistungen. Deutschland holt mit seinen neuen pharmazeutischen Leistungen und Impfungen langsam auf, liegt aber derzeit nur im Mittelfeld. Laut dem Zusammenschluss der Apotheker in der Europäischen Union (ZAEU) liegen West- und Südeuropa vorn, darunter: Italien, Frankreich, Portugal, Irland und die Niederlande.
Mehrwertsteuer auf Arzneimittel: Große Unterschiede
Die Mehrwertsteuer auf Arzneimittel fällt in den 27 EU-Mitgliedstaaten sehr unterschiedlich aus. Neben Dänemark mit 25 Prozent und Bulgarien mit 20 Prozent erhebt Deutschland mit 19 Prozent einen der höchsten Mehrwertsteuersätze auf Arzneimittel. Viele Länder wenden allerdings nicht ihren normalen Steuersatz auf Arzneimittel an, sondern einen auf die Hälfte oder noch mehr reduzierten. Noch extremer ist es in Irland, Schweden und Malta, wo mindestens ein Teil der Arzneimittel komplett von der Mehrwertsteuer befreit wird.
Tipps für die Reiseapotheke
Dr. Lucas: „Derzeit kommen viele Kundinnen und Kunden in meine Apotheke und fragen: ‚Ich fahre in den Urlaub – was soll ich mitnehmen?‘ Ich frage dann einiges zurück, wie: ‚Wohin fahren Sie? Allein oder mit der Familie? Haben Sie Haustiere dabei?‘ Viele Menschen haben die Reiseapotheke jetzt auf dem Schirm – und meistens kommen wir schnell zu einer passenden Lösung. Ich wünsche meinen Kundinnen und Kunden am Ende unseres Gesprächs immer eine gute Reise – und hoffe sehr, dass sie ihren Urlaub ganz unbeschwert und vor allem gesund genießen können.“



