Halb Pasewalk war am Sonnabend auf den Beinen. Die einen wandelten rechtsherum um den Stadtring, die anderen nahmen den Weg linksherum. Sie alle wollten beim dritten Stadtringfest die 101 Stände von Unternehmen, Vereinen, Kitas und Institutionen anschauen. Dabei mussten die Stadtbewohner und ihre Gäste eine Strecke von rund drei Kilometern zurücklegen. Denn die Aussteller waren über den ganzen Stadtring entlang der Stadtmauer verteilt.
Eröffnung mit Königin Luise und Maskottchen Kieki
Bürgermeister Danny Rodewald und Stadtpräsident Ralf Schwarz (Starke Mitte Pasewalk) eröffneten das Fest am Museum gemeinsam mit Tina Rossow als Königin Luise und dem Jubiläumsmaskottchen Kieki, der dem Turm „Kiek in de Mark“ nachempfunden ist. Dahinter verbarg sich der Chef des Unternehmervereins Pasewalk, Sven Scheele. Der Verein ließ den Turm mit Mitteln aus dem City-Fonds anfertigen, erläuterte er.
Der scharfe Wind blies den Spaziergängern ins Gesicht. Während es dem Turmdarsteller schnell zu warm unter dem Kostüm wurde, war es für Ihre Hoheit, Königin Luise, in ihrem Kleid am Morgen recht frisch. Nicole Ott mit ihrem Stand „Nähcolletta“ hatte mit dem Wind zu kämpfen. Unter ihrem Angebot von selbstgenähten Tüchern, Waschtaschen oder Cross-Body-Bags machte sich hin und wieder Kinderkleidung auf den Bügeln selbstständig.
Gerichtssaal wird zur Bühne
Ein Höhepunkt waren unter anderem die Schauvorführungen von Ueckermünder und Pasewalker Gymnasiasten im Amtsgerichtsgebäude. In Saal III spielten sie eine Gerichtsverhandlung nach. Die hatte Amtsgerichtsdirektor Ralph Burgdorf an einen eigenen, bisherigen Fall angelehnt. Vom Publikum im Saal gab es dafür viel Beifall, wie Richterin Hanna Sauerländer den Angeklagten Leon, gespielt von Ottokar Kotulla, wegen vorsätzlicher Körperverletzung und Beleidigung einer Mitschülerin verurteilte.
Aber auch sonst gab es viel Interessantes zu erfahren. Im Gerichtsgebäude öffneten sich die Türen von ehemaligen Gefängniszellen und aktuellen Vorführzellen. In der letzteren warten Häftlinge auf den Beginn der Gerichtsverhandlung. Beim Technischen Hilfswerk Pasewalk (THW) erfuhren die Festbesucher, dass die insgesamt 35 Aktiven schon Schornsteine sprengten und mehrere Tage bei der Flutkatastrophe im Ahrtal halfen. Das THW habe auch 30 Mitglieder im Kinder- und Jugendbereich.
Diakonie und Landfrauen zeigen historisches Handwerk
Die Diakonie zeigte unter anderem das historische und rund 500 Jahre alte Gebäude des St. Spiritus-Hospitals, wo etliche der insgesamt 68 Pflegeheimbewohner ein modernes Zuhause gefunden haben. Clownin Ella Popella aus Rothemühl war engagiert worden und hatte für die Spaziergänger einige Späße bereit. Wie an vielen anderen Orten gab es Kaffee und Kuchen.
Die Landfrauen Uecker-Randow zeigten, wie die Wollherstellung und -verarbeitung früher funktionierten. Petra Beyer demonstrierte das Spinnen am Spinnrad. Der Verein mit seinen 160 Mitgliedern stricke und häkele aber auch für Frühchen und Sternenkinder, so die Vereinsvorsitzende Claudia Flemming. Sternenkinder seien Kinder, die tot auf die Welt kamen.
Bundeswehr, Tanzclub und Zahnarztpraxis
Mehrere Soldaten des Panzergrenadierbataillons 411 in Viereck zeigten Scharfschützengewehre und Standardgewehre der Bundeswehr. Der rund 240 Mitglieder starke Tanzclub bot Tanzeinlagen. Hier gibt es Mitglieder zwischen 3 und 80 Jahren, so der stellvertretende Vereinsvorsitzende Mike Kuprella.
Bei der Zahnarztpraxis von Lutz Fehrmann und Christopher Trutwig durften die Besucher selbst ausprobieren, ein Gebiss digital zu scannen. Damit sei kein herkömmlicher Zahnabdruck wie früher notwendig. Der Zahnersatz könne mit einem 3D-Drucker erstellt werden.
Medizinische Einblicke und Gewinnspiele
Die Asklepios-Klinik gab an ihrem Stand einen Einblick in die Gastroenterologie. Die Funktionsoberärztin Susanne Zürner zeigte dabei, wie Greifer bei einer Magen- und Darmspiegelung zupacken können. Sie nutzte dafür Schaumsüßigkeiten mit Erdbeergeschmack.
Bei Birkenstock gab es am Glücksrad kleine Preise zu gewinnen. Die Stadtwerke präsentierten ihre Produkte von Gas, Strom, Fernwärme und Glasfaserinternet. Die Wohnungsbaugesellschaft (Woba) bot Kuchen der Kita am Pulverturm an, erläuterte Geschäftsführer Dennis Becken. Für jeden Euro würden die Woba und die Stadtwerke jeweils einen Euro drauflegen, damit neue Spielgeräte angeschafft werden. Die Wohnungsbaugenossenschaft (WBG) lockte mit der Schätzfrage, wie viele Mitglieder seit der Gründung 1954 in die WBG eingetreten sind.
Wünsche für das nächste Stadtringfest
Drei Hinweise für Veränderungen hat die Stadt schon zum Fest bekommen, so der Bürgermeister. Es gab den Wunsch nach mehr Ständen, die etwas zu Essen anbieten. Es sei angeregt worden, am Weg einige Dixi-Klos aufzustellen. Außerdem sieht Danny Rodewald die Chance der Zusammenarbeit zwischen Stadtmuseum und Amtsgericht. Denn auch das Gericht habe historische Räume und sei auf dem Grund des ehemaligen Klosters gebaut worden. „Von den Ausstellern selbst hat es nur positive Resonanz gegeben“, sagte der Bürgermeister.



