Klopp empört über Trump-Einfluss: Fifa-Skandal um Balogun-Sperre
Klopp empört über Trump-Einfluss: Fifa-Skandal um Balogun

Jürgen Klopp hat fassungslos auf die Aufhebung der Roten Sperre für den US-Nationalspieler Folarin Balogun reagiert. „Wenn es tatsächlich so war, dass Trump und Infantino das miteinander ausgemacht haben, dann ist das verrückt, das stellt alles infrage“, sagte der designierte Bundestrainer in seiner Rolle als Experte bei MagentaTV. „Das ist unser Spiel, nicht deren Spiel.“

Klopp: „Keine Ahnung von Fußball“

Klopp betonte, dass weder US-Präsident Donald Trump noch Fifa-Präsident Gianni Infantino „keine Ahnung von Fußball haben“ und „gar nichts damit zu tun haben“ sollten. Er verwies auf das Foul von Balogun im WM-Achtelfinale gegen Bosnien-Herzegowina, bei dem dieser nach einem Luftduell unabsichtlich auf dem Knöchel seines Gegenspielers gelandet war: „Da gibt es keine zwei Meinungen. Das ist eine rote Karte. So leid uns das tut, weil Balogun will das nicht. Aber das sagen die Regeln.“

DFB-Präsident fordert Aufklärung

DFB-Präsident Bernd Neuendorf forderte die Fifa in einer Stellungnahme auf, Stellung zu den Medienberichten zu beziehen: „Der Eindruck, dass es hier eine aktive Einflussnahme der Politik auf den Sport gegeben hat, muss zügig und schlüssig ausgeräumt werden. Es geht um die Integrität des Wettbewerbs und die Glaubwürdigkeit der FIFA.“ Der langjährige DFB-Sportgerichtschef Hans E. Lorenz warnte im „Kicker“: „Das ist ein fatales Signal für die Sportgerichtsbarkeit in aller Welt. Jeder gesperrte Spieler und sein Verein werden sich in Zukunft auf diese Entscheidung berufen.“

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Blatter: „Fußball kein Spielball der Politik“

Der frühere Fifa-Präsident Joseph Blatter fand ebenfalls scharfe Worte: „Rote Karten werden nicht durch politische Telefonanrufe aufgehoben. Sie werden auf der Grundlage von Regeln, Beweisen und durch unabhängige Gremien revidiert. Wenn ein US-Präsident beim FIFA-Präsidenten interveniert – und ein Spieler plötzlich vor einem K.-o.-Spiel der Weltmeisterschaft freigesprochen wird –, stellt sich unweigerlich die Frage: Quo vadis, FIFA?“ Er ergänzte: „Der Fußball darf niemals zum Spielball politischer Machtinteressen werden.“

Sportjournalist Marcel Reif äußerte sich gegenüber der „SportBild Fußball“: „Alle Despoten in der Geschichte haben irgendwann mal einen entscheidenden Fehler gemacht. Das könnte bei Infantino das eine Ding zu viel gewesen sein – intern.“ Er ergänzte: „Am besten, die Fifa löst sich auf, erfindet sich neu und entledigt sich all solcher Figuren wie Infantino.“

Belgien wehrt sich gegen Fifa-Entscheidung

Der belgische Fußballverband (RBFA) erhob schwere Vorwürfe gegen die Fifa und kündigte weitere Schritte an. Der Verband sehe „keine andere Möglichkeit, als die Spielberechtigung Baloguns für das bevorstehende Spiel anzufechten“, hieß es in einer Stellungnahme vor dem Achtelfinale der Belgier gegen die USA. Zuvor hatten die Belgier eine Kopie der Entscheidung und eine Erläuterung des Verfahrens gefordert. Als Reaktion habe die Fifa die Korrespondenz als Berufung gewertet und einen Richter bestellt, obwohl nach den eigenen Regularien eine Berufung nur zulässig sei, wenn die begründete Entscheidung zugestellt wurde. Der RBFA werde sich „auch in den kommenden Stunden, Tagen und Monaten weiterhin für die grundlegenden Prinzipien von Ethik, fairem Wettbewerb und die Interessen des Fußballs insgesamt einsetzen“.

