Rücktritt von Wedl-Wilson: Kulturszene fordert Stabilität
Rücktritt von Wedl-Wilson: Kulturszene reagiert

Berlin - Der Rücktritt von Berlins Kultursenatorin Sarah Wedl-Wilson sorgt für Unruhe in der Hauptstadt-Kulturszene. Die 56-jährige Parteillose hatte am Freitag die Konsequenzen aus einem Bericht des Landesrechnungshofs gezogen, der die Vergabe von rund 2,6 Millionen Euro Fördermitteln für 13 Projekte zur Antisemitismusprävention als rechtswidrig eingestuft hatte. Eine Nachfolge ist noch nicht in Sicht. Stimmen aus der Kulturszene zeigen, welches hohe Ansehen die Senatorin genoss und welche Sorgen nun bestehen.

Oliver Reese - Intendant des Berliner Ensembles

„Für die Berliner Kulturlandschaft ist es fatal, dass innerhalb einer Legislaturperiode bereits der zweite Senatoren-Rücktritt erfolgt“, erklärte Reese. Während sein Vorgänger Chialo als „eindeutige Fehlbesetzung“ gegolten habe, habe sich Wedl-Wilson stark für die Kultur eingesetzt. „Sie hat das angespannte Verhältnis zwischen dem Regierenden Bürgermeister und der Kulturszene in einen konstruktiven Dialog überführt und sich erfolgreich für eine Reduktion der drastischen Kürzungen eingesetzt.“ Ihren Rücktritt bezeichnete Reese als konsequent, bedauerte aber persönlich, dass sie ihr Amt niederlegen müsse.

Franziska Stoff - Vorständin der Berliner Kulturkonferenz

Die Vertreterin des größten Bündnisses Berliner Kulturverbände forderte rasche Stabilität an der Spitze der Kulturverwaltung. „Die Gemengelage insgesamt ist natürlich eine Gefahr für die Kulturförderung in der Stadt und für die Kultur insgesamt“, sagte sie dem RBB. Es sei wichtig, dass nun Stabilität einkehre und der oder die Nachfolgerin von Wedl-Wilson für die Kultur kämpfe, besonders mit Blick auf knappe Kassen und die schwierige Haushaltslage. Stoff betonte, dass unter Wedl-Wilson „sehr, sehr viele gute Sachen“ passiert seien – „die sollte man nicht vergessen“.

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Thomas Fehrle - Direktor der Deutschen Oper Berlin

Der Direktor der Deutschen Oper und Vorsitzende des Landesverbandes Bühnenverein bedauerte den Rücktritt der Senatorin. „Mir tut es persönlich sehr leid für Sarah, weil sie hat das wirklich sehr engagiert gemacht und war auch kompetent oder ist kompetent, was ja auch nicht selbstverständlich ist in dem Bereich“, sagte Fehrle dem RBB. Er äußerte Zweifel an einer Neubesetzung des Amtes zwei Monate vor der parlamentarischen Sommerpause und schlug vor, dass der Regierende Bürgermeister das Amt vorübergehend selbst übernehmen und über seine Staatssekretärin den Bereich stärken könnte.

Marcel Weber - Vorsitzender der Clubcommission Berlin

„Dieser Rücktritt bedeutet vor allem erstmal wieder eine große Verunsicherung und Instabilität in der Berliner Kulturszene“, sagte Weber dem RBB. Das sei eine „nicht hinzunehmende Tatsache“, mit der man nun arbeiten müsse. „Was wir fordern, ist tatsächlich Stabilität für die Berliner Kulturszene und dass wir jemanden haben, der für die Szene hier kämpft.“

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