Im Sommer 1926 war Schwerin für kurze Zeit an den deutschen Linienflugverkehr angeschlossen. Am 1. Juni nahm die Deutsche Luft Hansa AG die Strecke Stettin–Schwerin–Hamburg in Betrieb. Angeflogen wurde der Landesflugplatz Schwerin-Görries. Für den Platz war das ein besonderer Moment, denn regulären zivilen Linienverkehr gab es dort nur in diesen wenigen Monaten.
Die junge Fluggesellschaft
Die neue Fluggesellschaft war damals selbst noch ganz jung. Am 6. Januar 1926 war die Deutsche Luft Hansa AG durch den Zusammenschluss von Deutschem Aero Lloyd und Junkers Luftverkehr entstanden. Im Frühjahr starteten die ersten Linien. Die Route über Schwerin gehörte damit zu den frühen Verbindungen der neuen Gesellschaft.
Schwerin kurz im Liniennetz
Die Strecke war für die Sommermonate vorgesehen. Sie beförderte Post und Passagiere zwischen Stettin und Hamburg. Fliegen war damals teuer und für viele noch immer etwas Außergewöhnliches. Dass Schwerin als Zwischenstation auftauchte, war deshalb keine Nebensache, sondern ein sichtbares Zeichen dafür, dass auch kleinere Städte in die Planungen des jungen Luftverkehrs einbezogen wurden.
Eine Vorgeschichte gab es bereits. Schon 1925 hatte die Luftverkehr Pommern GmbH ähnliche Verbindungen im Norden erprobt, darunter eine Route zwischen Danzig, Stettin und Hamburg. Die Luft Hansa knüpfte 1926 an diese Überlegungen an und band Schwerin in ihr Netz ein.
Der Kranich landet in Görries
Für den Flugplatz Schwerin-Görries blieb das ein Ausnahmefall. In seiner gesamten Geschichte war dies die einzige Phase mit echtem zivilem Linienverkehr. Gerade deshalb hat das Jahr 1926 für den Platz ein besonderes Gewicht. Für wenige Wochen war Görries nicht nur Flugfeld, sondern Teil eines festen Fahrplans.
Das passte in die Zeit. 1926 war für die deutsche Luftfahrt ein Jahr des Aufbruchs. Die neue Luft Hansa eröffnete ihre ersten Verbindungen, nahm den Betrieb von Berlin aus auf und arbeitete an einem Netz, das Städte schneller miteinander verbinden sollte als Schiene oder Straße. Schwerin war davon für einen Sommer ein kleiner, aber realer Teil.
Nach drei Monaten schon vorbei
Lange hielt sich die Verbindung nicht. Bereits zum 31. August 1926 wurde der Betrieb wieder eingestellt. Die Nachfrage blieb zu gering. Es fehlten die Passagiere, die eine solche Strecke wirtschaftlich getragen hätten. Im Jahr darauf wurde die Linie nicht wieder aufgenommen.
Damit war das Experiment beendet, bevor es sich wirklich einspielen konnte. Aus heutiger Sicht liegt gerade darin die eigentliche Pointe dieser Geschichte: Der technische und organisatorische Aufbruch der Luftfahrt war 1926 längst da, doch nicht jede Route fand auch einen Markt. In Schwerin zeigte sich das besonders schnell.
Ein Platz mit schwieriger Geschichte
Der Flugplatz selbst hatte schon zuvor unruhige Jahre erlebt. Nach dem Ersten Weltkrieg verlagerte Fokker große Teile seines Unternehmens in die Niederlande. Teile der früheren Hallen wurden auf Anordnung der Alliierten abgerissen. Das Gelände blieb zwar als Notlandeplatz erhalten, verlor aber deutlich an Bedeutung.
Die kurze Linienverbindung von 1926 war daher auch ein Versuch, dem Platz noch einmal eine zivile Perspektive zu geben. Dauerhaft gelang das nicht. Die Flugplatzgesellschaft löste sich im Dezember 1927 auf. Im selben Jahr wurde das ehemalige Restaurant auf dem Gelände wegen Baufälligkeit abgerissen.



