Ungarns neuer Regierungschef mit deutlicher Botschaft an den Kreml
In Budapest herrscht nach der Abwahl von Viktor Orbán ein spürbarer Kurswechsel in der Außenpolitik. Der designierte Ministerpräsident Péter Magyar (54) hat auf einer Pressekonferenz unmissverständlich klargestellt, wie er die Beziehungen zu Russland gestalten will.
„Wahrscheinlich ein kurzes Telefongespräch“ mit Putin
Magyar wurde konkret gefragt, wie er auf einen möglichen Anruf von Wladimir Putin reagieren würde. Seine Antwort ließ an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig: „Wenn Wladimir Putin mich anruft, werde ich abheben. Ich glaube nicht, dass es dazu kommen wird – ich selbst werde ihn nicht anrufen – aber falls wir doch sprechen sollten, würde ich ihm sagen, er solle doch bitte so nett sein und nach nunmehr vier Jahren endlich das Morden beenden und diesen Krieg beenden.“
Der Politiker fügte hinzu: „Wahrscheinlich wäre es ein kurzes Telefongespräch. Und ich glaube nicht, dass er aufgrund meines Rates den Krieg beenden würde. Ich hoffe sehr, dass er unabhängig davon gezwungen sein wird, diesen Krieg innerhalb einer sehr kurzen Frist zu beenden.“
Kritik am sinnlosen Krieg und seinen Folgen
Magyar begründete seine Haltung mit den verheerenden Folgen des Ukraine-Krieges: „Der Ukraine-Krieg ergibt auch aus Sicht der Russen keinerlei Sinn, da Zehntausende russische Soldaten ihr Leben verloren haben und Zehntausende oder gar Hunderttausende russische Familien zerstört wurden.“
Besonders betonte er das Leid der russischsprachigen Bevölkerung in der Ukraine: „Ihr Leben wurde zerstört, ihre Städte bombardiert, sie wurden getötet oder sogar vergewaltigt.“
Energieabhängigkeit und Vertragsprüfungen
Trotz der klaren Worte gegenüber Moskau betonte Magyar die Notwendigkeit pragmatischer Beziehungen: „Wir streben das an, zumal wir in Bezug auf Energieträger ohnehin von Russland abhängig sind.“ Die neue Regierung wolle jedoch diese Abhängigkeit reduzieren und auf mehrere Energiequellen setzen.
Konkret kündigte Magyar an: „Ich kann sagen, dass wir alle Verträge überprüfen werden. Wenn nötig, werden wir sie neu verhandeln, wenn nötig, werden wir sie kündigen, und wenn nötig, werden wir die finanziellen Bedingungen verbessern.“
Besonders im Fokus steht dabei die „unglaublich überteuerte Erweiterung“ des von Russland gebauten Kernkraftwerks in der ungarischen Stadt Paks.
Reaktionen aus Moskau und Distanz zu Washington
Aus Moskau kam bereits erste Reaktion auf den Wahlsieg Magyars mit Supermehrheit (über zwei Drittel der Parlamentssitze). Kreml-Sprecher Dmitrij Peskow bezeichnete Ungarn nun als „unfreundliches Land“, betonte aber, Russland werde das Wahlergebnis respektieren und die „pragmatischen Kontakte mit der neuen ungarischen Führung“ pflegen.
Interessant ist auch Magyars Haltung gegenüber den USA: „Ich glaube nicht, dass es sinnvoll ist, Donald Trump anzurufen“, sagte er. Trotzdem betonte er die Bedeutung der Beziehungen: „Da Amerika ein wichtiger Partner für Ungarn ist, müssen wir alles tun, um eine enge und gute Beziehung zu pflegen.“
Magyar würde sich freuen, wenn der amerikanische Präsident, Vizepräsident oder Außenminister zu den Feierlichkeiten am Jahrestag der Ungarn-Revolution von 1956 (23. Oktober) anreist.
Neuer außenpolitischer Kurs für Ungarn
Die Äußerungen des designierten Ministerpräsidenten markieren einen deutlichen Bruch mit der bisherigen ungarischen Russland-Politik unter Viktor Orbán. Während Orbán enge Beziehungen zum Kreml pflegte, setzt Magyar auf klare Worte und eine kritischere Haltung.
Gleichzeitig zeigt er sich pragmatisch in energiepolitischen Fragen, wo Ungarn weiterhin von russischen Lieferungen abhängig bleibt. Die angekündigte Überprüfung aller Verträge mit Russland könnte zu erheblichen Veränderungen in den bilateralen Beziehungen führen.
Die internationale Gemeinschaft wird die Entwicklung in Ungarn mit großem Interesse verfolgen, besonders im Hinblick auf die europäische Einheit gegenüber Russland im Ukraine-Krieg.



