In der Nacht zum 1. Mai wird in Deutschland traditionell die Walpurgisnacht gefeiert. Vielerorts locken Hexenfeste mit Feuer, Musik und Verkleidungen. Doch nicht alle finden dieses Treiben harmlos. Der Hexenforscher und Buchautor Kai Lehmann übt scharfe Kritik an den Feierlichkeiten.
„Geschichtsvergessen und respektlos“
Lehmann bezeichnet die heutigen Walpurgisnacht-Feiern als „pervertierten Hexenklamauk“. Im Interview mit dem SPIEGEL erklärt er: „In den 1. Mai hineintanzen – ja, natürlich. Aber bitte ohne diesen pervertierten Hexenklamauk.“ Der Historiker sieht darin einen „Tanz auf den Massengräbern unschuldiger Menschen“. Er erinnert daran, dass in der Frühen Neuzeit tausende Menschen, vor allem Frauen, als vermeintliche Hexen verfolgt und hingerichtet wurden.
Hexenglaube als historische Realität
Besonders in Regionen wie dem Harz, wo der Hexenglaube einst grassierte, seien die heutigen Feiern geschichtsvergessen. Lehmann betont: „Die Menschen, die damals verbrannt wurden, waren keine Hexen. Sie waren Opfer von Aberglauben und Denunziation.“ Er fordert einen respektvolleren Umgang mit der Geschichte. Statt Verharmlosung sollte das Gedenken an die Opfer im Vordergrund stehen.
Kontroverse um Brauchtum
Die Kritik des Forschers entfacht eine Debatte über den Umgang mit historischen Bräuchen. Während viele die Walpurgisnacht als harmloses Volksfest sehen, mahnen Historiker zur Besinnung. Lehmanns Appell: „Feiern Sie den Frühling, aber vergessen Sie nicht, woran diese Nacht eigentlich erinnert.“
Die Walpurgisnacht hat ihren Ursprung in heidnischen Traditionen, wurde aber im christlichen Mittelalter mit Hexenwahn verbunden. Die Nacht vom 30. April auf den 1. Mai gilt als angeblicher Treffpunkt der Hexen auf dem Brocken. Heute wird sie vielerorts mit Freudenfeuern und Tanz begangen.



