In Österreichs zweitgrößter Stadt Graz zeichnet sich ein politisches Phänomen ab: Die einst totgesagte Kommunistische Partei Österreichs (KPÖ) steht vor dem nächsten großen Wahlerfolg. Bürgermeisterin Elke Kahr, die seit 2021 regiert, hat ein Rezept gegen den Rechtsruck gefunden, das selbst die rechtspopulistische FPÖ chancenlos lässt.
Soziale Politik als Erfolgsrezept
Elke Kahr setzt auf eine Politik der sozialen Gerechtigkeit und Bürgernähe. „Nach denen gucken, denen es nicht so gut geht“, lautet ihr Motto. Dieses Credo hat ihr eine hohe Popularität eingebracht. Bei der Gemeinderatswahl 2021 erreichte die KPÖ 28,8 Prozent der Stimmen und wurde stärkste Kraft – ein historischer Erfolg. Seither regiert Kahr mit einer Koalition aus Grünen und SPÖ.
Die Kommunistin verzichtet auf protzige Wahlkämpfe und setzt stattdessen auf direkten Kontakt mit den Bürgern. Sie ist bekannt für ihre Bescheidenheit: Sie wohnt in einer kleinen Wohnung und fährt mit dem Fahrrad ins Rathaus. Diese Bodenständigkeit kommt bei den Wählern gut an.
FPÖ chancenlos gegen Kahr
Während die FPÖ in anderen Bundesländern und im Bund Umfragen anführt, beißt sie sich in Graz an Kahr die Zähne aus. Bei der bevorstehenden Gemeinderatswahl 2026 liegt die KPÖ laut Umfragen erneut vorn. Die Rechtspopulisten kommen nicht gegen die beliebte Bürgermeisterin an.
„Die Menschen sehen, dass wir uns um ihre Probleme kümmern“, sagte Kahr kürzlich in einem Interview. „Wir bieten konkrete Hilfe an, sei es bei Wohnungsnot oder bei der Bewältigung der Teuerung.“ Dieses Angebot scheint zu verfangen: Die KPÖ hat ihre Mitgliederzahl in den letzten Jahren verdoppelt.
Ein Vorbild für andere Städte?
Der Erfolg der KPÖ in Graz könnte Signalwirkung haben. In einer Zeit, in der rechtspopulistische Parteien in ganz Europa Zulauf haben, zeigt das Grazer Beispiel, dass linke Politik mit sozialem Fokus durchaus mehrheitsfähig ist. Allerdings ist die KPÖ in anderen österreichischen Städten kaum präsent. Der Grazer Sonderweg bleibt daher vorerst ein lokales Phänomen.
Elke Kahr selbst gibt sich bescheiden: „Es geht nicht um mich, es geht um die Menschen in dieser Stadt.“ Ob dieses Rezept auch über Graz hinaus wirken kann, wird sich zeigen. Zunächst einmal steht die Wiederwahl an – und die scheint so gut wie sicher.



