Berlin: Neue Handreichung für Ärzte zu Schwangerschaftsabbrüchen nach Vergewaltigung
Berlin: Neue Handreichung für Ärzte zu Abbrüchen nach Vergewaltigung

Berlin hat eine neue Handreichung für Ärztinnen und Ärzte vorgestellt, die ihnen mehr Handlungssicherheit im Umgang mit Schwangerschaftsabbrüchen nach Vergewaltigung geben soll. Gesundheitssenatorin Ina Czyborra (SPD) betonte, dass Opfer sexualisierter Gewalt keine zusätzlichen Hürden bewältigen sollten. Die Arbeitshilfe soll Unsicherheiten bei der sogenannten kriminologischen Indikation abbauen und den Zugang zu einer rechtssicheren und niedrigschwelligen Versorgung verbessern.

Ziel der Handreichung

Nach Angaben der Senatsverwaltung für Gesundheit ist Berlin das erste Bundesland, das eine solche dezidierte Handlungsunterstützung für die Versorgung von Frauen bereitstellt, die nach einer Vergewaltigung schwanger wurden und die Schwangerschaft abbrechen möchten. Die kriminologische Indikation ist eine rechtliche Grundlage für einen straffreien Schwangerschaftsabbruch in Deutschland. Sie liegt vor, wenn die Schwangerschaft auf ein Sexualdelikt wie eine Vergewaltigung zurückzuführen ist.

Bisherige Praxis und Verbesserungen

Derzeit wird diese Indikation laut der Senatorin noch zu selten angeboten. Betroffenen Frauen müsse nun eine kriminologische Indikation zum Abbruch angeboten werden. In diesem Fall ist der Abbruch nicht rechtswidrig, wird von der Krankenkasse übernommen, und es entfallen die verpflichtende Beratung sowie die dreitägige Wartefrist. „Opfer von sexualisierter Gewalt sollten in ihrer ohnehin schon schwierigen Lage Entlastung erfahren und keine zusätzlichen Hürden und Wege bewältigen müssen“, sagte Czyborra.

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Inhalt der Arbeitshilfe

Die neue Arbeitshilfe wurde beim Runden Tisch Berlin „Gesundheitsversorgung bei häuslicher und sexualisierter Gewalt“ verabschiedet. Sie enthält eine verständliche Darstellung der Rechtslage, konkrete Hinweise zur Ausstellung der kriminologischen Indikation, Informationen zu Durchführungsmöglichkeiten des Schwangerschaftsabbruchs sowie einen Vordruck mit allen wesentlichen Angaben. Dies soll Ärzten Orientierung und Handlungssicherheit bieten.

Hintergrund: Anstieg sexualisierter Gewalt

Anfang der Woche wurden neue Zahlen der bundesweiten polizeilichen Kriminalstatistik veröffentlicht. Demnach stiegen im vergangenen Jahr Straftaten wie Vergewaltigung oder sexuelle Nötigung um 8,5 Prozent. Die Handreichung soll dazu beitragen, die Versorgung der Betroffenen zu verbessern und ihnen in einer ohnehin schwierigen Lage zu helfen.

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