Bulgariens neuer Premier Rumen Radew: Kreml zeigt sich erfreut über EU-Partner
Bulgariens neuer Premier Radew: Kreml erfreut über EU-Partner

Bulgariens neuer Regierungschef: Moskaus Wohlwollen und europäische Bedenken

In Bulgarien hat der ehemalige Staatspräsident Rumen Radew die Parlamentswahlen mit einem Erdrutschsieg für sich entschieden. Der Ex-General und frühere Kampfjetpilot trat im Januar von seinem Amt als Staatsoberhaupt zurück, um für das Parlament zu kandidieren – eine strategische Entscheidung, die sich nun auszahlt.

Ein Sieg der Frustration und der vagen Versprechen

Radews Triumph speist sich maßgeblich aus der tiefen Unzufriedenheit der bulgarischen Bevölkerung mit der politischen Instabilität der vergangenen Jahre. Den Wählerinnen und Wählern versprach der Politiker vor allem eines: Stabilität. Konkrete Pläne, wie er diese erreichen und insbesondere gegen die einflussreiche Oligarchie im Land vorgehen will, blieben im Wahlkampf jedoch auffallend unklar.

"In seinem Wahlprogramm und im Wahlkampf hat er nichts Konkretes genannt", äußerte sich ein Wähler nach der Wahl skeptisch. "Ehrlich gesagt weiß ich nicht, ob ich glauben soll, dass sich das Verhalten der politischen Klasse Bulgariens ändern wird." Diese verhaltenen Erwartungen prägen die Stimmung im ärmsten EU-Land.

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Der "neue Orbán"? Moskaus prompte Glückwünsche

Internationale Beobachter sehen in Rumen Radew bereits einen potenziellen Nachfolger für den ungarischen Premierminister Viktor Orbán. Sie befürchten, dass Radew innerhalb der Europäischen Union eine ähnlich blockierende Rolle einnehmen könnte, insbesondere wenn es um weitere Hilfen für die Ukraine geht.

Diese Befürchtungen werden durch die unmittelbare Reaktion aus Moskau genährt. Kreml-Sprecher Dmitrij Peskow gratulierte bereits am Tag nach der Wahl zum neuen Amt und kommentierte: "Natürlich gefallen uns die Äußerungen von Herrn Radew", und verwies auf eine neue Dialogbereitschaft.

Radew gilt seit langem als ausgesprochen Kreml-freundlich. Im Wahlkampf warb er offen damit, den freien Fluss von russischem Öl und Gas nach Europa wiederherstellen zu wollen. Gleichzeitig positionierte er sich klar gegen Waffenlieferungen an die Ukraine.

Ein starker Mann für ein starkes Bulgarien?

Unmittelbar nach Bekanntgabe des Wahlergebnisses zeigte sich der Sieger entsprechend selbstbewusst. Auf die Frage einer Reporterin der Associated Press, welches Signal sein Sieg für die Beziehungen zur EU und zu Russland sende, antwortete Radew zunächst ausweichend, bevor er seine Vision skizzierte: "Ein starkes Bulgarien in einem starken Europa braucht kritisches Denken und Pragmatismus."

Übersetzt bedeutet dieser Pragmatismus in der Praxis sehr wahrscheinlich eine deutliche Annäherung an Moskau. Mit seiner Allianz "Progressives Bulgarien" verfügt Radew voraussichtlich über eine absolute Mehrheit im Parlament und kann somit ohne größere Koalitionspartner regieren.

Ob der neue starke Mann Bulgariens tatsächlich Stabilität bringen kann oder ob seine Amtszeit von neuen Spannungen innerhalb der Europäischen Union geprägt sein wird, bleibt die zentrale Frage. Die Erwartungen in Sofia sind verhalten, die Beobachtung in Brüssel und Moskau hingegen intensiv.

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