Heino begeistert in Wittenberge: Mit 87 Jahren rockt die Legende weiter die Bühne
Wittenberge • Lesedauer: 5 Minuten
Mit 87 Jahren steht er weiterhin unvermindert auf der Bühne und füllt Säle: Heino, Deutschlands Volkssänger Nummer eins, begeisterte am Donnerstagabend im Kultur- und Festspielhaus Wittenberge ein generationenübergreifendes Publikum. Der Abend war mehr als nur ein Konzert – er wurde zu einer kraftvollen Demonstration von Beständigkeit und künstlerischer Integrität.
Voller Saal und ausgelassene Stimmung
Während große Namen zuletzt nicht immer Garant für volle Häuser in Wittenberge waren, sah es bei Heino völlig anders aus. Der Saal war bis auf den letzten Platz gefüllt, und die Stimmung war von Beginn an elektrisierend. Schon nach den ersten beiden Titeln hallten „Heino, Heino“-Rufe durch den Raum – ein Vorgeschmack auf einen Abend, der von ungebrochener Begeisterung geprägt sein sollte.
Mit zeitlosen Klassikern wie „Caramba, caracho, ein Whisky“, „Schwarze Barbara“ oder „Blau blüht der Enzian“ heizte der Sänger dem Publikum derart ein, dass sich viele Besucher von ihren Plätzen erhoben und mitgingen. Seit den 1960er-Jahren ist Heino als Musiker aktiv, fast zeitgleich mit den Beatles begann seine Karriere. „Die sind Geschichte, ich bin noch da“, kommentierte er selbstbewusst seine Langlebigkeit.
Generationenübergreifende Fankultur
Besonders bemerkenswert war die Zusammensetzung des Publikums: Neben den treuen älteren Fans fanden sich zahlreiche junge Gesichter. So trugen der 28-jährige Marcel aus Wittenberge und sein 25-jähriger Freund John-Luca aus der Nähe von Bielefeld stolz eine Deutschlandfahne mit einem stilisierten Heino-Bild als Bundesadler. „Wir sind beide Fans von Heino“, erklärten sie. „Das ist doch ordentliche Stimmungsmusik – und sie ist auf Deutsch gesungen.“
Unter den Zuschauern befanden sich auch glückliche Gewinner einer Verlosung der Lokalzeitung „Prignitzer“. Jeannine und Heino Böning aus Wittenberge, die gerade ihren 30. Hochzeitstag feierten, gehörten dazu. „Meine Eltern haben sich wohl etwas dabei gedacht, dass sie mir diesen Namen gegeben haben“, meinte Heino Böning schmunzelnd.
Musikalische Vielfalt und klares Statement
Heino präsentierte nicht nur seine eigenen Hits, sondern auch Volksmusik-Klassiker wie „Lustig ist das Zigeunerleben“ – bewusst als Statement gegen sprachliche Tabus gesetzt – oder „Rosamunde“. Mit „Fiesta Mexicana“ erinnerte er an seinen früheren Kollegen Rex Gildo.
Im Laufe des Abends zeigte der 87-Jährige erstaunliche Wandlungsfähigkeit: Mal zog er eine Lederjacke an und rockte die Bühne, mal präsentierte er neue Titel wie „Ein Gläschen am Morgen“. Sogar den umstrittenen Party-Hit „Layla“, dem Sexismus vorgeworfen wird, ließ er nicht aus. Diese gezielten Tabubrüche unterstreichen seine Botschaft: Ich lasse mich nicht verbiegen.
Emotionaler Höhepunkt und Zukunftsperspektiven
Der emotionale Höhepunkt des Abends war die Darbietung der deutschen Nationalhymne als Abschlusslied. Vor einer Deutschlandfahne, die während des gesamten Konzerts auf der Bühne prangte, erhob sich der gesamte Saal – fast wie bei einem Staatsakt. „Er ist der einzige Künstler, der sich das traut“, betonte Manager Helmut Werner.
Trotz seiner 87 Jahre stand Heino fast zwei Stunden ohne Pause auf der Bühne, eine beachtliche Leistung, die gelegentliche Trinkpausen und den Blick auf den Monitor erforderte. Doch die Stimmung litt nicht darunter. Im Gegenteil: Das Publikum feierte ihn mit Standing Ovations.
Ans Aufhören denkt der Sänger offenbar nicht. Sein Vertrag im „Bierkönig“ auf Mallorca wurde bis zu seinem 100. Geburtstag verlängert – ein klares Zeichen, dass diese lebende Legende noch lange nicht ans Finale denkt.



