Die Fußball-Weltmeisterschaft 2026 in den USA, Kanada und Mexiko sorgt bereits vor dem Start für heftige Diskussionen. Grund sind die immensen Preise, die Fans für Tickets, Reisen und sogar Fan-Festivals zahlen müssen. Die Zeitung „Boston Globe“ aus einer der Spielorte fällte ein vernichtendes Urteil: „Die Weltmeisterschaft ist zu einem Verbrechen geworden. Der Fußball-Weltverband und nun auch der Staat behandeln die WM wie eine Lizenz zum Stehlen.“
Absurde Ticketpreise und explodierende Kosten
Die Ticketpreise erreichen neue Höhen: Auf der offiziellen Wiederverkaufsseite der FIFA wurden vier Tickets für das WM-Finale im Unterrang für insgesamt 2.299.998,85 Dollar pro Ticket angeboten. Auch die Anreise wird teuer: Die Fahrt mit der Bahn zum Finalstadion in East Rutherford, New Jersey, kostet statt der üblichen 12,90 Dollar nun 150 Dollar – fast das Zwölffache. Die Gouverneurin von New Jersey, Mikie Sherrill, kritisierte dies scharf: „Ich werde New Jerseys Pendler nicht jahrelang mit dieser Rechnung belasten. Die FIFA sollte für die Fahrten zahlen.“
Kritik von Fans und Politik
Die Fan-Vereinigung „Fairness United“ erklärte: „Der Besuch dieser WM ist weder finanziell noch moralisch in dem Rahmen, den wir von Weltmeisterschaften kennen. Normalverdiener sind schlicht nicht die Zielgruppe des Events.“ Die FIFA verteidigt ihre Preispolitik mit einem variablen Preisansatz, der sich an der Nachfrage orientiert. Die Sportausschuss-Vorsitzende des Bundestags, Aydan Özoğuz (SPD), nannte die Preispolitik der FIFA jedoch „absurd“: „Bezahlbare Tickets sind Mangelware, und das führt dazu, dass vielen begeisterten Fußballfans die Stadiontore verschlossen bleiben.“
Wirtschaftliche Prognosen versus Realität
Die FIFA veröffentlichte gemeinsam mit der Welthandelsorganisation eine Studie, die einen sozioökonomischen Nutzen von bis zu 40,9 Milliarden US-Dollar prognostiziert. Hotels in den Gastgeberstädten bereiteten sich auf Rekordauslastungen vor. Doch die Realität sieht anders aus: Der Präsident der Hotel-Vereinigung von New York, Vijay Dandapani, sagte dem Magazin „Forbes“, dass die Nachfrage „sicherlich nicht annähernd auf dem Niveau des Hypes“ liege. Hotelbuchungen in New York für Juni und Juli seien praktisch identisch mit denen des Vorjahres. Zudem gab es Berichte über umfangreiche Stornierungen durch die FIFA selbst.
FIFA kassiert mit
Die FIFA verdient an den Ticketverkäufen mit: Sie erhebt eine Kaufgebühr von 15 Prozent vom Käufer und eine Wiederverkaufsgebühr von 15 Prozent vom Verkäufer. Auf die Preise auf dem Ticket-Portal habe der Weltverband jedoch keinen Einfluss, so die FIFA. Die Organisation betont, dass ihr variabler Preisansatz den Branchentrends in verschiedenen Sportarten entspreche.
Insgesamt zeichnet sich ab, dass die WM 2026 vor allem für zahlungskräftige Besucher konzipiert ist. Ob die Stadien trotz der hohen Preise ausgelastet sein werden, bleibt abzuwarten. Die Diskussionen um die Preispolitik der FIFA werden das Turnier wohl weiter begleiten.



