Ein Nachtzug ohne Schlafwagen? Völliges Regelchaos macht es möglich. Seit dem Fahrplanwechsel 2025/2026 verkehrt ein Nachtzug von Berlin nach Warschau – doch die Passagiere müssen in Sitzwagen der zweiten Klasse durch die Nacht reisen. Der Zug fährt über Krakau bis in die polnische Hauptstadt und weiter nach Przemyśl und Chełm. Die fehlenden Schlaf- und Liegewagen sind kein Zufall, sondern das Ergebnis eines bürokratischen Tauziehens.
Polnische Seite beklagt fehlende Genehmigung
Laut einer Antwort des polnischen Infrastrukturministeriums auf eine Anfrage des Abgeordneten Maciej Konieczny (Razem) habe die deutsche Seite der polnischen Bahngesellschaft PKP Intercity S.A. keine Genehmigung für den Einsatz von Schlaf- oder Liegewagen erteilt. Dies geht aus einer Anfrage der Linksfraktion im Bundestag an die Bundesregierung hervor.
Bundesregierung verweist auf fehlenden Antrag
Die schwarz-rote Bundesregierung erklärte, dass dem Eisenbahn-Bundesamt (EBA) bislang kein Genehmigungsantrag für Schlaf- oder Liegewagen in diesem Zug vorliege. Die Zuständigkeit liege seit dem 4. Eisenbahnpaket bei der Europäischen Eisenbahnagentur (ERA). Das EBA werde nur eingebunden, um die Einhaltung deutscher Vorschriften zu prüfen.
Abstellkapazitäten in Berlin sind fraglich
Die Linksfraktion fragte auch, ob die DB InfraGO AG in Berlin tagsüber ausreichend Abstellgleise für zwei Schlafwagen bereitstellen könne. Die Bundesregierung antwortete, dass eine konkrete Kapazitätsanfrage erforderlich sei. Die Verfügbarkeit hänge von infrastrukturellen Anforderungen und der zeitlichen Lage der Nutzung ab. Die DB InfraGO AG ermittle kontinuierlich den Bedarf und suche gemeinsam mit den Zugangsberechtigten nach Lösungen für Aus- und Neubau. Der Knackpunkt sei jedoch die Finanzierung.
Die Bundesregierung signalisierte grundsätzliche Bereitschaft: Das Eisenbahn-Bundesamt stehe für die Bearbeitung von Anträgen zur Verfügung. Bis dahin müssen Reisende zwischen Berlin und Warschau jedoch weiterhin auf Schlafkomfort verzichten.