Belgiens Trainer Rudi Garcia sagte: „Wir verteidigen nicht Belgien, wir verteidigen den Fußball. Das ist das erste Mal in der WM-Geschichte, dass so eine Entscheidung getroffen wird.“ Er ergänzte: „Ich wusste nicht, dass der 5. Juli bei der WM wie der 1. April ist. Es klingt wie ein schlechter Scherz.“ Von den US-Fußballern war zu vernehmen, dass mancher die Nachricht zunächst für einen mit KI erstellten Fake hielt.

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UEFA: „Rote Linie überschritten“

Die Europäische Fußball-Union (UEFA) gab ein Statement ab: „Die gestrige Entscheidung, die Umsetzung der automatischen Sperre für ein Spiel nach der Roten Karte für den Spieler Folarin Balogun für eine Probezeit von einem Jahr auszusetzen, hat eine rote Linie überschritten.“ Die UEFA ergänzte: „Wir bringen unsere Fassungslosigkeit angesichts einer solch beispiellosen, unverständlichen und ungerechtfertigten Entscheidung zum Ausdruck.“ Die Institution betonte, dass eine automatische Mindestsperre von einem Spiel „keine Ermessensentscheidung“ sei und „keinen Ausnahmen unterliegen darf“.

Geteilte Meinungen unter Trainern

US-Nationaltrainer Mauricio Pochettino zeigte sich mit der Aufhebung der Roten Karte einverstanden und sprach von einer „fairen Entscheidung“. Englands Nationaltrainer Thomas Tuchel hingegen sagte: „Ich denke, um ganz klar zu sein, dass es keine Rote Karte war.“ Er fragte: „Wer kippt diese Entscheidung dann – und wann? Und auf welcher Grundlage? Wie weit geht das jetzt? Es ist einfach seltsam für mich. Wir wollen einfach Konsistenz in den Entscheidungen haben.“

Norwegens Nationaltrainer Stale Solbakken nannte die Entscheidung „eine schlechte, schlechte, schlechte Entscheidung, die der WM schaden wird“. Er warnte vor einem gefährlichen Präzedenzfall: „Was ist mit der nächsten Roten Karte? Was passiert dann? Wird es künftig irgendwo ein Gremium geben, das solche Karten einfach wieder aufhebt?“

Auch der Vorstandsvorsitzende des Deutschen Olympischen Sportbunds, Otto Fricke, kritisierte: „Es schadet dem Sport insgesamt, wenn der Anschein entsteht, dass auf Entscheidungen des Sports durch die Politik Einfluss genommen wird.“

Kritik aus der Politik

Die sportpolitische Sprecherin der Grünen, Tina Winklmann, und der stellvertretende Fraktionsvorsitzende Konstantin von Notz sagten: „Eine Fifa, die nach einem Anruf des US-Präsidenten sportrechtliche Sanktionen verändert, verspielt jeden Anspruch auf Unabhängigkeit und Glaubwürdigkeit.“ Sie verlangten eine lückenlose Aufklärung. Die SPD-Bundestagsabgeordnete und Vorsitzende des Sportausschusses, Aydan Özoğuz, sagte: „Eine Entscheidung auf dem Platz, die in Hinterzimmern revidiert werden kann, erschüttert das Vertrauen in die Fifa einmal mehr.“ Der CDU-Abgeordnete Fritz Güntzler forderte, dass der DFB Klarheit schaffen müsse.

EU-Kommissar für Sport, Glenn Micallef, betonte: „Entscheidungen über sportliche Regeln und sportliche Angelegenheiten obliegen den Sportverbänden, nicht den Politikern.“