Die Diskussion um eine sogenannte Zuckersteuer in Deutschland ist neu entfacht. Die Bundesregierung erwägt eine Abgabe auf gesüßte Getränke, um die Gesundheit der Bevölkerung zu fördern. Die Getränkeindustrie zeigt sich jedoch vehement dagegen. Dabei erhebt bereits etwa die Hälfte aller Staaten weltweit eine solche Steuer. Ein Blick auf sechs verschiedene Modelle zeigt, wie unterschiedlich die Umsetzung sein kann.
Das britische Modell: gestaffelt nach Zuckergehalt
Großbritannien führte 2018 eine Zuckersteuer ein, die nach dem Zuckergehalt gestaffelt ist. Getränke mit mehr als 8 Gramm Zucker pro 100 Milliliter werden höher besteuert. Dies führte zu einer deutlichen Reduktion des Zuckergehalts vieler Produkte. Die Einnahmen fließen in Sportprogramme für Kinder.
Das mexikanische Modell: eine Pauschalsteuer
Mexiko erhebt seit 2014 eine pauschale Steuer von etwa 10 Prozent auf zuckerhaltige Getränke. Studien zeigen einen Rückgang des Konsums um rund 12 Prozent im ersten Jahr. Die Steuer ist einfach zu erheben, aber weniger zielgenau.
Das französische Modell: eine progressive Abgabe
Frankreich besteuert seit 2012 zuckerhaltige Getränke mit einem progressiven Satz, der mit dem Zuckergehalt steigt. Die Einnahmen werden teilweise für die Gesundheitsförderung verwendet. Die Akzeptanz in der Bevölkerung ist hoch, obwohl die Industrie zunächst Widerstand leistete.
Das norwegische Modell: eine hohe Sondersteuer
Norwegen erhebt seit den 1920er Jahren eine Sondersteuer auf Zucker und zuckerhaltige Produkte. Der Steuersatz ist im internationalen Vergleich sehr hoch. Dies hat zu einem deutlich niedrigeren Konsum von Süßgetränken geführt, aber auch zu Kritik an der Belastung einkommensschwacher Haushalte.
Das chilenische Modell: Steuer plus Kennzeichnung
Chile kombiniert eine Zuckersteuer mit einer strengen Kennzeichnungspflicht. Getränke mit hohem Zuckergehalt müssen mit einem schwarzen Warnhinweis versehen werden. Die Steuer beträgt 18 Prozent auf Getränke mit mehr als 6,25 Gramm Zucker pro 100 Milliliter. Dieses Modell gilt als besonders effektiv.
Das ungarische Modell: eine Gesundheitssteuer
Ungarn erhebt seit 2011 eine sogenannte Gesundheitssteuer auf verschiedene ungesunde Lebensmittel, darunter auch zuckerhaltige Getränke. Die Steuer ist relativ niedrig, aber in Kombination mit anderen Maßnahmen zeigt sie Wirkung. Die Einnahmen fließen direkt ins Gesundheitssystem.
Die Beispiele zeigen, dass Zuckersteuern in vielen Ländern erfolgreich zur Reduktion des Zuckerkonsums beitragen. In Deutschland steht die Debatte noch am Anfang. Die Bundesregierung will nun konkrete Vorschläge vorlegen. Die Industrie warnt vor Wettbewerbsnachteilen und höheren Preisen für Verbraucher. Ob und wann eine Zuckersteuer in Deutschland kommt, bleibt abzuwarten.



