Vor 81 Jahren wurde das Konzentrationslager Dachau befreit. Am kommenden Sonntag wird der 81. Jahrestag der Befreiung des KZ Dachau mit einer zentralen Gedenkfeier begangen. Alexander Hold (Freie Wähler), II. Vizepräsident des Bayerischen Landtags, wird einer der Redner sein. Im Interview mit der AZ spricht er über die Bedeutung der Zeitzeugen, die Herausforderungen des Erinnerns und die Vermittlung des Holocaust-Wissens an junge Menschen.
Die unersetzlichen Stimmen der Überlebenden
Die Zahl der Überlebenden des KZ Dachau wird immer kleiner. Hold betont, wie wertvoll jede Begegnung mit ihnen ist: „Die Stimmen derer, die das Unvorstellbare überlebt haben, sind unersetzlich, auch weil die Erzählungen aus eigenem Erleben über jeden Zweifel erhaben sind.“ Die Vorstellung, dass auch die letzten Zeitzeugen in absehbarer Zeit verstummen werden, mache ihm sehr zu schaffen. Jede Chance, sie mit jungen Menschen zusammenzubringen, sei ein großes Geschenk. Hold bewundert Menschen wie den 98-jährigen Abba Naor, der sein Leben in den Dienst des Erinnerns gestellt und mit dem Land der Täter seinen Frieden gemacht hat.
Angriffe auf die Gedenkkultur
In letzter Zeit wird das Gedenken an die Shoah zunehmend attackiert oder missbraucht – von rechts oder durch antisemitisch-pro-palästinensische Proteste. Hold fordert ein entschlossenes Handeln von Politik und Gesellschaft: „Wir müssen uns täglich bewusst sein, wie dünn das Eis der Menschlichkeit ist und wie schnell Menschen sich für Antisemitismus und Menschenverachtung gewinnen lassen.“ Es dürfe nicht geduldet werden, dass berechtigte Kritik an israelischem Vorgehen als Vorwand für Judenfeindlichkeit missbraucht werde. Jüdisches Leben in Deutschland müsse konsequent geschützt, antisemitische Umtriebe unterbunden und geahndet werden. Neben der Beschäftigung mit der Geschichte sei ein lebendiger Dialog mit den jüdischen Gemeinden zu aktuellen Themen notwendig.
Wissensvermittlung an Schüler
Das Wissen über den Holocaust nimmt trotz des Unterrichts in Schulen ab. Hold engagiert sich selbst, indem er Zeitzeugen in Schulen einlädt. Dennoch reiche das nicht aus, weil nicht mehr jeder Jugendliche Zeitzeugen live erleben könne. Für junge Menschen sei die Shoah bloß Geschichte aus einer früheren Zeit. Selbst Besuche in großen KZ-Gedenkstätten ließen diese Geschichte als etwas Fernes erscheinen. Hold plädiert dafür, die Erinnerungsorte vor der eigenen Haustür stärker ins Bewusstsein zu holen: „Überall gab es KZ-Außenlager, Unternehmen, die Zwangsarbeiter beschäftigten, Häuser, aus denen Menschen deportiert wurden, Gerichte und Behörden, in denen Unrecht geschah.“ Diese Orte könnten davon erzählen, dass der Judenhass kein Phänomen eines fernen Regimes war.
Veranstaltungen zum Gedenken
Am 2. Mai findet von 14 bis 16.30 Uhr ein Themenrundgang „Die Befreiung des KZ Dachau“ statt. Die Anmeldung erfolgt am Veranstaltungstag an der Infotheke des Besucherzentrums der KZ-Gedenkstätte Dachau bis spätestens 13.45 Uhr. Die Teilnahme kostet vier Euro, ermäßigt zwei Euro. Die Veranstaltung ist ab 13 Jahren geeignet. Die zentrale Gedenkfeier zum 81. Jahrestag der Befreiung des KZ Dachau findet am 3. Mai ab 9.15 Uhr statt. Das Programm ist auf der Website der KZ-Gedenkstätte Dachau abrufbar.



