Künstler Tilly nennt Sparkurs bei Deutscher Welle 'politische Dummheit'
Der bekannte Karnevalskünstler Jacques Tilly hat scharfe Kritik an den geplanten Sparmaßnahmen bei der Deutschen Welle geübt. In einem Interview mit der Deutschen Presse-Agentur bezeichnete der Bildhauer die Kürzungen des Bundeszuschusses als "politische Dummheit". Tilly unterstützt damit die Proteste von Gewerkschaften und Journalistenverbänden gegen die Einsparungen beim deutschen Auslandssender.
21 Millionen Euro weniger und 160 Stellen betroffen
Die Bundesregierung plant für das Jahr 2026 eine Kürzung des Zuschusses für die Deutsche Welle um 21 Millionen Euro. Diese Einsparungen betreffen nach Angaben des Senders etwa 160 Vollzeitstellen. Der Auslandssender mit Hauptsitz in Bonn produziert Angebote in 32 verschiedenen Sprachen und wird vollständig aus Steuermitteln finanziert.
"Der Sender ist in vielen Staaten eine wichtige Stimme der Freiheit und Demokratie", betonte Tilly in seiner Stellungnahme. Der Künstler warnte davor, dass durch die Kürzungen "liberale Fundamente" in die Defensive gedrängt würden. Er zog einen direkten Vergleich zu den USA, wo Präsident Donald Trump bereits ähnliche Kürzungen beim Auslandssender Voice of America veranlasst hatte.
Protestdemonstration in Berlin mit symbolischem Kunstwerk
An diesem Mittwoch findet in Berlin eine große Demonstration gegen die Sparpläne statt. Die Gewerkschaften Verdi und der Deutsche Journalistenverband haben zu der Protestaktion aufgerufen, die am Alexanderplatz beginnt und mit einer Abschlusskundgebung am Brandenburger Tor endet.
Für diesen Anlass hat Jacques Tilly ein besonderes Kunstwerk geschaffen: Eine große Plastik, die Wladimir Putin, Donald Trump und einen iranischen Ajatollah zeigt, wie sie Arm in Arm jubeln, weil der Etat der Deutschen Welle gekürzt wird. Dieses symbolträchtige Werk soll auf der Abschlusskundgebung präsentiert werden und die Kritik an den Sparmaßnahmen visuell unterstreichen.
Persönliche Erfahrungen mit autoritären Regimen
Jacques Tilly bringt sehr persönliche Erfahrungen mit autoritären Regimen in die Diskussion ein. Erst Anfang April hatte ein Moskauer Gericht den Künstler in Abwesenheit zu acht Jahren und sechs Monaten Haft verurteilt. Die Anklage lautete auf Verletzung religiöser Gefühle und Verbreitung von Falschnachrichten über die russischen Streitkräfte.
Hintergrund dieser Verurteilung sind Tillys Karnevalswagen, die Kremlchef Wladimir Putin und den von ihm befohlenen Krieg in der Ukraine kritisierten. Diese Erfahrung unterstreicht für den Künstler die Bedeutung unabhängiger Medien wie der Deutschen Welle in Konflikten mit autoritären Staaten.
Gewerkschaften warnen vor gravierenden Folgen
Der Deutsche Journalistenverband (DJV) und die Gewerkschaft Verdi äußern massive Bedenken zu den geplanten Kürzungen. DJV-Bundesvorsitzender Mika Beuster, der ebenfalls auf der Berliner Kundgebung sprechen wird, warnte: "Ein größeres Geschenk kann Deutschland Autokraten wie Wladimir Putin nicht machen."
Beuster kritisierte weiter: "Ausgerechnet jetzt, da die Demokratie weltweit unter Druck ist, kürzt die Bundesregierung die Mittel für die Deutsche Welle, statt sie aufzustocken." Auch Verdi befürchtet durch die Sparmaßnahmen gravierende Reichweitenverluste, während gleichzeitig "Stimmen der Desinformation stärker werden".
Konkrete Auswirkungen auf das Programm
Die geplanten Einsparungen haben bereits konkrete Auswirkungen auf das Programm der Deutschen Welle:
- Einstellung des Griechisch-Dienstes
- Reduzierung des journalistischen Portfolios in verschiedenen Sprachen
- Kürzung zahlreicher Positionen im gesamten Haus
- Deutliche Reduzierung der Investitionsmittel
Intendantin Barbara Massing hatte bereits im Februar gewarnt, dass die Einsparungen "äußerst schmerzhaft" seien und die Wettbewerbsfähigkeit der Deutschen Welle schwächen würden. Dies geschehe in einer Zeit, in der eine starke deutsche und europäische Präsenz geopolitisch immer wichtiger werde.
Forderung nach ausreichender Finanzierung
Die Gewerkschaften fordern nun Kulturstaatsminister Wolfram Weimer auf, sich für eine ausreichende Finanzierung der Deutschen Welle einzusetzen. Tillys abschließende Warnung lautet: "Deutschland sollte nicht Trumps Fehler wiederholen." Der Künstler betont, dass unabhängige Auslandsmedien in Zeiten zunehmender geopolitischer Spannungen und autoritärer Tendenzen weltweit von entscheidender Bedeutung für die Verteidigung demokratischer Werte seien.



