In der ZDF-Talkshow "Markus Lanz" geriet der AfD-Spitzenkandidat für die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt, Ulrich Siegmund, am Donnerstagabend gehörig unter Druck. Die Wirtschaftsjournalistin Ursula Weidenfeld zog einen handgeschriebenen Zettel aus der Hosentasche und rechnete Siegmund vor, dass seine Wahlversprechen nicht finanzierbar seien. "Für mich geht das nicht auf", sagte sie und blieb dabei sachlich und streng.
Harmloser Auftakt mit Tiefgang
Die Sendung stand im Zeichen der Landtagswahl am 6. September in Sachsen-Anhalt. Siegmund, der erstmals in der Runde saß, versuchte zunächst mit weichen, freundlichen Worten zu punkten. Er sprach von "positivem Mehrwert", "politischer Transparenz" und "langfristiger Vision". Moderator Markus Lanz hielt dagegen, mal schneidend, mal selbstironisch. Als Lanz das Gendern als Quatsch bezeichnete, stimmte Siegmund zu: Man habe "andere Probleme als Gendern".
Bevölkerungsschwund und Familienversprechen
Lanz konfrontierte Siegmund mit harten Fakten: Sachsen-Anhalt habe seit dem Jahr 2000 fast eine halbe Million Einwohner verloren und habe die älteste Bevölkerung Deutschlands. Weidenfeld ordnete dies global ein: Weniger Wachstum, weniger Innovation, alles werde langsamer. Siegmund konterte mit der Zahl von fast 20.000 offenen Stellen, die in zehn Jahren auf 40.000 steigen könnten. "Es ist nicht fünf vor zwölf, es ist fast schon zwölf", sagte er und versprach mehr Familienförderung. Lanz entgegnete trocken: "Aber die sind ja noch nicht mal produziert."
Streichen von Ministerien – aber welche?
Auf die Frage, welche Ministerien die AfD streichen wolle, wich Siegmund aus: "Wir wollen euch überraschen." Er wisse es ganz genau, werde es aber nicht sagen, um bei einer möglichen ersten AfD-geführten Regierung keine Fehler zu machen. Lanz ließ nicht locker, bekam aber keine konkrete Antwort. Justus Bender, Journalist der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung, berichtete von Kaderschmieden der AfD, die bundesweit Personal suchten. Siegmund reagierte empört: "Ich staune grad, dass das Gänsehaut hervorruft, wenn man sich qualitativ auf eine Regierung vorbereitet."
Der Zettel als Trumpf
Als es um die Finanzierung der Wahlversprechen ging – kostenlose Kitas, mehr Polizei, Familiengeld – griff Weidenfeld in die Tasche und zog einen Zettel hervor. Sie habe sich alles aufgeschrieben: Steuersenkungen, Prämien, Subventionen. "Für mich geht das nicht auf", wiederholte sie. Siegmund lächelte und sprach von kurz-, mittel- und langfristigen Maßnahmen. "Wir versprechen nicht das Unmögliche." Weidenfeld bot ihm den Zettel an: "Sie können den Zettel übrigens gerne haben und Ihren rechten ausgebildeten Leuten mitbringen." Sie habe das Gefühl, "die hätten einfach ein bisschen mehr rechnen sollen". Siegmund konterte mit einem Jobangebot, das Weidenfeld ablehnte: "Vielen Dank, ich bin Journalistin."
Rechtsextremistische Einstufung und offene Fragen
Der AfD-Landesverband Sachsen-Anhalt wird vom Verfassungsschutz seit 2023 als gesichert rechtsextremistische Bestrebung eingestuft; ein Verfahren gegen diese Einstufung läuft noch. Lanz ging darauf nicht ein. Auch die konkreten Kosten der Wahlversprechen blieben unklar. Lanz erinnerte daran, dass allein die Biersteuer rund 16 Millionen Euro bringe, die die AfD abschaffen wolle. Siegmund versprach, alles einzusparen, was einzusparen sei. "Wir halten uns an Recht und Gesetz." Ein beruhigender Satz, aber noch kein Haushalt.



