Die 31. Fête de la Musique in Berlin lockte trotz eines heftigen Unwetters am Vormittag Tausende Musikbegeisterte in die ganze Stadt. Nach Angaben der Veranstalter waren 1.383 Konzerte auf rund 300 Bühnen geplant – so viele Auftrittsorte wie nie zuvor. Das eintägige Festival bot eine immense musikalische Bandbreite von Elektro über Jazz bis Indie-Pop.
Unwetter behindert Aufbau – Entwarnung am Mittag
Am Vormittag fegte ein schweres Gewitter über Berlin, Bäume stürzten auf Gleise und verursachten Ausfälle bei U- und S-Bahn. Gegen 12:30 Uhr gab der Deutsche Wetterdienst Entwarnung. Dennoch hatten einige Bühnen Schaden genommen: Bei der Hansabibliothek am Hansaplatz in Tiergarten wehten Windböen mehrere Stände davon. „Die sind durch die Gegend geflogen“, sagte ein Feuerwehrsprecher dem Tagesspiegel. Trotz diverser wetterbedingter Einsätze blieb die Lage insgesamt überschaubar.
Straßen-Rave in Kreuzberg und sommerliches Treiben am Holzmarkt
Am Abend versammelten sich Hunderte zu einem Straßen-Rave im Herzen Kreuzbergs. Der Holzmarkt an der Spree entwickelte sich zu einem der Zentren des Festivals, mit ausgelassener Stimmung und Live-Musik der Berliner Alt-Rock-Band Prismala. Auch am Fennsee in Wilmersdorf genossen etwa 80 Menschen bei wabernden Bässen den Sonnenuntergang. DJ ADHSMR legte auf, die Vögel hatten gegen die 140 Beats pro Minute keine Chance.
Polizei: Überschaubare Lage, aber Lärmbeschwerden
Die Berliner Polizei meldete am Abend eine „überschaubare“ Lage. Schwerpunktmäßig in Friedrichshain und Kreuzberg wurden mehrere Veranstaltungen betreut. Es habe immer wieder kleinere Einsätze wegen Auseinandersetzungen oder Streitereien gegeben, so ein Sprecher. Zudem beschwerten sich Anwohner über Lärmbelästigung. Die Beamten vermittelten und ließen teils Verstärker und Lautsprecher drosseln.
Marie von der Heydt: Musik verbindet die Stadt
Marie von der Heydt, Geschäftsführerin des Music Board Berlin, betonte im RBB-Inforadio die Bedeutung der Fête für die Hauptstadt: „Musik hat eine starke verbindende Wirkung für die Menschen und kann so auch eine ganze Stadt miteinander verbinden, weil es in allen Bezirken Konzerte gibt.“ Sie wies jedoch auf Kürzungen bei den Zahlungen des Landes hin: „Das merken wir natürlich extrem in der Organisation. Es koste Geld, eine kostenlose Veranstaltung zu organisieren. Wir hoffen natürlich sehr, dass im nächsten Doppelhaushalt auch wieder darauf geachtet wird.“
Besucher trotzen dem Regen – „Die Stimmung ist super“
Trotz des anfänglichen Unwetters und späterem Nieselregens waren viele Besucher gut gelaunt. Jacky-Oh Weinhaus, Gastgeberin beim „Cake and Rave“ in Charlottenburg, sagte: „Der Regen hat bisher gut getan und uns etwas abgekühlt. Die Stimmung ist super.“ Ellen Dosch-Roeingh, Veranstalterin von „Rave the Planet“, ergänzte: „Durch das Wetter haben wir nicht nur Schön-Wetter-Raver am Start.“ Marry, die mit ihrer Tochter im Kinderwagen unterwegs war, meinte: „Die Stimmung ist gut, die Becher sind voll, was will man mehr?“
Amateurband „Kasse 17“ debütiert auf der Bühne
Die Amateurband „Kasse 17“ spielte um 15 Uhr den Eröffnungsgig im Sommergarten am Filmtheater am Friedrichshain. Fred von der Band sagte: „Als Amateurband ist es natürlich cool, so einen Auftritt zu haben und vor so vielen Leuten zu spielen.“ Die Band spielt eigene Stücke in „deutscher, rockiger Richtung“. Nur das Wetter hätte besser sein können: „Als wir um 13 Uhr ankamen, stand hier alles unter Wasser. Wir dachten nur ‚Um Gottes Willen‘“, so Fred lachend.
Programm am Zeiss-Großplanetarium und Dr. Motte in Charlottenburg
Vor dem Zeiss-Großplanetarium eröffnete der 21-jährige Indie-Pop-Künstler Baumgart mit dem Song „Loser“ über Mobbingerfahrungen das dreistündige Programm. Vereinsvorstand Stephan Hengst lobte das Publikum: „Wir hatten schon Sturm, wir hatten schon Hitze, aber wir hatten noch nie so ein tolles Publikum wie heute.“ In Charlottenburg verschönerte DJ Dr. Motte derweil einen Telekom-Verteilerkasten mit goldenem Klebeband und legte am Abend beim „Cake and Rave“ auf.
Fazit: Musikfestival trotz Widrigkeiten ein Erfolg
Die Fête de la Musique endete um 22 Uhr pünktlich zur Nachtruhe, während das Programm in den Clubs bis zum frühen Montagmorgen weiterlief. Trotz Unwetter und Lärmbeschwerden zog die Veranstaltung Tausende an und bot ein vielfältiges Musikprogramm in allen Bezirken Berlins. Die Organisatoren hoffen auf eine gesicherte Finanzierung für die Zukunft.



