Frauenschutzhaus Güstrow: Neuer Träger DRK und barrierefreie Wohnung
Frauenschutzhaus Güstrow: DRK übernimmt Trägerschaft

Frauenschutzhaus Güstrow unter neuer Trägerschaft

Das Frauenschutzhaus in Güstrow hat einen neuen Betreiber. Seit dem 1. Januar 2026 ist das Deutsche Rote Kreuz (DRK) Kreisverband Güstrow für die Einrichtung verantwortlich. Zuvor hatte der Verein Arche die Schutzeinrichtung 34 Jahre lang geführt. „Wir sind froh, dass wir das DRK für uns gewinnen konnten“, sagt die sozialpädagogische Einrichtungsleiterin Ronja Jäger. Der Hintergrund des Wechsels: Die steigenden bürokratischen und finanziellen Anforderungen waren für den kleinen Verein mit nur zehn Mitgliedern nicht mehr zu stemmen. Der bisherige Trägerverein bleibt jedoch als Förderverein erhalten und unterstützt die Arbeit weiterhin.

21 Plätze in neun Wohnungen

Das Frauenschutzhaus in Güstrow verfügt über 21 Plätze, verteilt auf neun Ein- und Zweiraumwohnungen. Damit können gleichzeitig neun Frauen und ihre Kinder untergebracht werden. Die Auslastung liegt nach Angaben der Leitung im Schnitt bei etwa 80 Prozent. Jede Wohnung ist mit einer eigenen Küche und einem eigenen Bad ausgestattet. „Das macht für unsere Frauen Lebensqualität aus. Sie haben somit ihre Privatsphäre“, erklärte Ronja Jäger auf der jüngsten Stadtvertretersitzung in Bützow, wo sie das Frauenschutzhaus näher vorstellte.

Barrierefreie Wohnung seit 2025

Seit Anfang 2025 steht zudem eine barrierefreie Wohnung zur Verfügung, die mit Bundesmitteln umgebaut wurde. „Wir sind froh, dass wir das umsetzen konnten“, so Jäger. Drei Vollzeit-Sozialarbeiterinnen betreuen die Bewohnerinnen. Die Stadt Güstrow stellt das Gebäude mietfrei zur Verfügung; es wurde 1997 für diesen Zweck saniert. Die Aufnahme erfolgt in der Regel unkompliziert: „Wenn wir Platz haben, nehmen wir sofort auf“, betont Ronja Jäger.

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Finanzierung und Kosten

Die Bewohnerinnen zahlen Nutzungsentgelte, die sich an den Richtwerten des Landkreises für angemessenen Wohnraum orientieren. Üblich sind Beträge zwischen 450 und 600 Euro, abhängig von der Wohnungsgröße. „Wir müssen Eigenmittel erwirtschaften, um Fördermittel zu bekommen. Das decken wir damit ab“, erklärt Ronja Jäger. Das Frauenhaus finanziert sich ansonsten über Landesmittel für Personal- und Sachkosten, Zuschüsse des Landkreises Rostock, der Stadt Güstrow, des Amtes Bützow-Land, Nutzungsentgelte sowie Spenden.

Schutz und Sicherheit als oberstes Ziel

Neben der Unterbringung bietet das Team ambulante Beratung an – auch für Betroffene, die aus Sicherheits- oder Finanzgründen nicht einziehen können. Ziel ist zunächst die Absicherung von Existenz und Einkommen: eigenes Konto, Leistungen, Unterhalt. In der Folge soll ein selbstbestimmtes Leben ermöglicht werden. Im Fokus stehen Frauen, die von körperlicher, psychischer, sexualisierter oder ökonomischer Gewalt betroffen oder bedroht sind. „Das Allerwichtigste ist der Schutz und die Sicherheit für unsere Betroffenen“, stellt Ronja Jäger klar.

Arbeit nach dem Prinzip der Parteilichkeit

Ronja Jäger arbeitet seit elf Jahren im Frauenschutzhaus. „Was immer passiert, ist die Stärkung des Selbstwertgefühls. Das macht die Arbeit auch so wertvoll und besonders“, sagt sie. Viele Betroffene erlebten Isolation und finanzielle Abhängigkeit. Die Arbeit im Haus folgt dem Prinzip der Parteilichkeit: Den Schilderungen der Betroffenen wird geglaubt, Entscheidungen bleiben freiwillig. Die Aufenthaltsdauer liegt meist zwischen drei und sechs Monaten, bei laufenden Verfahren auch länger. „Die wenigsten, die zu uns kommen, wollen Strafanzeige erstatten. Sie wollen nur ihre Ruhe haben. Sie möchten, dass man ihnen glaubt. Wir unterstützen alles, was notwendig ist“, sagt Ronja Jäger. Auch volljährige junge Frauen, etwa bei Gewalt in der Herkunftsfamilie oder Zwangsverheiratung, können aufgenommen werden. Über die Aufnahme entscheidet jedoch auch eine Risikoanalyse. „Bei hoher Gefährdungslage wird eine Unterbringung außerhalb der Region organisiert“, so Jäger.

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