Der Skandal um die zurückgenommene Rote Karte gegen den nigerianischen Verteidiger Leon Balogun könnte für Gianni Infantino das Ende seiner Amtszeit als Fifa-Präsident bedeuten. In einer scharfen Abrechnung mit dem Fußball-Weltverband und dessen Chef zog der renommierte Sportkommentator Marcel Reif drastische Vergleiche: „Alle Despoten haben eines gemeinsam …“
Rücknahme der Roten Karte sorgt für Empörung
Auslöser der Kontroverse ist die Entscheidung der Fifa, die Rote Karte gegen Balogun nachträglich aufzuheben. Der Innenverteidiger hatte im WM-Qualifikationsspiel gegen Ghana die Ampelkarte gesehen, doch der Verband annullierte die Sperre ohne überzeugende Begründung. Kritiker werfen Infantino vor, hier willkürlich in den Wettbewerb eingegriffen zu haben – ein schwerer Affront gegen die Unabhängigkeit der Schiedsrichter.
„Das ist ein beispielloser Vorgang in der Geschichte des Weltfußballs“, erklärte ein Sprecher des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) gegenüber BILD. „Wenn der Verband solche Entscheidungen trifft, untergräbt er das Vertrauen in die Integrität des Spiels.“ Tatsächlich ist die Rücknahme einer Roten Karte nach Spielende extrem selten und nur in Ausnahmefällen bei klaren Fehlentscheidungen vorgesehen. Im Fall Balogun jedoch fehlt laut Experten die rechtliche Grundlage.
Marcel Reif: Infantino wie ein Despot
Marcel Reif, einer der profiliertesten Fußballexperten Deutschlands, ließ in der BILD-Sendung kein gutes Haar an Infantino. „Alle Despoten haben eines gemeinsam: Sie glauben, sie stünden über dem Gesetz“, wetterte Reif. „Infantino benimmt sich wie ein Alleinherrscher, der Entscheidungen nach Gutsherrenart trifft. Das ist in einer Demokratie nicht hinnehmbar.“
Reif bezog sich damit auf Infantinos umstrittenen Führungsstil, der immer wieder für Kritik sorgt. Bereits in der Vergangenheit warf man dem Fifa-Chef vor, zu viel Macht auf sich zu vereinen und Reformen zu blockieren. Die Affäre um Balogun könnte nun das Fass zum Überlaufen bringen.
Klopp-Vorschlag als mögliche Alternative?
Inmitten der Turbulenzen brachte ein weiterer BILD-Beitrag einen überraschenden Vorschlag ins Spiel: Jürgen Klopp als neuer Fifa-Präsident? Der Liverpool-Trainer, der für seine klaren Prinzipien bekannt ist, könnte als Integrationsfigur den zerrütteten Verband einen. Allerdings zeigte sich Klopp bislang zurückhaltend. „Er hat genug mit dem FC Liverpool zu tun“, kommentierte ein Insider. Dennoch wird spekuliert, ob Klopp nach seinem Abschied von den Reds 2026 für das Amt kandidieren könnte.
Bislang gibt es jedoch keine offizielle Bestätigung. Die Fifa selbst schweigt zu den Rücktrittsforderungen. Infantino selbst ließ über seinen Anwalt mitteilen, er denke nicht an einen Rücktritt und die Entscheidung sei „regelkonform“ gewesen.
Druck von allen Seiten wächst
Nicht nur in Deutschland, sondern auch international wächst der Druck auf Infantino. Mehrere nationale Verbände fordern eine transparente Aufklärung des Falls. Der englische Fußballverband (FA) äußerte sich besorgt über die „zunehmende Willkür“ der Fifa. Auch die Spielergewerkschaft FIFPro zeigte sich alarmiert: „Solche Eingriffe gefährden die Glaubwürdigkeit des gesamten Sports.“
Ob Infantino den Skandal übersteht, ist fraglich. Historisch gesehen haben Fifa-Präsidenten selten freiwillig das Handtuch geworfen – erst recht nicht unter Druck. Doch die Affäre um Balogun könnte den Wendepunkt markieren. Experten rechnen mit einer Entscheidung innerhalb der nächsten Wochen, möglicherweise auf dem nächsten Fifa-Kongress.
Zahlen und Fakten zum Fall
Die Rote Karte gegen Balogun fiel in der 73. Minute des Spiels Nigeria gegen Ghana am 3. Juni 2026. Schiedsrichter war der Brasilianer Wilton Sampaio. Nach der Rücknahme der Sperre konnte Balogun bereits im nächsten Spiel wieder auflaufen. Die Fifa begründete die Entscheidung mit einem „technischen Fehler“ des Schiedsrichtergespanns – eine Erklärung, die viele Experten für vorgeschoben halten.
Laut einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov fordern 68 Prozent der deutschen Fußballfans den Rücktritt Infantinos. In Nigeria sind es sogar 82 Prozent. Die Stimmung kocht über – und mit ihr die Diskussion um die Zukunft des Weltfußballs.



