Nato-Gipfel in Ankara: Trump kritisiert Europa, Merz hofft auf neuen Geist
Nato-Gipfel in Ankara: Trump kritisiert Europa scharf

Beim Nato-Gipfel in Ankara hat US-Präsident Donald Trump bereits bei seiner Ankunft für Spannungen gesorgt. „Ich war sehr enttäuscht von der Nato“, sagte Trump in der türkischen Hauptstadt und erneuerte seine Kritik an Großbritannien, Italien, Deutschland und Frankreich, die die USA im Iran-Krieg im Stich gelassen hätten. Auch im Streit um Grönland, das die USA von Dänemark übernehmen wollen, legte Trump nach. Bundeskanzler Friedrich Merz hofft dagegen auf einen guten „Geist von Ankara“ und eine harmonische Zusammenarbeit.

Merz: Europäischere Nato für transatlantische Zukunft

Vor seinem Abflug nach Ankara sagte Merz: „Von diesem Gipfel soll die Botschaft ausgehen: Wir bauen eine europäischere Nato, damit die Nato transatlantisch bleiben kann.“ Der CDU-Politiker, der von seiner Ehefrau Charlotte begleitet wird, wünschte sich, dass es gemeinsam gelinge, „einen Geist von Ankara zu wecken“. Als positives Beispiel nannte er die Absicht Kanadas, bis zu zwölf U-Boote des Kieler Marineschiffbauers TKMS zu kaufen. Dies sei „ein starkes Zeichen für die transatlantische und die europäische Zusammenarbeit“.

Die 32 Mitgliedstaaten des Verteidigungsbündnisses wollen bis Mittwoch beraten, wie die Lasten in der Nato stärker auf die europäischen Alliierten und Kanada verteilt werden können. Die USA hatten angekündigt, Truppen aus Deutschland abzuziehen und weniger Streitkräfte für Nato-Planungen bereitzustellen.

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Deutschland meldet Rekord-Verteidigungsausgaben

Deutschland meldete der Nato erneut Verteidigungsausgaben in Rekordhöhe. Die Bundesregierung übermittelte für das laufende Jahr 2026 einen Betrag von 124,7 Milliarden Euro. Das geht aus Daten hervor, die das Verteidigungsbündnis zum Auftakt des Gipfels veröffentlichte. Dies entspricht einer Steigerung um 25,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahr, als die Ausgaben auf rund 99,3 Milliarden Euro beziffert wurden. In absoluten Zahlen ist der Anstieg um rund 25,4 Milliarden Euro der höchste, der für Deutschland in der jüngeren Geschichte registriert wurde. Innerhalb der Nato geben nur die USA mehr Geld für Verteidigung aus.

Unterstützung für die Ukraine und Drohnenkrieg

Wichtiges Thema ist auch die Unterstützung für die Ukraine, die sich im fünften Jahr gegen einen russischen Überfall verteidigt. Trump will sich mit dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj am Rande des Gipfels treffen. Merz sagte mit Blick auf den Ukraine-Krieg: „Ankara könnte einen Einschnitt in diesem Krieg markieren.“ Der Kanzler bezog sich darauf, dass in Ankara eine Vereinbarung von Bündnismitgliedern über weitere Milliardenhilfe für das angegriffene Land erwartet wird.

Die Nato bereitet sich zudem auf eine massive Ausweitung der Kriegsführung mit Drohnen vor. Verbündete wollen laut Nato-Generalsekretär Mark Rutte in den kommenden fünf Jahren im Zuge einer neuen Initiative mehr als 40 Milliarden Dollar in Fähigkeiten zur Drohnenabwehr investieren. „Drohnen sind zu einem entscheidenden Faktor auf dem Schlachtfeld geworden“, sagte Rutte. Selenskyj, dessen Land im Abwehrkampf gegen Russland viel Wissen im Kampf mit und gegen Drohnen gesammelt hat, rief die Nato auf einem Rüstungsforum zur gemeinsamen Produktion unbemannter Systeme auf und warb erneut für einen Bündnisbeitritt der Ukraine.

Erdogan empfängt Trump mit Pomp – Hoffnung auf F-35-Kampfjets

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan ehrte Trump mit einem spektakulären Empfang. Er empfing ihn persönlich am Flughafen, dann gab es am Präsidentenpalast eine pompöse Begrüßung mit einer Reiterstaffel, Kanonenschüssen und Kampfjets, die die Farben der US-Flagge in den Himmel malten. „Wir sind gute Freunde“, sagte Trump und lobte die Türkei für ihre Loyalität.

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Erdogan hofft auf ein konkretes Entgegenkommen Trumps: Die Türkei will US-Kampfjets vom Typ F-35 kaufen, wofür es in den USA mehrere Hürden gibt. Trump kündigte zwar an, Sanktionen gegen die Türkei aufheben zu wollen, doch ein US-Gesetz erlaubt den Verkauf nur, wenn die Türkei sich erheblich bewegt. Dafür gibt es bislang keine offiziellen Anzeichen. Die Türkei war als Partner am Bau des Tarnkappenbombers beteiligt und hätte eigentlich etwa 100 Jets bekommen sollen, wurde aber 2019 nach dem Erwerb des russischen Flugabwehrsystems S-400 aus dem Programm ausgeschlossen. Die USA fürchteten, dass Russland über das Radar des S-400 an Daten der Tarnkappentechnik gelangen könnte.

Trump droht mit Truppenabzug aus Europa

Einmal mehr holte Trump gegen Europa aus. „Wir könnten alle unsere Soldaten aus Europa abziehen“, drohte er hypothetisch, ohne konkret zu werden. Er stellte klar, dass Grönland von den USA und nicht von Dänemark kontrolliert werden sollte. Öffentliche Drohungen unterließ er in diesem Zusammenhang allerdings.

Zum offiziellen Auftakt empfing Erdogan die Gipfelteilnehmer am Abend zu einem Festessen in seinen Palast. Auch die Staats- und Regierungschefs der Partnerstaaten Ukraine, Japan, Südkorea, Australien und Neuseeland sowie EU-Vertreter waren eingeladen.