Die Hamburger Reederei Hapag-Lloyd hat eigenen Angaben zufolge eines ihrer Schiffe durch die Straße von Hormus fahren lassen. Ein Sprecher von Deutschlands größter Containerreederei bestätigte auf SPIEGEL-Anfrage, dass es sich um die „Tema Express“ handelt. Die Passage war zuvor von der Nachrichtenagentur Reuters gemeldet worden. Zu den genauen Umständen und dem Zeitpunkt der Fahrt wollte sich das Unternehmen nicht äußern.
Vier Schiffe noch blockiert
Ursprünglich saßen sechs Schiffe mit insgesamt 150 Seeleuten aufgrund der Blockade der Straße von Hormus im Persischen Golf fest. Laut dem Hapag-Lloyd-Sprecher sind es nun noch vier Schiffe. Bei einem weiteren Schiff sei der Chartervertrag ausgelaufen, sodass es nicht mehr zur Flotte der Reederei zähle. Insgesamt sind den Angaben zufolge noch rund 100 Seeleute auf den verbliebenen Schiffen von der Blockade betroffen. Wann mit einer Rückkehr dieser Schiffe zu rechnen ist, sei unvorhersehbar.
Versorgung der Besatzungen
Konzernchef Rolf Habben Jansen hatte am Donnerstag bei einer Branchenveranstaltung erklärt, man warte auf ein Zeitfenster, in dem die Schiffe möglicherweise auslaufen könnten. Die Seeleute seien gut mit Lebensmitteln und Frischwasser versorgt. „Das ist nicht das Problem“, sagte er. Die Reederei stehe in engem Kontakt mit den Besatzungen und den Behörden, um eine sichere Durchfahrt zu ermöglichen.
Hintergrund der Blockade
Iran blockiert die strategisch wichtige Straße von Hormus faktisch seit Beginn des Irankriegs Ende Februar. Die Meerenge ist für die globale Handelsschifffahrt von zentraler Bedeutung. Zuletzt hatte Iran seine Kontrolle über die Route verstärkt demonstriert. So stürmten Spezialkräfte laut iranischen Angaben mehrere Frachter. Zudem sollen erste Einnahmen aus einer sogenannten „Maut“ eingegangen sein, die Iran von Schiffen in der Meerenge erhebt. Die Regierung in Teheran hat angekündigt, die Route erst wieder freizugeben, wenn die USA ihrerseits die Blockade der iranischen Schifffahrt aufheben.
Auswirkungen auf die Schifffahrt
Zahlreiche Schiffe anderer Reedereien sind ebenfalls im Persischen Golf gestrandet. Die Blockade hat bereits zu erheblichen Verwerfungen in den globalen Lieferketten geführt. Die Straße von Hormus ist eine der wichtigsten Wasserstraßen für den Transport von Rohöl und Flüssiggas. Eine längere Blockade könnte die Weltwirtschaft empfindlich treffen. Hapag-Lloyd beobachtet die Lage genau und arbeitet an Lösungen für die verbliebenen Schiffe und ihre Besatzungen.



