Die ukrainische Auslandshandelskammer in Japan hat am Montag die Gründung eines „japanisch-ukrainischen Drohnenclusters“ bekannt gegeben. Ziel des Bündnisses ist die Entwicklung und Produktion von Luft-, Boden- und Seedrohnen. Ein zentraler Aspekt ist der Aufbau einer Lieferkette, die ohne Bauteile aus der dominierenden chinesischen Drohnenindustrie auskommt. Besonders japanische und taiwanische Elektronikunternehmen sollen als Zulieferer für die ukrainische Drohnenindustrie gewonnen werden.
Kammerchefin Kateryna Yavorska erklärte in Tokio, die Plattform solle „die Kooperation, Kommunikation und Zusammenarbeit zwischen der Ukraine, Japan, Taiwan und den Staaten der südostasiatischen Staatengemeinschaft Asean fördern“. Japan war einst der weltweit erste Serienanbieter ziviler Arbeitsdrohnen, doch heute dominieren chinesische Unternehmen den Markt. Japanische Hersteller von Drohnenkomponenten spielen global nur eine untergeordnete Rolle. Auch Taiwans Drohnenindustrie ist noch klein, wird aber massiv gefördert, um im Falle einer Invasion durch China verteidigungsfähig zu sein. Die Volksrepublik betrachtet Taiwan als Teil ihres Staatsgebiets und droht offen mit einer gewaltsamen Annexion.
Offiziell zivil, faktisch militärisch nutzbar
Offiziell soll sich die Zusammenarbeit auf zivile Drohnen konzentrieren, etwa für Naturkatastropheneinsätze oder die Wartung von Infrastruktur. Die Kammer wolle damit ukrainischen Drohnenherstellern helfen, ihre für den Kampf entwickelten Technologien auch für die Zeit nach dem Krieg zu nutzen. Yavorska machte jedoch deutlich, dass es sich um „Dual-Use“-Technik handele – Technologie, die sowohl zivil als auch militärisch einsetzbar ist.
Der Vorstoß unterstreicht das wirtschaftliche Potenzial der ukrainischen Rüstungsindustrie und die zunehmende Vernetzung internationaler Drohnencluster. Im russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine sind Drohnen zur bestimmenden Waffe geworden. Die Erfolge ukrainischer Modelle haben bereits zu zahlreichen Abkommen geführt. Im März zeigten die Golfstaaten Saudi-Arabien, Katar und die Vereinigten Arabischen Emirate Interesse an ukrainischen Drohnen. Im April folgten Abkommen mit Deutschland, Norwegen und den Niederlanden, später mit der Türkei und Syrien sowie ein Verteidigungs- und Energieabkommen mit Aserbaidschan.
Erste konkrete Kooperationen laufen bereits
Dem neuen Cluster war die Zusammenarbeit einzelner Unternehmen vorausgegangen: Im März hatten der japanische Drohnenhersteller Terra Drone und das ukrainische Unternehmen Amazing Drones eine gemeinsame Entwicklung von Abfangdrohnen angekündigt. Russland reagierte damals mit einem diplomatischen Protest und nannte die Investition einen „feindseligen Akt“. Laut Yavorska hat bereits eine Handvoll japanischer Unternehmen Interesse gezeigt. Der Schutz vor Naturkatastrophen dient dabei als politisch unverfängliches Verkaufsargument – gerade für japanische Firmen, die nicht als Rüstungsunternehmen auftreten wollen. In Japan und anderen asiatischen Ländern kommt es regelmäßig zu Erdbeben, Vulkanausbrüchen, Tsunamis und Taifunen. In Gesprächen sei etwa die Idee einer Evakuierungs- oder Logistikdrohne entstanden, so die Kammerchefin.
Auch zwischen taiwanischen und deutschen Unternehmen gibt es bereits Kooperationen. Taiwan fördert vor allem die Entwicklung von Luft- und Seedrohnen, um China mit einer „Höllenlandschaft“ an Gegenmaßnahmen von einer Invasion abzuschrecken. Mit Jiin Ming Technology ist ein taiwanischer Hersteller bereits Teil des neuen ukrainisch-japanischen Clusters. Firmenchef Chien Hao-ting sagte, sein Unternehmen habe im vergangenen Jahr mit der Drohnenentwicklung begonnen und erste Modelle an das taiwanische und philippinische Militär ausgeliefert – frei von chinesischen Bauteilen.
Strukturierter Informationsaustausch geplant
Die Ukraine habe „unter äußerst schwierigen Bedingungen technisches Wissen in einem Tempo aufgebaut, das sich im Frieden kaum wiederholen lässt“, so Chien. Bislang habe es jedoch keinen vertrauenswürdigen Kanal für die bilaterale Kooperation gegeben. „Hier setzt der japanisch-ukrainische Drohnencluster an“, sagte er. Bald werde ein strukturierter Informationsaustausch zwischen taiwanischen und ukrainischen Partnern möglich sein. Yavorska hofft, dass das Beispiel in Asien Schule macht. Selbst eine Teilnahme südkoreanischer Unternehmen wollte sie nicht ausschließen. Der ukrainische Außenminister Andrii Sybiha habe nach Japan zuletzt auch Südkorea besucht, unter anderem um über Drohnen zu sprechen. „Ich erwarte, dass wir dazu bald mehr hören werden“, so Yavorska.



