Beirut – Wenige Tage nach der von Donald Trump verkündeten Waffenruhe zwischen Israel und dem Libanon haben israelische Raketen erneut einen Vorort von Beirut getroffen. Das israelische Militär griff nach Regierungsangaben „terroristische Stützpunkte“ in der als Dahiyeh bekannten Hochburg der Hisbollah an. Die Attacken seien eine Reaktion auf den Beschuss israelischen Gebiets, heißt es in einer Erklärung der israelischen Regierung.
Angriffe im Südlibanon
Bereits am Samstag war es im Südlibanon zu schweren Angriffen gekommen. Bei einem israelischen Luftschlag auf ein Militärfahrzeug starben nach Angaben der libanesischen Armee drei Soldaten – darunter zwei Offiziere. Der Angriff ereignete sich auf einer Straße zwischen der Stadt Nabatije und dem Ort Mardschajun. Das israelische Militär bestätigte den Angriff und erklärte, man prüfe den Vorfall. In der Mitteilung hieß es, das Auto habe sich in der Nähe des Dorfes Kfar Tibnit auf verdächtige Weise auf israelische Soldaten zubewegt. Zudem habe es konkrete Hinweise gegeben, dass die Hisbollah aus dem Gebiet Angriffe auf israelische Soldaten plane. Israels Militär betonte, man kämpfe gegen die Hisbollah und nicht gegen die libanesische Armee.
Raketenbeschuss aus dem Libanon
Am Sonntagmorgen wurden laut israelischen Angaben mindestens fünf Raketen vom Libanon aus auf Nordisrael abgefeuert. Die Raketen wurden abgefangen oder landeten in unbewohntem Gelände. Die Hisbollah reklamierte den Beschuss nicht für sich, räumte jedoch Angriffe auf israelische Soldaten im Südlibanon ein. Die Waffenruhe, die erst vor wenigen Tagen vereinbart wurde, erweist sich damit als äußerst brüchig.
Libanon-Präsident kritisiert Iran
Für zusätzliche Spannungen sorgt ein Interview mit Libanons Präsidenten Joseph Aoun, der den Iran scharf kritisierte. In einem CNN-Interview beschuldigte er Teheran, den Libanon als Druckmittel im Konflikt mit den USA und Israel zu missbrauchen. „Sie benutzen den Libanon als Verhandlungsmasse in ihren Gesprächen mit den USA“, sagte Aoun. Das sei „inakzeptabel“. Teheran solle sich nicht länger in die inneren Angelegenheiten des Libanon einmischen. An die iranischen Revolutionsgarden gerichtet, erklärte er: „Es ist nicht euer Land, es ist unser Land.“ Über den Chef der vom Iran stark unterstützten Hisbollah-Miliz, Naim Kassim, sagte er, Kassim repräsentiere nicht das libanesische Volk.



