Die iranische Fußballnationalmannschaft hat während der FIFA-WM 2026 in den USA nicht nur sportlich für Schlagzeilen gesorgt, sondern auch mit einer emotionalen und politischen Botschaft in der Umkleidekabine des SoFi-Stadions in Los Angeles. Der handgeschriebene Brief, den die Spieler nach ihrem zweiten Gruppenspiel gegen Belgien hinterließen, wurde nun öffentlich und sorgt für großes Aufsehen.
Inhalt des Briefes: Stolz, Ehre und politische Botschaft
Der Brief beginnt mit den Worten: „Vom antiken Persien vor Tausenden von Jahren bis zum zivilisierten Iran von heute – der Geist Irans lebt weiter und bleibt standhaft.“ Die iranischen Spieler bedankten sich bei den Menschen in Los Angeles und den Fans und betonten, dass sie „mit Stolz“ gekommen seien, „mit Ehre“ gespielt hätten und „mit Würde“ gehen würden. Doch die Botschaft enthielt auch eine klare politische Note: Angehängt waren die Hashtags #168 und #minab, die auf die mutmaßlich von US-Kampfjets verursachte Bombardierung einer Schule in der Stadt Minab verweisen. Dabei kamen nach verschiedenen Berichten zwischen 156 und 168 Menschen ums Leben. Der letzte Absatz des Briefes lautet: „Mögen Frieden, Respekt und Freundschaft zwischen allen Nationen siegen!“
Hintergrund: Krieg und Waffenstillstand zwischen USA und Iran
Die WM-Teilnahme des Iran findet vor dem Hintergrund des anhaltenden Konflikts mit den USA statt. Gastgeber USA führte offiziell noch Krieg gegen den Iran, obwohl die Kampfhandlungen aufgrund eines Waffenstillstands weitgehend eingestellt waren. Erst kürzlich wurde eine Absichtserklärung für Friedensverhandlungen unterzeichnet, die Hoffnung auf ein Ende des Konflikts gibt. Der Iran nutzt die WM-Bühne auch für Propagandazwecke, wie der Brief zeigt.
Sportliche Leistung und Einschränkungen
Sportlich hat sich die iranische Mannschaft bisher wacker geschlagen: Nach zwei Unentschieden gegen Neuseeland und Belgien steht das Team vor dem entscheidenden Gruppenspiel gegen Ägypten am 26. Juni in Seattle. Mit einem Sieg könnte sich der Iran für die K.o.-Runde qualifizieren. Sollte Iran Gruppenzweiter werden und die USA ebenfalls, könnte es zu einem direkten Duell kommen. Allerdings führt Team USA nach zwei Siegen die eigene Gruppe an.
Protest gegen Schikanen und Visa-Probleme
Das iranische Team hatte sich zuvor bitter über die Behandlung durch die US-Behörden beklagt. So darf die Mannschaft für jedes Spiel nur kurzfristig von ihrem Stützpunkt in Tijuana, Mexiko, in die USA einreisen und muss nach dem Abpfiff sofort zurückkehren. Ursprünglich war das Teamquartier in Tucson, Arizona, geplant, wurde aber kurzfristig über die mexikanische Grenze verlegt. Einige Teammitglieder und Betreuer erhielten keine Visa, und Spieler Mehdi Torabi musste nach dem Neuseeland-Spiel hektisch eine abgelaufene Einreisebewilligung erneuern. Nationaltrainer Amir Ghalenoei (62) bezeichnete seine Mannschaft wegen der Einschränkungen als das „am meisten unterdrückte Team der ganzen WM“.
Ausblick: K.o.-Runde in Reichweite
Trotz der Widrigkeiten ist der Iran sportlich auf Kurs. Mit zwei Remis hat das Team gute Chancen, die Gruppenphase zu überstehen. Ein mögliches Aufeinandertreffen mit den USA in der K.o.-Runde wäre politisch und sportlich brisant. Der Brief in der Umkleidekabine zeigt jedoch, dass die iranische Mannschaft nicht nur auf sportlichen Erfolg, sondern auch auf politische Botschaften setzt.



