Ehemalige JVA Braunschweig: Kreative Zwischennutzung für den alten Knast
Kreative Ideen für das alte Gefängnis in Braunschweig

Bis vor kurzem herrschten in der Justizvollzugsanstalt (JVA) Rennelberg in Braunschweig noch strikte Kontrolle und ein rauer Ton. Doch nun öffnet sich das ehemalige Gefängnis für die Öffentlichkeit: Bis zum geplanten Verkauf soll das Gelände für kulturelle und künstlerische Projekte genutzt werden. Das Festival Theaterformen bringt ab dem 18. Juni 2026 internationale Künstler und Besucher zusammen, um über Themen wie Gerechtigkeit und Freiheit nachzudenken.

Ein Ort der Begegnung statt Isolation

„Die JVA Rennelberg ist kein Gefängnis mehr, aber auch noch nichts anderes“, sagt Festival-Leiterin Anna Mülter. Sie betont, dass der Ort nun für Gemeinschaft und Kunst genutzt werden soll. „Das Prinzip Gefängnis basiert darauf, Menschen zu vereinzeln. Hier wollen wir zusammenkommen.“ Das Festival Theaterformen, das zu den größten internationalen Theaterfestivals im deutschsprachigen Raum zählt, findet im jährlichen Wechsel in Braunschweig und Hannover statt.

Programm: Performances, Diskussionen und Silent Disco

Das Publikum kann sich auf einen performativen Parcours durch die Zellen des ehemaligen Frauentrakts freuen. Eine kollektive Versammlung im Hof fragt nach dem Umgang mit erstarkendem Faschismus. Künstler und Kollektive setzen sich mit der Geschichte des Ortes und Utopien von Freiheit auseinander. Ein Rahmenprogramm mit Vorträgen, Spaziergängen, Open-Air-Kino und einer Installation ergänzt das Angebot. Im Festivalzentrum gibt es zudem Silent Discos mit Kopfhörern.

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Verkauf des Geländes: Sechs Interessenten

Das Land Niedersachsen hat die ehemalige JVA zum Verkauf ausgeschrieben, Startpreis: 3,6 Millionen Euro. Nach Ablauf der Frist liegen sechs Interessensbekundungen vor. „Wir sichten die Konzepte auf Seriosität“, erklärt Ute Stallmeister vom Landesamt für Bau und Liegenschaften. Bei positiver Bewertung folgt ein Gebotsverfahren. Das rund 13.400 Quadratmeter große Areal liegt etwa 1,5 Kilometer westlich des Stadtzentrums und steht unter Denkmalschutz. Enthalten sind eine Werkstatt, Großküche, Sportflächen und eine Kapelle.

Zulässige Nutzungen: Kein Bordell, aber Wohnungen

Möglich sind Gastronomie, Kleingewerbe, Kunst- und Kultureinrichtungen, Hotel oder Hostel sowie Wohnungen. Eine Spielhalle oder ein Bordell gelten als „unpassende Nutzung“ und sind ausgeschlossen. Die Stadt Braunschweig plant zudem, das gesamte Areal als Quartier neu zu entwickeln. Studentische Entwürfe des Instituts für Städtebau und Entwurfsmethodik zeigen Visionen für die Zukunft – darunter ein „Kiez statt Knast“ mit kleingliedriger Bebauung und einem Klimawald. Die prämierten Entwürfe sind bis zum 20. Mai im Rathaus zu sehen.

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