Historiendrama „Das Vergehen“ feiert Premiere beim Filmkunstfest Schwerin
„Das Vergehen“ feiert Premiere in Schwerin

Am 5. Mai feiert das Historiendrama „Das Vergehen“ beim Filmkunstfest Schwerin seine Premiere. Gedreht wurde der Film im Gutshaus Rensow – ohne Heizung, mit Nebel und viel Wagnis. Das Ergebnis wirkt wie von einem anderen Stern.

Ein Film wie ein Gemälde

Am 7. Mai öffnen sich die Vorhänge des Schweriner Filmkunstfests für einen Streifen mit entrückenden Bildern, die an Gemälde erinnern. Gedreht wurde er vor zwei Jahren im barocken Ambiente der Gutshausretter Knut Splett-Henning und Christina von Ahlefeldt-Laurvig in Rensow. Nebel-Stimmungen, antike und teils skurrile Requisiten ohne Kunstlicht sorgten dafür, dass Schnittmeister Jörg Hausschild beim Sichten des Materials glaubte, ein Ufo sei gelandet. Der Film sei nicht von dieser Welt.

Premiere neben „Die Blutgräfin“

Regisseurin Sandra Kaudelka erinnert sich an die nur drei, teilweise bitterkalten Drehwochen im März in dem Gutshaus bei Teterow – ohne Heizung, aber mit viel innerem Feuer. Stolz ist sie, dass ihr Film jetzt in Schwerin Premiere feiert: Im großen Kinosaal, während nebenan „Die Blutgräfin“ von Ulrike Oettinger mit Isabelle Huppert läuft. „Wir werden fast alle zu dem Ereignis kommen“, erzählt die Regisseurin, die bei preisgekrönten Regisseuren wie Christian Petzold und den belgischen Dardenne-Brüdern ihr Handwerk gelernt hat.

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Das Team hinter dem Film

„Wir“, das sind die Gastgeber und Ermöglicher dieser grandiosen Szenenbilder, die das Gros des Films ausmachen: Christina Ahlefeldt war Szenenbildnerin und verantwortlich für die zeitlose, traumverlorene Kulisse des international besuchten Gästehauses. Weiterhin sind Ideengeber und Schauspieler Matthias Bundschuh („Die Wannseekonferenz“, „Tatort“), der Autor der literarischen Vorlage „Der Fürst spricht“, Ingeborg-Bachmann-Preisträger Jan-Peter Bremer, und die österreichische Kostümbildnerin Esther Walz („Die Päpstin“, „Chantal im Märchenland“) beteiligt.

Eine Mini-Crew professioneller Cineasten für eine Low-Budget-Produktion zauberte einen ganzen Kinofilm in und aus Mecklenburg-Vorpommern mit nur einem Kameramann am Set und wenigen Schauspielern, darunter Walter Hess als Leibdiener, der während der Dreharbeiten 83 Jahre alt wurde.

Mit Mut, Mörtel und ohne Millionen

Matthias Bundschuh hatte die Idee mit dem Haus im Niemandsland als Filmkulisse, weil er die Serie „Mit Mut Mörtel und ohne Millionen“ über die Gutshausretter gesehen hatte. Gutshaus-Guru Knut Splett-Henning hat nicht zum ersten Mal eines seiner Häuser dafür hergerichtet: Bereits 2019 diente das Gutshaus Behren-Lübchin bei Gnoien als Schauplatz für „Effigy – das Gift und die Stadt“. Für Ausstattung und Musik schaffte es der Independent-Erstling in die Vorauswahl für die Golden Globe Awards 2021. Filme, Musik, Ausstattung und Szenenbilder haben internationale Auszeichnungen gewonnen, wie Splett-Henning stolz berichtet: auf Zypern, in Toronto, Houston, Manchester, London, Irland, Kopenhagen, South Carolina, Arizona, Berlin und Barcelona.

Die Handlung von „Das Vergehen“

In „Das Vergehen“ fungiert Matthias Bundschuh als realitätsferner Gutsbesitzer. Vor einer entgleisten Welt hat sich ein Gutsherr zu Beginn des 19. Jahrhunderts auf sein Anwesen geflüchtet. In seine Einsamkeit kommt ein neuer Verwalter. Ein Kammerspiel um Lügen und Intrigen, um Misstrauen und innere Gaukelbilder beginnt. Die kraftvoll-poetische Fabel zeigt auch heute auf erschreckende Weise, wozu manipulatives Beugen von Realität führen kann, heißt es seitens der Filmcrew.

Vorfreude auf die Premiere

„Ich bin voller Vorfreude, dass der Film endlich Premiere feiert“, sagt Sandra Kaudelka. „Am meisten freut mich, die schöne Synergie von toller Kulisse und märchenhaften Bildern so homogen zusammengefügt zu sehen.“ Aber ein Film werde erst richtig zum Film auf großer Leinwand mit einem Publikum, wenn der Saal gewissermaßen atmet.

Matthias Bundschuh, der die Premiere ebenfalls erleben will und zwischen Salzburger Festspielen und Pumuckl-Serie nach Schwerin reist, ergänzt: „Ich bin wahnsinnig gespannt, wie das Publikum die zwielichtige und seltsame Reise aufnimmt. Denn wie ein Film wirklich ist, kann man erst sagen, wenn das Publikum ihn gesehen hat. Wie bei einem exklusiven Gericht, das erst richtig seine Wirkung entfaltet, wenn es tatsächlich goutiert wird.“

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